Tag 51


Tag 51

Joana weckt mich. Ich habe keinen Alkoholgeschmack im Mund und fühle mich relativ frisch. Caio hat schon Kaffee gekocht. Uschi ist noch nicht vom Einkauf zurück. Sie möchte uns sicher Etwas mitgeben. Das Bad von den Beiden ist ein schmaler, gut gefliester Gang. Ich muss durch die eingelassene Dusche gehen, um auf die Toilette zu kommen. Waschbecken und Spiegel sind vor der Dusche. Der Gang endet mit einem schulterhohen Fenster in Hofrichtung direkt hinter der Toilette. Eine perfekte Konstruktion. Um zu duschen, muss ich lediglich zwei Falttüren zu ziehen. Die schließen mit dem Boden ab.

Nach meiner Erfrischung im Bad trinke ich mit Caio Kaffee. Caio sucht im Fernsehen, Sendungen von Skisport und Fußball. Er ist ganz abgelenkt. Uschi kommt zurück und gibt Joana einen ziemlich großen Beutel mit Inhalt. Joana sagt ihr, dass das nicht nötig sei. Die Zwei reden sich untereinander Danksagungen zu. Sie entschuldigen sich untereinander für die Mühen. Das Übliche.

„Wann wollt Ihr fahren“, fragt Uschi.

„Jetzt.“

Wir müssen jetzt fahren. Eigentlich ist es schon ziemlich spät. Es ist gegen zehn Uhr. Ich rechne mit diversen Staus und etwa sechs Stunden Fahrzeit.

Die Zwei begleiten uns zum Auto. Zu unserem Schreck, wurde die kleine Dreieckscheibe eingeschlagen. Komisch. Wir hatten im Auto nichts liegen. Caio sagt begleitet uns zu den Carabinieri. Wir geben dort die Anzeige auf und bekommen ein Protokoll für die Versicherung. Für die Fahrt schließe ich die Öffnung mit Pappe. Dadurch sehe ich den Rückspiegel nur eingeschränkt. Reparieren lassen wir das zu Hause. Mittlerweile ist es ein ganzes Stück nach Zwölf. Jetzt wird auch unsere Zeit knapp.

Die Stadtausfahrt geht zügig und unkompliziert. Auf der Autobahn ist in unsere Richtung lebhafter Verkehr. Es wird schon Rückreiseverkehr aus den Skigebieten dabei sein. Auf den Dächern der Autos sind Skier zu sehen. Wir haben von Caio keinen Kaffee mitgenommen. Bei Gelegenheit müssen wir eine Kaffeepause einlegen. Am besten, beim Tanken. Ich spekuliere darauf, dass an der Autobahn der Diesel preiswerter ist als in Mailand am Wochenende. Die großen Preisschilder an der Autobahn geben mir Recht.

In Peschiera staut es bei der Abfahrt. Der Garda ist immer noch ein begehrtes Ausflugsziel zum Wochenende. Motorradfahrer sind auch zu sehen. Wir haben fünfzehn Grad. In Schweden würde man bei diesen Temperaturen, kurzärmelig herum laufen.

In Affi, in einer Tankstelle, wollten wir unsere Rast einlegen. Die war aber brechend voll. Wir verschieben das auf Rovereto in der Hoffnung, dort einen Platz zu finden. Dann ist auch die Zeit etwas günstiger. Unsere italienischen Mitbürger sind sehr pünktlich zum Mittagstisch. Sie gehen eben nur etwas später. Aber dafür alle auf Einmal.

In Rovereto nehmen wir kurz die Ausfahrt. Dort gibt es einen vorzüglichen Imbiss. Der ist nicht billig. Dafür aber extrem gut. Ich brauche jetzt dringend einen Kaffee und vielleicht auch Etwas zu beißen. In dem Imbiss gibt es meiner Ansicht nach, das größte Panino, das Unsereiner in Italien kaufen kann. Ein ähnlich großes habe ich nur an der Rennstrecke in Mugello bekommen. Das ist aber lange her. Jetzt gibt es dort Paninis in der Größe von Trentiner Touristenfallen. Dagegen ist ein belegtes Toastbrot, eine Vollmahlzeit.

Je näher wir Bozen kommen, desto voller wird die Autobahn. In beide Richtungen. Wir treffen den Sonntagsrückreiseverkehr. Abkürzen über den Gampenpass will Joana nicht. Ich verstehe das. Dort ist wahrscheinlich auch dichter Verkehr.

Bozen Süd bietet bei schönem Wetter eine wirklich beeindruckende Kulisse. Wir fühlen uns jedes Mal heimisch, wenn wir da ankommen.

An der Telemaut öffnet sich die Schranke nicht. Eine krächzende Stimme fordert mich in extrem schnell gesprochenem Italienisch auf, meine Einfahrtstation zu nennen. Ich sage Milano. Es dauert mehrere Minuten. Die Stimme krächzt mich wieder an. Wieder in geschnattertem Italienisch. Hinter mir hupen schon die Nachfolger. Ich lass die Scheibe runter und halte meinen Telepass raus. Es passiert Nichts. Ein Kontrolleur kommt zu uns und sagt, ich solle etwas zurück fahren, damit sie die Nummer lesen können. Ich fasse es nicht. Das ganze Areal steht voller Kameras und die fragen mich nach meiner Nummer.

Auf diesen Telepass habe ich mein Motorrad und das Auto angemeldet. Das muss ich dringend ändern. Die stellen sich echt zu blöd an für solche Kombinationen. Bei Gelegenheit muss ich das Motorrad separat anmelden. Dann, so hoffe ich, sind diese Unterbrechungen seltener. Mir ist das peinlich. Immerhin zahle ich um die dreißig Euro Maut für die Benutzung der Straße und für die Arbeitsplätze des Servicepersonals. Für eine Strecke, wohlgemerkt. Wenn ich mir das recht überlege, bezahle ich damit rund einhundert Prozent Aufschlag auf den Dieselpreis. Und der ist schon ganz schön üppig bei uns in Italien.

Wir kommen zu Hause an. Eigentlich könnten wir jetzt noch schnell eine Pizza bestellen bei Doris. Joana sagt, sie macht das etwas später. Ich jedenfalls, will mich gleich hinlegen. Am Montag wartet eine neue Arbeit auf mich. Nachdem ich Joana nach Nauders gefahren habe.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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