Tag 61


Tag 61

(mittwoch)

Der Witz ist, dass wir heute zusammen zu der Zeit aufstehen, zu der Joana sonst auf Arbeit geht. Es ist halb Fünf. Heute können wir uns den Kaffee hier auf dem Zimmer kochen. Unten ist sicher noch Niemand da.

Unser hausgemachter Arme – Leute – Tabak aus fermentierten Brennnesseln, Weinblättern und Kräutern, geht auch zur Neige. Ich sage Joana, dass ich welchen von zu Hause mitbringe. Es muss nur zeitig genug Feierabend sein. Immerhin ist der noch zu schneiden. Ich werde ein paar Feigenblätter zufügen.

Wir verabschieden uns und Joana begleitet mich bis ans Auto. Heute sieht das Wetter nicht allzu friedlich aus. Es riecht nach Schnee. Nach einem Küsschen fahre ich los.

Bis Mals treffe ich nicht ein einziges Auto. Wegen der Schneehelligkeit ist es nicht so stockfinster, wie es sein müsste. Der Himmel jedenfalls, ist restlos bedeckt hier Oben. Ab Mals treffe ich bisweilen ein Auto. Meist sitzen Frauen drin. Bei der Dunkelheit, allein im Auto als Frau, erfordert schon reichlich Mut und Selbstbewusstsein. Die Südtiroler Frauen sind selbstbewusst und ziemlich mutig. Das bewundere ich immer wieder.

Von Schlanders bis Vezzan ist schon etwas mehr Verkehr. In der Mensa brennt schon Licht. Der Kollege ist schon da und auch unsere Kassiererin. Sie bereiten sich sicher auf mich vor.

Alois hat das Menü schon angeschrieben. Heute gibt es:

Salatteller

Fenchelcremesuppe

Penne Ragu

Rahmschnitzel, Röstkartoffeln, Spinat

Vanillepudding mit Pflaumen

Das ist eigentlich ein einfaches Menü. Alois hat das extra für mich so geschrieben. Er hätte es auch komplizierter schreiben können. Ich sage ihm das nicht.

Die Salate hat unsere Kollegin Luise schon fertig. Sie hilft mir bei den belegten Broten. Luise staunt, wie schnell ich das kann. Ich schneide die Wurst, den Schinken und Käse direkt von der Maschine auf die Brötchen. Butter geben wir keine drauf. Mich wundert das. „Die Monteure wollen das nicht“, sagt mir Alois. Das glaube ich ihm gern. Unsere italienischen Landsleute in den Skibetrieben wollten das auch nicht. Sie wollten auch selten saure Gurke.

Zur Frühstücksausgabe habe ich ausreichend Zeit, auch zwei Kaffee zu trinken. Die musste ich bei Luise bezahlen. Als Personalkaffee. Wenn ich da bleibe, muss ich mir meinen eigenen Kaffee mitbringen. Bei meinem Konsum würde ich locker drei Euro allein an Kaffee vertrinken. So viel Geld haben ich nicht. Ich zahle allein für den Arbeitsweg, im Monat zweihundertfünfzig Euro. Da sind die Kosten für Reparaturen, Verschleiß und so weiter, noch gar nicht dabei. Alois zeigt mir die Röstkartoffeln. Die haben wir schon gefroren. Den Spinat auch. Das Ragu haben wir als Konserve. Fenchel ist gefroren da und den setze ich gleich zur Suppe in einem Topf an. Spinat und das Ragu gebe ich in den Dämpfer. Die Röstkartoffeln sind vorgebacken. Ich muss mich kaum um die Röstfarbe bemühen. Die lege ich auf die Bratplatte und würze sie. Zwiebel gebe ich in den Blender mit Öl. Die Zwiebel gebe ich etwas später auf die Kartoffeln. Alois ist das neu mit der Zwiebel. „Schmeckt das nicht bitter?“

„Du kannst das dann mal probieren.“

Er wird das sicher auch ohne meine Aufforderung probieren. Schließlich ist das meine Prüfung. Die Fenchelsuppe binde ich wieder mit Kartoffelflocken. Die haben wir reichlich im Haus. Meine Kollegen geben sonst Kartoffeln mit dazu und mixen das zusammen mit dem Namensgeber. Ich mag das nicht, weil gemixte frische Kartoffeln etwas klebrig, fast schon schleimig werden. Die Rahmsauce koche ich als Brühe mit Petersilie und Schnittlauch, binde sie und gebe jetzt Sahne hinzu. „Clever“, sagt Alois. Er ist immerhin ein Kollege und seine Komplimente sind echt. Die Rahmsauce hänge ich gleich in die Bain Marie. Alle Schnitzel, die ich jetzt rosa brate, gebe ich direkt in die Sauce. Bis zur Ausgabe sind die durch, zart und saftig.

Alois hat eine Steaker. Er nimmt ihn nicht gern. Ich schon. Dieser Steaker ähnelt eher einer Pastamaschine. Die würde ich nehmen, wenn wir keinen Steaker hätten.

Mit der elektrischen Pastamaschine geht das Schnitzel klopfen besonders gut und schnell. Den Pudding koche ich ähnlich wie die Rahmsauce. Ich koche ihn in Wasser und gebe Sahne zum Schluss zu. Zumindest verhindere ich damit braune oder schwarze Stücken von Ansätzen.

Louise portioniert den Pudding und gibt den Pflaumenkompott, sparsam oben drauf.

Wir haben Mittag und ich bin rechtzeitig fertig.

Fortsetzung folgt