Tag 73


Tag 73

Es ist wieder die Müllabfuhr, von der wir aufwecken. Wir sind sicher nicht die Einzigen. Ein Tonnenpaar klopft der Fahrer sieben Mal aus.

„Ohne die Müllabfuhr hätte ich verschlafen“, sagt Joana. „Ich habe den Wecker zwar immer gestellt, aber nicht eingeschaltet.“ Ich koche den Kaffee, während Joana sich frisch macht. Sie trinkt drei Schlucke, gibt mir einen Kuss und ist schon weg. Jetzt trinke ich die ganze Kanne leer. Nebenbei schaue ich auf unsere Post. Zwei Nachrichten sind dabei. Es sind Termine für Probearbeiten. Die beantworte ich erst mit dem Handy. Jetzt ist es zu früh.

Heute will ich noch bei Marlies vorbei schauen. Montags bekommt sie vom Bäcker, unverkaufte Backwaren der Vorwoche für das Personal. Und das sind oft ziemlich leckere Sachen dabei.

Als ich Unten ankam, stand das Körbchen schon auf der Anrichte von Marlies. Das Körbchen ist gut gefüllt. Dursun sucht sich gerade Etwas heraus. Er liebt Streusselschnecken. Die gibt es mit Zucker- aber auch mit Schokoglasur. Und Dursun sucht immer die mit Schokoglasur. „Willst Du auch eine? Guten Morgen.“

„Danke, Guten Morgen.“

Marlies kommt mit dem Kaffee. Dursun trinkt ihn wieder türkisch. Die Schokoschnecke ist ein Genuss. Mit einem Schluck Kaffee zusammen, entwickelt sich im Mund eine Melange, traumhaft. Der Bäcker hat wirklich Ahnung, gute Glasuren herzustellen. Die Glasur ist hausgemacht. Der Clou ist, sie schmeckt leicht nach Stollen. Ich schmecke Rosine, Zitronat, etwas Rum und auch Butter. ‚Der kann es‘, denk ich mir.

Es wird Zeit. Ich muss fahren. Es ist Montag.

„Fahr vorsichtig“, sagen die Zwei geschlossen.

„Heute Früh ist schon reichlich Verkehr“, sagt Marlies.

An der Hauptstraße treffe ich umgehend die Bestätigung. Hinter einem Schülerbus steht eine Schlange von Lastern. Die müssen für mich eine Durchfahrt frei machen. Und das dauert. Die Gäste, die jetzt in Hotelzimmern an der Hauptstraße nächtigen, sind alle wach. Dessen bin ich mir sicher.

In meine Richtung ist weniger los als in Richtung Reschen. Die italienischen Laster sind voller Produkte „Made in Germany“, denk ich mir. Es sind auffallend viele italienische Laster. Unter der Woche fahren mehr bulgarische und rumänische Laster mit Waren „Made in Germany“. Reklamationen werden das nicht sein.

Bis Naturns geht es schleppend. Ich komme aber immer noch pünktlich. Das Schnalstal hoch gibt es reichlich Gegenverkehr. Ich sehe deutsche und italienische Kennzeichen an den Autos mit Gepäckträgern auf dem Dach.

Sepp steht vor der Tür mit einer Pfeife in der Hand. Er lacht, als er mein Auto sieht. „Schoa do?“

Er hat nicht damit gerechnet, mich schon um die Zeit zu sehen. „Trink erst ma an Kaffee.“

Wieso schickt mich Sepp zuerst zum Kaffeetrinken? In der Küche werkelt Martin. Er wirkt ziemlich aufgeregt.

Julia hat mir schon den Kaffee rausgelassen. „Willst an Schuss?“

So eine Freundlichkeit am Montagmorgen. Fehlt nur noch, dass ich auf den Arbeitsplatz getragen werde.

Nach dem Kaffee gehe ich in die Küche. Martin haust gerade am Kühlschrank. Der ist wieder intakt. Die Arbeitsfläche steht voller Schüsseln und Töpfchen. In der Biotonne liegen meine Knödel. Nach einem Tag. Normal werden die einen Tag heruntergekühlt und dann eingefroren. Die Tonne ist mal kein Schnellfroster.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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