Tag 90


Tag 90

Wie schön ist es, zusammen aufstehen zu dürfen. Der Anblick meiner wunderschönen Frau lässt mich die ganze Quälerei vergessen. Köche lieben den Anblick von schönem Fleisch. Und Joana ist wohl eines der schönsten Stücke der seltenen Rasse Mensch. Am meisten entzückt mich der wirklich schön geformte Hintern, den ich in der aktuellen Perspektive betrachtet, nicht gehen lassen möchte.

Kaffee setze ich nur für die Arbeit an. Bei Maria möchte ich einen recht großen Kaffee mit Tiroler Sahne trinken. Ich brauche ein paar Gespräche und Nachrichten. Das gibt uns Migranten zumindest das Gefühl, Mitglied unserer neuen Gesellschaft zu sein. Früher hätte man in dem Zusammenhang von menschlicher Achtung gesprochen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Joana hat unser Zimmer schon etwas geputzt. Auch das Bad nach meiner Benutzung. Sie hat Alles gepackt. Viel ist es nicht. Wir gehen zusammen zu Maria.

Man könnte denken, ein Minister ist angereist. Alle Kollegen sind da und wollen uns verabschieden. Dursun trägt unser Gepäck nach draußen. Zwei kleinere Reisetaschen. Joana hat ihm den Schlüssel mit gegeben. Unser Auto steht direkt vorm Hoteleingang.

Maria hat mir einen extragroßen Kaffee gerichtet. In die Tasse geht ein halber Liter. Das wird wohl reichen für unseren Weg.

Alfred gibt Joana noch einen Umschlag. Der ist nicht zu dünn.

„Dein Lohn wird überwiesen, wie immer. Das ist eine kleine Prämie.“

Die Kolleginnen applaudieren. Es gibt dutzende Küsse, Versprechen, sich wieder zu besuchen und auch das Versprechen für die kommende Saison. Komisch; ich hatte nie das Glück, so behandelt zu werden. Obwohl ich bisweilen auch gefragt wurde, ob ich wieder komme. Mitunter waren die Fragen auch etwas versteckt. Ich bin aber Koch und kein Quizmaster. Dazu gehe ich nicht gern auf Ämter. Die bestehen zwar darauf, mich persönlich sehen zu wollen. Aber, ich verzichte lieber auf Geld als mit Beamten reden zu müssen. Das wirkt auf mich erniedrigend, oft kindisch und nicht selten dümmlich. In Südtirol ist das nicht ganz so schlimm. In der besetzten DDR ist das unerträglich. Vor allem, wenn dort Personen hausen, welche in der DDR wegen ihrer mangelnden Fähigkeiten, eher als Sekretärinnen ankamen. Solche Kreaturen führten plötzlich Abteilungen in Ämtern und krochen Besatzern in den Hintern. Um derart dominante Kreaturen habe ich grundsätzlich einen großen Bogen geschlagen. Schon allein das Austragen ihrer Farbpalette an allen sichtbaren Körperteilen, überzeugte mich, nicht unbedingt einen intelligenten Menschen vor mir zu haben. Da trifft praktisch das Sprichwort zu, man könnte sich auch mit den Gesäßmuskel durchs Leben manövrieren. Der Volksmund hat dafür eine Bezeichnung. Ich möchte jetzt nicht die massenhaft gebildeten Frauen aus den Osteuropäischen Ländern beleidigen,die gern als Bordsteinschwalben tituliert werden. Die wollen mir wenigstens nicht vorschreiben, welchen Ausweis ich für welche Tätigkeit zu benutzen habe.

Mit etwas Trauer gepaarte Freude auf die überfällige Heimkehr, fahren wir am Reschen entlang. Es ist zu dunkel, um die Schönheit dieser Aussicht genießen zu können. Wir sind uns aber sicher, bei Tageslicht würden wir diesen Anblick erst mal ruhig genießen. Den Ortler, den herrlichen Blick über das Vinschgau mit den morgendlichen Nebelbänken. Bei Tageslicht hätte ich das sicher wieder fotografiert. Vielleicht zum hundertsten Mal.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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