Fortsetzung Der Beginn


Das Zusammensein mit Joana war sehr schön. Wir wechselten uns ab beim Eier braten. In der Kaufhalle mussten schnell noch ein paar Eier gekauft werden. Dazu haben wir hausschlachtene Blutwurst, etwas Schinken und Jagdwurst gekauft. Für große Küche fanden wir keine Zeit. Ein paar frische Brötchen vom Bäcker und fertig war das Mahl.

Joanas Eltern kamen nach dem Wochenende wieder. Trotz der Putzaktionen Joanas, wussten sie sofort Bescheid.

Das gemeinsame Kaffeetrinken war angesagt. Kuchen hatten wir vom Bäcker mitgebracht. Eierschecke, Kirmeskuchen und Zupfkuchen. In Sachsen war es fast eine Tradition, seine zukünftigen Schwiegereltern bei einem Kaffeetrinken kennen zu lernen.

Die zukünftigen Schwiegereltern stellten sich vor. Bei den Gesprächen ging es sofort darum, womit ich mein Brot verdiene. Gastwirt war damals noch ein ehrenvoller Beruf. Herbert war davon begeistert. Brigitte auch. Schon bei dem ersten Zusammentreffen wurde mir klar, ich soll Schwiegersohn werden.

Herbert kannte meine Eltern. Mich auch. Davon wusste ich aber nichts. Herbert arbeitete beim Straßenbau. Und die Arbeiter kannten praktisch jede Gastwirtschaft im Kreisgebiet. Vor allem die Gastwirtschaften mit einem Speiseangebot. Bei schlechtem Wetter waren die Arbeiter ziemlich lange in der Gastwirtschaft. Das nannte sich Regenschicht. Arbeiten mit Bitumen waren damals, bei dem Wetter, schlecht möglich. Ebenso Markierungsarbeiten und Arbeiten an Straßengräben.

Herbert erzählt nebenbei, er hätte von meinen Eltern ein Doppelstockbett gekauft. In dem habe ich oben geschlafen. Ich hatte das längst vergessen. In diesem Bett schlief auch Joana und ihr Zwillingsbruder. Joana schlief auch oben. Damals noch ohne mich. Der Zufall wurde in unserer Ehe fast schon ein heiliger Spruch. Wir lachen heute noch oft darüber.

„In diesem Bett hatte ich meinen ersten Sex“, sage ich oft scherzend zu Joana. Ich möchte sie dazu bringen, etwas über ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe zu erzählen. Der erste Sex als Kind war selbstverständlich die manuelle Variante.

„Hast Du das etwa gespürt?“

Joana hat bis heute, nichts dazu gesagt. Ich respektiere das. Notlügen will ich keine hören. Das passt nicht zu uns. Wir haben ein ganzes Leben Zeit, Dieses oder Jenes zu beichten. Je länger Etwas her ist, desto größer wird der Spaß damit.

Brigitte arbeitete auch. Fünf Kinder wollten ernährt sein. Auch in der DDR. Brigitte und Herbert haben das prächtig hinbekommen. Ich jedenfalls, kann mich nicht beklagen.

Brigitte arbeitete als klassische Sekretärin. Trotzdem sie eine wirklich schöne Frau war, hatte sie es nicht nötig, ohne Unterwäsche auf Arbeit zu gehen. Brigitte war klug, gerecht, lieb und trotzdem ziemlich dominant. Sie übte ihre Dominanz in einer Art ruhiger Überlegenheit aus.

Montag und Dienstag hatte ich Ruhetag. Herbert war natürlich interessiert, wie ich meine Gaststätte betreibe. Wir fuhren zusammen mit dem Bus. Joana war ziemlich aufgeregt.

Trotzdem ich Ruhetag hatte, stand genug Arbeit an. Die Brauerei hatte geliefert. Es standen vier Fässer Bier vorm Haus. Die Flaschenlieferung war dienstags. Ein zweiter Ruhetag. Herbert wollte sofort die Fässer in den Keller rollen. Als ich ihm die Kellertreppe zeigte, ließ sein Interesse sofort nach. Das war ihm eindeutig zu gefährlich. Mein Bierkeller war ein ehemaliger Luftschutzraum. Fünfzehn Stufen hatte die Treppe. Ein Fass, das dort ins Rollen kam, ging sofort kaputt. Selbst die leeren Fässer hoch zu transportieren, war schon eine Kraftanstrengung. Die Brauerei hatte mir dafür eine wirklich feine Sackkarre gegeben. Das Fass konnte ich darauf anketten. Die Karre zeigte ich Herbert. „Das ist zu schwer für mich.“

Für den Transport in den Keller, bei dem ich extra noch den Kopf extrem einziehen muss, braucht es schon einige Routine. An Tagen, an denen ich da bin, fährt mir der Bierkutscher die Fässer in den Keller. Der kennt die Gegebenheiten genau. Und er ist bedeutend kürzer als ich.

Wir gehen in die Gaststätte. Ich bin da Pächter. Der Besitzer ist ein Bauer. Er arbeitet in der LPG als Traktorist. Wenn ich komme, steht der schon hinter den Gardinen und beobachtet mich. Heute auch.

Zwischenbemerkung

Traktorist ist übrigens eine Berufsbezeichnung aus der DDR und aus der Sowjetunion. Im Zuge der Geschichtsverfälschung, werden Sie das Wort im Duden und in dessen Tradition vergeblich suchen.

Zwischenbemerkung

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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