Fortsetzung Joana als Wirtin


Wir sitzen am Stammtisch zusammen mit Joana und vertreiben uns die Zeit mit ein paar Erinnerungen. Vor der Gaststätte stehen wieder Fotografen. Sie fotografieren unser Lokal.

‚Was gibt es hier schon zu fotografieren‘, denk ich mir.

Die Tür geht auf und vier Leute kommen herein. Eine Familie, wie es aussieht. Die zwei Jüngeren werden begleitet von zwei ziemlich alten Personen. Die Jüngeren helfen den Alten aus der Jacke. Alle setzen sich.

Joana geht hin, um sie zu fragen, was sie möchten.

Sie bestellen Kaffee und fragen, welchen Kuchen wir anzubieten haben. Zum Glück haben wir nicht Alles gegessen. Joana kann Etwas vorweisen. Unsere Gäste nehmen die Windbeutel, Liebesknochen und ein paar Stücke Kirmeskuchen.

„Der Kaffee ist gut. Ich nehme noch ein Kännchen.“

„Reicht Ihnen der Kuchen“, fragt Joana.

„Der ist sehr gut. Den Bäcker kennen wir“, sagt der Opa am Tisch. Er ist sicher um die Achtzig.

Kurt sitzt noch am Stammtisch und gibt ein paar Geräusche von sich. Ich habe es nicht verstanden. Der Opa am Tisch, schon. Er schaut, schaut nochmal, steht auf und geht zum Stammtisch.

„Kurt, bist Du es?“

„Mischa, äh Elias. Schön, Euch mal wieder zu sehen.“

„Karl“, sagt Kurt, „das waren mal die Besitzer Deiner Kneipe.“

„Ich bin jetzt etwas überrascht.“

„Nebenan, das ist ein Kino. Das gehörte dazu.“

„Ich dachte, unser Kino ist unten im Kulturhaus.“

„Früher war das hier. Das ging gut.“

„Das war immer voll“, sagt Elias.

Seine Frau bekommt feuchte Augen. Joana gibt ihr eine Serviette. Sie stellt sich mit Zine vor.

„Wir sind hier enteignet worden. Nicht von den Kommunisten. Von den Faschisten.“

„Wollen Sie das wieder haben?“

„Wir haben es beantragt“, sagt Elias.

Wir unterhalten uns noch etwas. Unsere Gäste möchten auch Abendbrot essen. Der nicht mehr so junge Sohn, eigentlich auch fast ein Rentner, möchte gern noch das Haus anschauen. Wir gehen zusammen eine Runde durchs Haus.

„Hier hat sich Nichts geändert. Sehr schön. Genau so, wie Vater es gebaut hat.“

„Ins Kino kann ich leider nicht rein. Wir müssten Andrea fragen.“

Die Runde ist recht lustig und die Geschichten stimmen mich trotzdem nachdenklich. ‚Wie kann ein Mensch, nach so einem Grauen, so lustig davon erzählen.‘

„Sie waren im Ort sehr beliebt unter uns Bergleuten. Wir haben ihnen Nichts getan“, sagt Kurt.

Elias entkräftet etwas die Aussage. „Ein paar Verräter gab es schon zu der Zeit.“

Joana versucht mit der Frage: „Darf es noch Etwas sein?“, einen Streit zu verhindern.

Das war nicht notwendig. Elias sagt, Kurt und seine Kollegen hätten dafür gesorgt, dass die ungeschoren weg kommen. Die Kneipe und das Kino waren sie trotzdem los. Auch die Wohnung samt Inhalt. Ihre Eltern haben es nicht geschafft. Sie wurden später gegriffen.

Wir gehen nicht genauer darauf ein.

Kurt möchte nach Hause. Der Abend ist so gut wie gelaufen. Die anderen Stammgäste verlassen uns auch gruppenweise. Es wird stiller. Ein Nachbar , der Krankenwagenfahrer, ist noch da. Seine Eltern kennen die Altwirte auch noch persönlich. Er soll sie recht lieb grüßen von den Vieren.

„Wir kommen bei Gelegenheit wieder“, sagt Zine zu mir. Sie wirkt etwas abwesend. Der Sohn hat sich noch nicht vorgestellt. Seine Frau auch nicht. Sie stellen sich bestimmt das nächste Mal vor.

Joana sagt zu mir: „Das klingt nicht gut.“

„Kommt Zeit, kommt Rat“, antworte ich ihr.