Fortsetzung Der Wandel


Plötzlich wollen die ganzen verkappten Gastwirte des Westens ein Geschäft machen. Sie wollen ihre herunter gewirtschafteten Mühlen teuer verschleudern oder unter verpachten. Auf DDR Gastwirte wartet ein Heer von Kriminellen. Angefangen bei Geschirrvertretern. Gefolgt von Anzeigenvertretern und nicht zuletzt, von Kreditvermittlern. Von einem Tag zum anderen, tritt vor unsere Türen der gesamte kriminelle Abschaum dieser Erde. Begleitend dazu, hat man auch gleich die DDR Gesetze beseitigt. Freie Fahrt für westdeutsche Kriminelle. Die umfassende Plünderung durch ein kriminelles Gesindel kann also beginnen. Das nennt sich dann in ihrem Deutsch, Wirtschaftswunder. Selbst aus der Schweiz und Holland kommen Vertreter, die sich anbieten, Gewinne oder Bargeld ins Ausland zu transferieren. Sagen wir einfach Klauen dazu. Vater ist fast am Verzweifeln. „Wenn ich die Tür öffne, steht immer ein Verbrecher davor!

Für dieses abscheuliche Gesindel hast Du ein Leben lang gearbeitet.“ Vater hat früher anders vom Westen gesprochen. Ein Tag, und er ist nachhaltig geheilt.

Gastwirtschaften sind eigentlich Gebäude mit einer offenen Tür für Gäste. Wenn diese Gäste ausnahmslos aus Verbrechern bestehen, ändert sich auch die Einstellung der Gastwirte. Ab genau dem Tag, sind sie keine Gastwirte mehr.

Die DDR steht also jetzt zum Verkauf. Die Kammer unterrichtet uns, wir könnten jetzt unseren Betrieb retten, in dem wir ihn kaufen. Es gibt jetzt eine Treuhand. Schon der Name müsste jeden DDR Bürger nachhaltig erschrecken. DDR Bürger bestehen zum großen Teil aus Bürgern der Gebiete, die schon unter Hitler besetzt waren. In Folge des verlorenen Angriffskriegs wurden unsere Eltern und Großeltern umgesiedelt. Das war natürlich eine Enteignung. Und genau diese Enteignung erleben diese Leute jetzt das zweite Mal. Nicht etwa durch die medial verhassten Kommunisten. Nein. Es waren die alten Herren der früheren Jahre. Kriminelle und Völkermörder.

Unsere Kammer empfahl uns also, auf die Treuhand zu gehen und dort um ein Objekt anzusuchen.

Fortsetzung Der Wandel


Auf der Heimfahrt überholen uns wieder Autos mit irren Geschwindigkeiten. Ein Stau an einer unübersichtlichen Stelle und der Fahrer nebst Opfern ist fällig. Auf der Autobahn können wir die Gewissenlosigkeit von den Kriminellen nachvollziehen. An drei Stellen stehen weinende Leute am Rand neben Schrott. Särge sind auch dabei. Das ist feinster Aufbau – Ost. Zumindest für das Beerdigungsgewerbe. Mich würde jetzt nicht wundern, wenn die DDR Beerdigungsunternehmen plötzlich Westpartner hätten.

Zu Hause angekommen, erwartet uns eine Überraschung der besonderen Art. Elias ist da mit Familie. Jürgen und Andrea sind bei ihnen. Andrea kommt zu mir und sagt, sie würden mit Elias zusammen ein Hotel bauen wollen.

„Was bedeutet das für mich?“, frage ich sie.

„Ja. Wir haben Eigenbedarf und möchten den Pachtvertrag auflösen.“

Und ich habe gerade erst Geld ausgegeben für Einrichtungen. Das fehlt mir noch.

„Kauft Ihr mir die Einrichtung ab?“

„Nein. Wir reißen die Gaststätte ab.“

Naja. Ich stehe nur im Verlust. Aber wenigstens schuldenfrei.

Unsere Währung ist halbiert worden. Die Schulden auch. Das ließ sich jetzt aus dem Portemonnaie bezahlen. Wir sind also über Nacht, blank.

„Was ist mit der Wohnung und den neuen Möbeln?“

„Wir brauchen die nicht. Die kannst Du abholen.“

Was machen wir jetzt? Ziehen wir zu meiner Mutter? Zu Joanas Eltern ins Kinderzimmer?

Zuerst rufe ich die Brauerei an und frage, was wir mit der Ware und den Rechnungen tun.

„Wir holen das ab. Offene Rechnungen hast Du nicht. Wir haben aber ein Angebot für Euch. Komme einfach mal vorbei.“

Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich. Wir verabreden uns auf den kommenden Tag. Die Nacht war für mich keine ruhige. Joana konnte auch nicht schlafen. Wir saßen zusammen und rätselten, was wir tun können. Neben dem Brauereibesuch, wollen wir zunächst unsere Kammer anrufen, wie das nun weiter gehen soll.

Am kommenden Morgen rufe ich an und erbitte einen Termin.

„Sie sind einer von Zehntausend, die gerade anfragen.“

Ich habe wirklich nicht gewusst, dass wir so viele Kollegen haben. Der Termin fällt dementsprechend spät aus. In einem Monat. Darauf werden wir wohl verzichten müssen, schätze ich. Das dauert zu lange. Wir brauchen etwas zum Leben.

Das Angebot der Brauerei hört sich da etwas besser an. Unsere Brauerei hat plötzlich eine Partnerbrauerei aus Bayern. Irgend Jemand muss ja die Gewinne klauen. Der Brauereichef bietet uns eine Pachtgaststätte in seinem Ort an. Die würde gerade frei werden. ‚Wenn der uns eine Gaststätte anbietet, gibt es sicher noch Gaststätten in anderen Gegenden‘, denke ich mir. Wir kaufen also Zeitungen und lesen die Anzeigen. Und siehe da, der gesamte Westen sucht Gastwirte. Und das ausgerechnet in der besetzten DDR. Wenn das kein Plan ist, was dann?

Fortsetzung folgt