Fortsetzung Die Suche


Wir werden wieder in ein Büro gerufen. Schon beim Eintreten bekomme ich den Eindruck, wir wären in der Filiale eines Drogeriemarktes gelandet. Neben dem Geruch der Mixture aus den oberen Regalen der Parfümerieabteilung, liegen sämtliche Sonderangebote der Drogen für die Schmerzbehandlung. Nicht nur das. Das Angebot ist riesig. Es fehlen nur die Preisschilder. Um die Stuhllehnen hängen die offenen Handtaschen. Prall gefüllt mit Schmiere für Augenbrauen, Lippen, Visage und, ich dachte ich sehe nicht richtig, Vaseline. Das Büroleben muss wirklich unglaublich hart sein. Die Schreibtische sind teilweise nicht verblendet. Die Zwickelschau für die Chefetage könnte man fast schon mit einem Werbeaushang der Herberststraße in Hamburg vergleichen. Die Postengeilheit in diesem Büro scheint unübertroffen. Ich habe fast den Verdacht, die Frauen in der Herbertstraße sind klüger als die in dem Büro.

Eine scheinbare Ausnahme, anständig gekleidet und nicht verkleistert, winkt uns gerade zu ihrem Schreibtisch.

„Was wünschen Sie?“

Ich lege den Hefter auf den Tisch und sage ihr, wir kämen aus dem Raum Karl-Marx-Stadt. Unsere Gaststätte haben Alteigentümer wieder bekommen und wir wurden gekündigt.

„Die Kündigung ist nicht rechtens.“

„Wie soll ich das verstehen?“

„Naja. Die Familie Elias hat das Objekt nicht wieder bekommen. Sie wurden nicht von der DDR enteignet.“

„Verstehe ich die Welt richtig? Die Enteignung 1933 war rechtens?“

„Naja. So ist erst Mal das Gesetz.“

„Damit ist die Familie schon das zweite Mal enteignet worden. Sind es die gleichen Enteigner wie damals?“

„Was suchen Sie jetzt konkret. Eine Gaststätte?“

„Wenn es geht, nicht zur Pacht sondern in Besitz. Ich habe kein Vertrauen in die neuen Besitzer.“

„Sie wollen also kaufen.“

„Das wäre, glaub ich, der idealste Schritt.“

„Ich liste Ihnen bis morgen alle Objekte in Ihrer Umgebung mit dem Verkaufspreis auf. Ist ihnen das recht?“

„Wie läuft das dann weiter?“

„Damit gehen Sie zu einer Bank und beantragen das Darlehen für den Kauf.“

„Kennen Sie irgendein Hotel hier in der Nähe?“

Sie kommt gewaltig ins Lachen.

„Im Umkreis von hundert Kilometern werden Sie kein Hotel finden.“

„Und wenn doch?“

„Eine Nacht in dem Hotel, in dem ich schlafe, kostet 550.-DM. Das ist kein Palast.“

„Ich schätze, das Hotel hat schon einen Westbesitzer.“

„Bis morgen. Auf Wiedersehen.“

„Wo schlafen wir heute?“, fragt mich Joana.

„Wir müssen mal schauen. Ich habe mehrere Kollegen, die mit mir an der Trasse gearbeitet haben. Die rufen wir an.“

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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