Fortsetzung Die Suche


Zu unserem Glück, waren die sowjetischen Soldaten noch da. Sie bewohnten eine Villa eines Kriegsverbrechers. Die Kaserne des gleichen Grundstückes war deren Produktionsbetrieb. Jetzt produzieren sie im Westen wieder Strümpfe für die Wehrmacht. Fast wie früher, nur besser.

Zufällig war der Stabsoffizier zugegen, als ich dem Bürgermeister mein Anliegen offenbarte. Der Stabsoffizier wusste, der Bürgermeister ist nicht mein Freund. Der wollte gerade von ihm, dass die Kaserne renoviert wird von den Sowjetsoldaten. Noch vor ihrem Abzug. Dabei haben sich die sowjetischen Besatzer sehr kassenfreundlich benommen. Sie hätten sich zu Lasten der Bevölkerung, auch ohne Weiteres eine neue Kaserne bauen können. Sie haben das nicht getan.

Danach forderte er in dem Gespräch, sie sollten den Boden entgiften. Der Stabsoffizier fragte ganz schüchtern, ob er jetzt die Faschisten und ihre Helfer wieder einsperren soll. Das Gespräch war damit beendet. Der freundliche Offizier blieb aber. Zum Glück. Er verhalf mir damit zu meinem Auftritt, den abzulehnen, sich der Bürgermeister nicht traute.

„Das Gebäude kostet 250 Tausend. Wollen Sie das wirklich?“

„Mir bleibt nichts Anderes übrig. Ich muss. Oder ich muss aus der Heimat gehen.“

Der Bürgermeister war ein christlicher Werkzeugmacher, der sich plötzlich als Herr fühlte. Die Hand am Geld, konnte er plötzlich schlecht, „Nein“ sagen vor dem sowjetischen Offizier. Seine Sekretärin, eine ehemalige Näherin, kannte unsere Familie und sie war oft Gast bei meinen Eltern.

„Das sind gute Wirtsleute!“, ruft sie dem Werkzeugmacher zu. Der Offizier sagte:

„Seine Eltern kennen wir. Fleißige Leute.“

Vater und Mutter waren oft Gastgeber der Offiziere der Kaserne. Ich habe ihnen zum Tag der Befreiung oft ein Buffet gebracht. Die Betriebe haben unseren Befreiern diese Buffets gespendet. Schulen und Kindergärten haben für sie gebastelt und gemalt. Die Soldaten waren unsere Freunde. Alle unsere Brigaden haben einen Namen der gefallenen Sowjetsoldaten getragen. Das war uns eine Ehre. Unsere neuen Besatzer sehen das etwas anders. Sie haben den Krieg verloren. Und das Verlorene, wollen sie zurück. Die Opfer kommen nicht wieder. Nur deren Nachfahren. Die zu entschädigen, fällt den Verbrechern natürlich nicht ein. „Die Russen Kommunisten haben millionenfach ihre eigenen Landsleute ermordet“, hat ihnen ihr Propagandaminister hinterlassen. Der und seine Diener haben auch gern Kinder vergewaltigt.

„Das müssen wir unbedingt den Russen unterstellen“, schreibt dann eine Kriegsverbrecherfamilie in ihre Hetzmedien. Der Pfarrer, ein ganz Unschuldiger, betet das auch von seiner Kanzel. Er bekommt zur Wendezeit, zwölftausend Mark Monatslohn, etwas mehr als der Bürgermeister. Die Arbeiter sind froh, wenn sie sechshundert Mark sehen. Und die freuen sich teilweise darüber. Das sind immerhin Westmark.

Damit können wir Reisen.

Der Bürgermeister willigt ein und fordert mein Konzept. „Das fordert die Sparkasse auch“, sage ich ihm. „Sie sitzen doch dort im Vorstand.“

„Ach ja.“

Damit wäre die dauerhafte Freundschaft schon mal besiegelt. Wir müssen uns nicht auf Ewig da einrichten.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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