Fortsetzung Joana wird Hotelier


Auf der Suche nach Handwerkern komme ich natürlich nicht an meinem ehemaligen Stammtisch vorbei. Auch der Stammtisch meiner Eltern bringt einige Angebote von Handwerkern, die auch schon bei den Eltern ihren Dienst taten. Beim Besuch des ehemaligen Stammtisches fiel mir umgehend auf, meine Kneipe steht nicht mehr. Elias hat zusammen mit Jürgen ein Hotel geplant. Eine Betonplatte steht mit den Anschlüssen, die auf der Platte in die Luft reichen. Andrea steht auf dem Hof, wir halten an und fragen, wie es läuft.

„Das war es. Hier läuft Nichts mehr. Elias hat sich aufgehangen. Seine Eltern und Angehörigen kommen zur Trauerfeier.“

„Was ist den passiert?“

„Der Kredit war erst zugesagt. Die Förderungen wurden abgesagt. Sämtliche privaten Konten wurden geschlossen.“

„Also, war er pleite?“

„Nach meinen Kenntnissen, nicht.“

„Demnach wurde seine Familie das zweite Mal enteignet.“

„So kann man das auch sehen. Jürgen arbeitet wieder bei der Genossenschaft.“

„Und die ist sicher?“

„Die wollten sie auch auflösen. Das scheiterte aber. Der Vorstand musste die Genossenschaft als Firma eintragen. Entweder als AG oder als GmbH.“

„Das sind keine guten Nachrichten. Sag bitte Jürgen einen Schönen Gruß.“

Andreas Papa, der Altbauer, ist gerade beim Füttern der Hühner und Schafe. Er grüßt freundlich.

Martin, ein Nachbar und ehemaliger Rennfahrer für MZ, fährt gerade ein SR 1 Simson-Moped aus der Garage. Er war ein Stammgast von mir und ist weit über Achtzig. Gelegentlich baut er Freunden und Kunden seiner Werkstatt, die Mopeds und MZ – Motorräder. Er grüßt mich freundlich.

„Das ist das erste SR 1, das in der DDR gebaut wurde. Ich hab es.“

Im Westen würden die sich kugeln vor Freude und das Moped sofort zur Versteigerung ausrufen. Martin ist da anders. Er denkt familiär. Seine Erben werden sich untereinander die Haut abreißen für den Besitz dieses Meisterwerkes. Mein Vater hat so ein Ding gefahren und ich auch. Heimlich. Der Sitz war relativ hoch und für einen Jugendlichen in meinem Alter, haben die Beine den Boden nicht berühren können. Die Folge des Übermutes war ein Knäuel aus bestem Stahl. Ich habe das Ding in einer Kurve, aus Angst, nicht eingelenkt. Wir mussten das Moped aus einem Roggenfeld bergen. Trotzdem wir nicht richtig fahren konnten, sind wir zu den Motorradrennen nach Frohburg oder auf dem Sachsenring gefahren. Schon damals fühlten wir uns als echte Rennfahrer und überschätzten regelmäßig unser Können.

Martin will wissen, ob bei uns Alles gut geht. Er verspricht, sich bei uns zu zeigen. Bei Mutter ist er ziemlich oft mit seinem Freund Gerhard. Gerhard ist ein Traktorist und mit der Besatzung, Eigentümer ziemlich wichtiger Liegenschaften im Kreis. Er könnte mit dem Verkauf an Westunternehmen, ziemlich reich werden. Auf alle Fälle hat er es in der Hand, nur jenen Unternehmen, Land zu verkaufen, die keine verurteilten Kriegsverbrecher sind. Das wäre er uns als Parteimitglied schuldig. Gleichzeitig macht ihn das zu einem Galgenvogel mit reichlich Gegnern.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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