Fortsetzung Joana wird Hotelier


‚Die sind hier angerückt und wollen uns komplett beklauen und ruinieren‘, denke ich mir.

Wir stellen an einem ruhigen Abend fest, wie die Besatzer allein mit Rechnungen und Gefälligkeiten, ganze Staatshaushalte plündern. Und das sollen wir lernen, wie scheint. Ein Volk, das sich solche Plünderungen gefallen lässt, ist kein Volk. Selbst unsere afrikanischen Freunde verlieren über Nacht, jede Hochachtung vor diesen Kreaturen. Und das will schon etwas heißen. Im Grunde, können die nur mittels Erpressung verkaufen. Qualität ist das schon lange keine mehr. Die Muster in der Werkstatt des Tischlers waren alles andere als Stühle. Die Beine halten keine zweihundert Aufstuhlungen durch.

Wir haben zwei Zimmer her gerichtet. In einem sollen Rolf und Julia schlafen. Im anderen sein Gehilfe. Eigentlich wollte ich noch ein drittes Zimmer her richten. Für Besucher. Duschen hatten wir auf den Zimmern noch keine. Zum Duschen und Waschen sind wir in die Heizung gegangen. Der Heizer von dem Kulturhaus hatte uns Beides hinterlassen. Und das war in einem beneidenswertem Zustand. Sauber, gepflegt und voll imstande. Spanner hätten an dieser Vorrichtung ihre Freude gehabt.

Julia, Joana und später, Karin, waren alle sehr schöne Frauen. Der Heizkeller war von Außen voll einsehbar. Auch die Dusche.

In unserer Nachbarschaft lebten Bauern. Schon früher waren sie keine Genossenschaftsmitglieder. Privatbauern nannte wir sie in der DDR. Die hatten trotzdem die gleichen Bedingungen wie unsere Genossenschaften. Sie bekamen die gleichen Preise für ihre Erzeugnisse. Auch die Stützungen. Beide Bauern züchteten Pferde. Einer hatte dazu reichlich Kühe und das dazu gehörige Weideland. Das waren große Flächen bis an den Ortsrand. Im Gegensatz zu den Genossenschaftsbauern, wirkten ihre Betriebe, abgewirtschaftet. Sie waren baufällig. Die Misthaufen ihrer Wirtschaft waren, wie üblich bei Bauern, auf der Nordseite angelegt. Und genau das war die Grenze zu unserem Grundstück. Deren Jauche lief bei uns ins Abwasser und damit in unsere Kläranlage. Bei ungünstigen Wetterlagen, rochen wir das sogar in unserem Hotel. Selbst unsere Handwerker bemerkten das. Wir bauten Systeme ein, die das unterbinden sollten. Julia sagte, „Landluft verkauft sich gut in Bayern.“ Beim Abwasser hat das funktioniert. Bei den Fenstern geht es leider nicht.

Das Dach war in einer Woche fertig. Die Dachzimmer und alle eingebauten Nasszellen, benötigten zwei Wochen. Für die Zimmer, die Fenster, neue Fußböden, Auslegeware und Malerarbeiten, benötigten wir einen Monat. Rolf und Julia haben bei den Zellen gleich mit gemacht. Die Hauptanschlüsse folgten später. Jetzt ging es an die Küche und an die Wirtschaftsräume. Zugleich mussten die gesamten Sanitäreinrichtungen gefliest werden. Rolf kannte Fliesenleger. Die kamen zu Zweit. Sie waren Thüringer. Die Zwei hatten nur ein paar Tage Zeit, bei mir etwas zu arbeiten. Ich habe mir ihr System angeschaut und gleich angefangen, mit zu legen. Unsere Küche, die Hälfte unserer Zimmer und die Gästetoiletten habe ich selbst gelegt. Die Jungs haben mich nur noch kontrolliert auf ihren Durchreisen. Damit ergaben sich ein paar Einsparungen. Für den Außenputz hat das leider nicht gereicht. Der war auch sehr gut in Form. Leider in grau. In der DDR war es nicht üblich, Dreck mit Farbe zu überschmieren. Wir haben Dreck abgewaschen.

Unser Hotel lag nicht direkt an der Straße. Wir müssen also an der Straße, Werbung für uns aufstellen. Das klingt einfach. Auf der Gemeinde sagt der Bürgermeister zu mir: „Wir haben einen Vertrag mit einer Werbefirma. Die macht für unseren Ort die gesamte Beschilderung. Hier ist ihr Name.“

Der Lump fängt doch tatsächlich an, für Prozente und Beteiligungen, Werbeflächen zu verkaufen. Nirgends finde ich einen Beschluss, dass Werbung eine einheitliche Größe haben soll. Und das an Standorten, die sich nicht an unserer Einfahrt befinden.

Ich rufe also die Firma an und schau, es war eine Westfirma. Die wollen tatsächlich für ein Schild in der Größe zwanzig Zentimeter mal achtzig Zentimeter, zweitausend Euro pro Jahr. Als ich das Julia und Rolf erzähle, sagt er mir, bei ihnen treiben diese Schutzgeldfirmen tatsächlich auch ihr Unwesen. Der Witz ist eigentlich ein anderer. Jede Firma an der Straße baut im Rahmen des Bauantrages, eine individuelle Werbung samt Beleuchtung. Mir gegenüber entsteht ein Einkaufszentrum und die Werben mit Riesenleuchttafeln. Das ist ein Westunternehmen.

Besatzer.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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