Fortsetzung Joana wird Hotelier


Zum Glück haben meine Eltern einen Gasthof. Sie müssen zur Zeit, hundert Nachfragen ablehnen und zu Kollegen schicken. Zuerst wird mir diese Lösung, Gäste bringen. Für Später muss uns Etwas einfallen.

Unsere Zimmer, die Gaststätte und selbst unsere Lagerräume, nehmen langsam Gestalt an. Die Küche fehlt. Ich brauche keine Werbung schalten, um Kücheneinrichter einzuladen. Vor unserer Haustür geben sich Vertreter die Klinke in die Hand. Ich frage mich, wer die schickt und woher die wissen, dass wir ein Hotel bauen. Irgend Jemand verlauft nebenbei, Tipps und Adressen. Komischerweise finden die uns umgehend. Ohne Werbung.

Ganz nebenbei machen wir uns jetzt Gedanken, woher wir unsere Hotelwäsche beziehen. Es gibt Wäschereien, die verleihen Wäsche. Deren Kilopreise sind für uns nicht wirklich tragbar. Wir würden für die Bank und für die Wäscherei arbeiten. Zur Zeit, werden sehr viele DDR Betriebe aufgelöst. Auf nimmer Wiedersehen. Darunter sind sehr bekannte DDR Firmen für Bettwäsche, Bestecke, Gläser und Geschirr. An genau diese Firmen wenden wir uns. Alle laden uns ein, den Einkauf bei ihnen vorzunehmen.

Joana freut sich, endlich mal wieder aus dem Haus zu kommen. Wir fahren endlich wieder Mal ins Erzgebirge und ins Muldental. Unser Wartburg hat mit mancher Ladung schwer zu schnaufen. Die Einkäufe werden ihm den Rest geben. Wenn nicht die Ladung, dann ein Unfall. Auf unseren Straßen herrscht Wildwest. Die Besatzer haben eingebaute Vorfahrt. Zum Glück reduziert sich deren Zahl erheblich auf unseren Autobahnen. Aber, wie gewohnt bei Unkraut; das wächst unendlich nach. Unkraut-Ex ist gerade vergriffen bei uns. Die Westbesatzer kaufen es tonnenweise. Sind die zu faul zum jäten oder mischen die uns das ins Essen?

Wenn ich jetzt meinen Vater und Herbert so anschaue, kommt mir fast der Verdacht auf. Den Zweien geht es wirklich nicht gut im Moment.

Joana ist fast täglich bei ihnen, um zu schauen, wie es geht. Zwischendurch malt sie in der Küche, im Haus oder in der Gaststube die Decken und Wände. Das lassen wir keine Profis machen. Wir müssen sparen.

Gelegentlich bekommen wir Besuch von Familienangehörigen. Sie schauen, wie weit wird sind. Es gibt Tipps und Ratschläge. Die sind alle gut gemeint, aber jetzt nicht umsetzbar. Trotzdem halten alle zu uns und wünschen uns viel Erfolg bei unserem Vorhaben. Ehrlich gesagt, brauchen wir manches Mal diese Aufmunterungen.

Die Anmeldung vom Telefon entwickelt sich zu einem echten Schlager. In unserem Haus buhlen einige Firmen um den Vertrag. Kein Mensch kann bei diesem Schwachsinn durchsehen. Wir nehmen einfach die Telefongesellschaft der Besatzer. Die haben ja schon erfolgreich die Infrastruktur der DDR geklaut. Belohnen tun sie uns das mit dem zehnfachen DDR Preis. Diebstahl ist eben teuer.

Unser Wartburg gibt langsam den Geist auf. Den will plötzlich Keiner mehr bauen. „Keine Ersatzteile“, ist die Antwort. Man bewirbt die neuen Westautos mit sagenhaften Krediten. Keiner davon ist unter zehn Prozent. Wenn gestohlen wird, dann richtig.

Rolf und Julia geben uns eine Empfehlung. „Kauft Euer Auto gebraucht bei uns im Westen.“

Die Empfehlung hätten wir eigentlich von unseren Geschwistern und Angehörigen erwartet, die schon im Westen leben. Fehlanzeige. Die haben offensichtlich mit sich zu tun im heiligen Land. Wie scheint, ist für sie der goldene Westen, Arbeit. Arbeit für Andere.

Rolf nennt uns einen Händler. Wir fahren hin. Auf der Autobahn. Täglich hören wir von schweren und schwersten Unfällen auf unserer Strecke. Die Abkürzung über die Plauener Autobahn sparen wir uns. Die umfahren wir großräumig über Hermsdorf. Da geht es scheinbar etwas zivilisierter zu.

Bei dem Händler in Franken angekommen, bietet sich eine relativ große Auswahl. Bis dahin hatte ich mit einem Lada geliebäugelt. Jetzt sollte es ein Westauto sein. Für sechstausend Mark standen ein paar Karossen da. Das war etwa der Preis, den wir bezahlen konnten. Aus rechtlichen Gründen nenne ich das Ding, Fekta. Das Fahrzeug begeisterte uns. Es war ein Omol mit wenig Kilometern auf der Anzeige.

Für unseren Wartburg im besten Alter, bekamen wir einen stolzen Preis. Eintausend Mark! Ausgeschlachtet und verwertet, bringt der sicher Zehntausend.

„Wenn es Probleme gibt, kommen Sie zu uns“, sagt der Händler. Die Leute waren freundlich, boten uns sofort Kaffee und Pralinen an. Ich sollte auf deren Grundstück erst mal Probe fahren. Das ging gut und das war mit meinem Wartburg vergleichbar.

Joana traute sich anfangs nicht so recht. Auf der Autobahn ging es aber gut. Unser erstes Westauto. Rolf und Julia freuten sich für uns mit.

„Mit dem Auto, könnt Ihr uns auch mal besuchen kommen, wenn Alles überstanden ist.“

Ein Wettrennen haben wir uns nicht getraut. An der Autobahn stand mittlerweile zu viel Polizei. Die vielen Toten haben selbst diese schlafenden Organe geweckt.

Auf dem DDR Gebiet stand ein Jungunternehmer, der Eintöpfe aus der Gulaschkanone verkaufte. „Ein Renner hier“, sagt Rolf. Wir hielten an und genehmigten uns so ein Schüsselchen. Wirklich gut und nach echtem DDR Rezept. Rolf und Julia waren ehrlich begeistert.

Fortsetzung folgt