Fortsetzung Der Betrieb läuft


„Früher haben wir wenigstens Ausfahrten und Konzerte bekommen. Das ist wie weg geblasen.“

„Ja. Aber Du hast gesagt, Kommunisten sind Scheiße.“

„Jetzt muss ich sogar beim Doktor bezahlen. Der will zehn Mark und hält mir seinen Lauscher an die Brust. Das wars.“

Ich muss die Zwei nach Hause fahren. Sie haben nicht mal das Fahrgeld, das sich verzehnfacht hat. Manne kann den Arzt nicht mehr bezahlen. Gerlinde auch nicht. Die Drei leben in Existenzangst. Wir packen ihnen etwas Essen zusammen, ein paar Brote, Konserven und ich fahre sie nach Hause. Trostlos endet was blühend begann.

Das kommende Wochenende kommt schon der erste Bus. Unser Ort hat jetzt angeblich eine Partnergemeinde im Westen. Und die besuchen uns. Die blöden Kommentare unterscheiden sich kaum von den Kommentaren der Gäste unserer ersten Gaststätte. Im Gegenteil. Sie sind erniedrigender. „Warum schmeißt Du die nicht raus“, zischt Joana. „ Die angepinselten Nutten mit ihren großen Fressen. Keine von denen hat je gearbeitet.“

Joana hat schon Recht. Geschenke haben die keine mit. Nicht mal Souveniers. Wer hat denen die Fahrt gezahlt?

„Wir haben eine Spendensammlung für Wunderbachwitz gemacht. Der Pfarrer freut sich.“

„Das glaub ich gerne. Der hat es auch bitter nötig.“

„Was gibt es denn heute zu Essen?“

„Die Gemeinde bezahlt Ihnen heute:

Champignonsuppe

Salatteller

Roulade mit seidenen Klößen und Anhaltiner Spargel

Eierschecke mit einem Kirschlikör“

„Spargel haben wir selbst zu Hause, massenhaft.“

„Aber der Gemeinderat, dem auch maßgeblich Bürger ihrer Stadt angehören, hat dieses Menü genehmigt.“

Nach dem Essen sagen mehrere, „der Spargel schmeckt besser als unserer:“

„Vielleicht kann ich ihn besser kochen?“

So habe ich wenigstens dabei, für etwas voreingenommene Unterhaltung gesorgt.

Am frühen Morgen lernen wir das erste Mal, wie sich Westdeutsche an einem Frühstücksbuffet benehmen. Sie packen Alles ein, was nach Essen aussieht. Aber auch unsere Dekoartikel. Mundgeblasene Vasen aus Lauscha. Jetzt ist das privates Westeigentum, das mit Waffen verteidigt wird im Notfall. Die kleinen Schnitzereien aus unserer Glasvitrine, sind auch in ihren Taschen gelandet. Ich frage sie bei der Abreise, ob sie zufälligerweise etwas mitgenommen hätten.

„Nej“, schallt es fast einhellig aus ihren breiten Fressen.

„Soll ich erst die Polizei holen?“

„Unsere Polizei ist doch schon da“, antwortet dieses Drecksvolk, laut lachend.

Ich rufe auf der Gemeinde an und sage Bescheid, dass ich dieses Gesindel nie wieder aufnehme. Die haben bei uns Hausverbot!

Fortsetzung folgt