Die Erweiterung


Die Erweiterung

Im Laufe der Zeit werden unsere Beziehungen umfangreicher. Viele Betriebe feiern bei uns ihre Feste. Die Privatfeiern beschränken sich auf Hochzeiten und außergewöhnliche Jubiläen. Unter der Woche sind wenige Bürger im Ort. Entweder arbeiten sie im Westen oder weit weg von zu Hause. Auf den Autobahnen spielen sich dramatische Vorgänge ab. Es gibt hunderte Tote. Auch im Umfeld unserer Familie.

Manne hat sich zusammen mit Oma und seiner neuen Freundin, vor das Gas gelegt. Alle sind gestorben. Keiner hat sie in dem halb leeren Haus vermisst. Die Trauerfeier war einsam. Arme Leute haben keine Freunde. Selbst die eigene Familie war sehr sparsam vertreten. Wegen Manne, sind mir das erste Mal Tränen gekommen. Ich habe ihm monatlich dreihundert Mark überwiesen. Wir hatten einfach keine Zeit, ihn zu besuchen.

Inzwischen haben wir unseren Jugendclub eröffnet. Ich nannte es nicht offiziell Jugendclub. Der neue Staatsschutz verlangte dafür Erklärungen, die mich an 1933 und an das FDJ-Verbot im Westen erinnern. Ich habe das als Bar geöffnet. Die örtliche Jugend war zufrieden mit dem Treffpunkt. Den Club, einen nicht all zu hohen Raum, haben wir etwas spartanisch eingerichtet. Eine gewisse Gemütlichkeit sollte vermittelt werden. Das gelang uns. An der Decke haben wir einen Durchbruch angelegt. Im Raum oben drüber, einer ehemaligen Bühne, konnte ich den jungen Leuten das Billard platzieren. Jochen, der bis jetzt immer noch keine Arbeit fand, wurde Barist. Andrea war überglücklich. Zu unser aller Glück, wurde die Bar kein Saufhaus. Auch unsere Hotelgäste gingen regelmäßig in die Bar.

Das Alles hat jedoch einen Nachteil. Jochen geht zur Arbeit, während Andrea den Feierabend antritt. Jetzt könnte man denken, ich habe das zu Gunsten Joanas absichtlich getan. Habe ich nicht. Das ist das einfache Tagesleben in Gastronomenfamilien. Die Familienmitglieder treffen sich an den Ruhetagen. Zumindest haben wir der Familie eine Existenz ermöglicht und wesentlich zur Entspannung der Situation bei getragen. Andrea begrüßt ihren Jochen jetzt immer persönlich. Jochen freut sich regelmäßig über ihr frisches Aussehen und ihre Gelassenheit.

Die Beziehung zwischen Joana und Andrea hat sich zu einer echten Liebe entwickelt, von der wir Alle profitieren.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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