Der Druck wächst


Wir einigen uns schnell auf eine kleine Hafenrundfahrt. Zu Kato kommt Stefan, der mir, Joana, Steffen und Karin sogleich einen russischen Kuss verpasste. Stefan ist einer meiner Zimmerkollegen von der Trasse und ein sehr guter Freund. Stefan lebt noch allein bei seiner Mutter. Stefans Mutter ist sehr schön aber geschieden. Ihr Mann, Stefans Vater, ist ausgewandert nach Norwegen. Als Werftarbeiter.

„Wohnst Du immer noch bei Mama?“, fragt Steffen.

„Tja. Mama lässt mich einfach nicht los.“

„Du badest also immer noch mit Mama zusammen?“

„Naja. Du weißt ja: Sie kocht gut, sie putzt gut und sie poliert gut.“

Joana und Karin lachen halblaut. Stefan ist ein hübscher Mann. Lockig, brünett. Wie seine Mama. Karin kennt auch Stefan etwas intimer. Sie hat uns gut versorgt an der Trasse. Stefan war ihr etwas zu spritzig und danach, oft nicht mehr zu gebrauchen.

„Bei Stefan konnte ich mir das Ausziehen sparen“, hat sie mal gesagt.

„Da sind wir ja zu einer stattlichen Truppe zusammen gekommen“, sage ich. „Das wird eine Spitzenausfahrt.“

„Deine Frau und Dein Sohn fehlen.“

„Wir sind geschieden. Joana ist meine neue Frau. Alex ist Lehrling bei mir.“

„Oh ja! Deine Britta vergesse ich nicht so schnell.“

Stefan hat mir an der Trasse gebeichtet, er hätte sich gelegentlich mal um Britta und ihre Freundin, Kerstin gekümmert, während ich weg war. Kerstin war unsere Nachbarin. Ihr Mann war ein kleiner Westfanatiker, recht primitiv, dem Alkohol zugeneigt und mit einer flotten Hand ausgerüstet. Dabei war er kein Handwerker, sondern ein Maulwerker. DDR Frauen haben solche Männer einfach verhungern lassen.

Im Nachhinein wird so manche Sünde gebeichtet. Freunden vergebe ich großzügig bei der Gelegenheit. Frei nach dem Spruch: „Die Muschi ist kein Stück Seife.“ In der DDR und an der Trasse sind wir zum Teilen erzogen worden. Und das funktioniert heute immer noch gut.

Unsere Hafenrundfahrt, bei der auch eine schöne Regatta zu beobachten ist, wollen wir eigentlich mit einem guten Krimsekt begießen. Die neuen Veranstalter wollen uns irgendein billiges Westgesöff für diesen Preis aufdrehen. Wir bedanken uns ablehnend herzlich. Es bleibt ganz zünftig bei Kubanischem Rum mit Vita Cola. Das Kälteschutzmittel im Wein aus ihren chlorierten Weinbergen können die im Westen selbst saufen. Dann wissen die wenigstens, warum die im Cabriolet, kurzärmelig, Ende September über die Alpen fahren können.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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