Fortsetzung Der Erpressungsversuch


Einer der Finanzbeamten rät mir, ich müsste Widerspruch einlegen, wenn falsche Forderungen kommen. Uns DDR Bürgern ist das neu. Für diese Woche müsste ich sozusagen, vier Widersprüche schreiben. Wer kocht und liefert in der Zeit mein Essen? Im Briefkasten ist noch ein kleiner Umschlag. Eine Kündigung. Die Dragonia kündigt mir den Bestellvertrag. Sie würden jetzt selbst Kochen und Liefern.

Mittlerweile haben die selbst einige Altenheime übernommen und sich dabei intakte Küchen eingeheimst.

In den Altenheimen hängt jetzt nicht mehr Erich Mühsam und Lenin, sondern Jesus Christus als übergroßes Bild.

Die schönen Bilder von Glasbläsern, Neubaugebieten und Stahlwerkern wurden übermalt. Die Altenheime werden jetzt von Kreuzen und Kirchtürmen verziert. Ein wahrer Fortschritt. Fehlt nur noch, dass man unseren Senioren, geöffnete, wieder verwendbare Särge in den Speiseraum stellt.

Die Kunden der Dragonia muss ich natürlich ersetzen. Mir fehlt sonst der Umsatz. Eine Werbeaktion mit dem Faxgerät soll mir neue Kunden bringen. Meine zwei Lehrlinge, Mischa und jetzt auch Renate, helfen mir in der Küche ganz routiniert. Sie schaffen mir die Freizeit, die ich benötige, um die jeweiligen Telefonnummern heraus zu schreiben. Bei einhundert Adressen fange ich an. Es sind die Adressen von Handwerkern, Kleinbetrieben, Ämtern und Büros. Schon am Abend nach dem Ausliefern unseres Essens, treffen bei uns über zweihundert Bestellungen ein.

„Wir müssen noch mal schnell einkaufen fahren. Unser Essen reicht sonst nicht.“

„So viele Bestellungen haben wir bekommen?“

„Ich finde, weil wir in Karl-Marx-Stadt einkaufen, könnten wir auch in Röhrsdorf und in dem Gewerbezentrum Werbung für uns machen.“

„Das ist eine gute Idee.“

„Ich habe die Nummern schon raus geschrieben.“

Im Gewerbezentrum warten immerhin eintausend potentielle Kunden auf uns. Dort gibt es zwar dutzende Imbissmöglichkeiten, aber Wettbewerb schadet keinem.

„Ich muss langsam mal zu meinem Kind“, sagt Renate. Renate sieht schon erheblich glücklicher aus als am Vortag. Die Abwechslung scheint ihr gut zu tun. Jetzt steht bald sie Frage, für wen sich Renate entscheidet. Für Jochen oder für meine Frauen. Ich hoffe doch innigst, der Gummi gewinnt.

Abends kommen unsere Finanzbeamten zum Essen und selbstverständlich die Monteure. Die Monteure wollen mehrheitlich ein Schnitzel essen. Die Beamten wollen das auch und bieten mir einen Mehrpreis an. Mich freut das. Wir haben nämlich nichts übrig von heute. Im Gegenteil. Ich musste mehrere Bestellungen absagen. Heute Abend komme ich recht zeitig ins Bett, schätze ich. Nur Mischa kommt gefahren und fragt, ob er mir morgen helfen kann. Ich bitte ihn, recht früh zu kommen. Irgendwie sind zu viele Probleme auf einmal zu lösen. Ich kann sie nicht liegen lassen. Von der Gemeinde ist ein Bau angekündigt. Sie wollen unsere Einfahrt sperren.

Steffen kommt noch einmal mit Karin herunter. Andrea hat sich schon aus dem Haus geschlichen. Sie wollte mich nicht stören, sagt Karin.

„Wir fahren morgen früh. Du brauchst das Zimmer.“

„Für Euch Zwei habe ich immer ein Zimmer frei.“

„Willst Du noch eine Behandlung?“

„Dafür bin ich viel zu kaputt heute. Mir stünde nicht mal der kleine Zeh.“

„Und schon bist du wieder im alten Trott“, sagt Steffen.

Fortsetzung folgt

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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