Fortsetzung Der Erpressungsversuch


Der Morgen beginnt wie immer mit den Ansätzen für unser Lieferessen. Ich bin schon fünf Uhr runter gegangen. Komisch. Andrea kommt zu spät. Eigentlich ist sie um die Zeit schon da. Kurz vor Sechs höre ich sie. „Guten Morgen, Karl. Die Brücke ist weg.“

„Unsere Einfahrt?“

„Ja.“

„Wo bist Du rein gekommen?“

„Hinten. Zu Fuß. Ich habe das Auto oben stehen lassen.“

Ich habe Andrea eines unserer Lieferautos für den Arbeitsweg überlassen.

„Wir müssen schnell den Zaun öffnen. Unsere Gäste kommen sonst nicht auf Arbeit. Andrea, Du musst unseren Gästen heute erklären, wie sie raus und wieder her kommen.“

„Die zwei naheliegenden Straßen sind Einbahnstraßen. Die können sie nicht nehmen. Die Gäste müssen unten am Werk schon abbiegen und die innere Dorfstraße benutzen.“

„Busse können auf der Straße nicht fahren.“

Ich befürchte Schlimmstes.

„Stehen schon die Umleitungsschilder?“

„Ich habe keine gesehen.“

An dem Bach, der durch den Ort führt, bauen die jetzt schon das zweite Jahr. In einem Nachbarort haben sie das auch getan. Seit dem leidet die Bevölkerung unter Überschwemmungen. Viele sind weg gezogen. Das droht uns auch zusätzlich noch in Wunderbachwitz. Unser Bach speist sich aus mehren Quellen und Zuflüssen. Gerade im Frühjahr hat dieser Bach schon gewaltige Hochwasser gebracht. In den Ausdehnungsflächen haben Besatzer schon ihre Häuser gebaut. Die Natur wird uns von diesem Unrat befreien. Im Nachbarort hat das jedenfalls gewirkt. Die zweihundert Zugezogenen waren schnell weg. Jetzt hat der Ort wieder seine ursprüngliche Größe. Die Bauern können jetzt auch wieder den ganzen Tag, ihre neuen Traktoren aus dem Westen fahren. Sie stören keinen mehr. Ein richtiger Bauer fährt mit dem Traktor auch einkehren bei meiner Mutter.

Zumal sich der Schmied und der Friedhof gleich in der Nachbarschaft befinden.

Nach dem Kochen rufe ich auf der Gemeinde an. „Der Bürgermeister ist nicht da“, schnarrt seine Westsekretärin ins Telefon.“Schicken sie ihn heute zu mir. Auf dem kürzesten Weg bitte! Der Weg über die abgerissene Brücke wäre mir der liebste.“

„Das haben wir aber im Dorfanzeiger gedruckt.“

„Den stellen Sie leider nur ihren Kirchenmitgliedern zu!“

Der Postmann findet den Weg. Ich muss zwei Einschreiben unterzeichnen. Es sind Pfändungsbescheide. Die GEZ von den Goebbels Nachfolgern will Rundfunkbeiträge. Die Kreisverwaltung will den Abtransport unseres Komposthaufens bezahlt haben. Die Aufschläge betragen jeweils tausend Mark und mehr. Ich tippe ihnen zwei Widersprüche, adressiere sie und nehme sie mit zur Post. Mal sehen, ob das Etwas bringt.

Fortsetzung folgt

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