Fortsetzung Das Ende unseres Hotels


In der Woche gibt es noch viel zu planen. Das Essen ausfahren ist schon fast Nebensache. Ich rufe Steffen an uns sage ihm Bescheid. Zunächst wollen wir einen Urlaub mit Suche nach einem Arbeitsplatz antreten. Karin hört mit und ruft: „Wir fahren mit!“ Steffen sagt, „wir buchen und bezahlen das.“ Langsam kommt der Punkt, an dem ich mich schäme. ‚Er hat das sicher nicht so gemeint‘, denk ich mir.

Ich bitte alle Angestellten und Helfer, bei der Lieferung zu sagen, wir arbeiten die letzte Woche. Unter der Woche gibt es kaum Probleme. Wir sind bei sieben Hundert und Fünfzig angekommen. Pünktlich am Freitag, liegen alle Umschläge und diverse Geschenke bereit. Angefangen bei Socken, Badehosen und Bikinis in DDR Qualität, sind auch Präsentkörbe und wirklich schöne Karten dabei. Das Postfach für Emails quillt über. Der Provider mahnt schon, Platz zu machen.

Zwischendurch bin ich noch auf das Kreisamt gefahren. Ich hab die Schließung samt Konkurs bekannt gegeben.

„Was wollen Sie jetzt tun?“, fragt mich die Beamtin.

„Haben Sie irgend ein Angebot?“

„Sie könnten bei uns Sozialarbeiter machen.“

„Also, ich soll die Leute trösten, die Sie beklaut und betrogen haben?“

„Naja. Zumindest unsere Sozialfälle.“

„Das tut mir Leid. Ich kann Ihnen unmöglich die vielen Handwerker, Pendler, Kollegen und deren Angestellte aus den Särgen holen. Gehen Sie bitte zu einem Richter. Die sind dafür zuständig.“

„Tut mir sehr Leid um Sie. Wir haben gern bei Ihnen und Ihrer Familie gegessen.“

„Ich schreibe ihnen, wenn wir in einer echten Ersatzheimat wieder Essen kochen.“

Sie weint etwas. Ich weiß nicht, ob gekünstelt oder nicht.

Ich frage den Banker, ob wir uns ein Auto kaufen dürfen für unsere Arbeitssuche. Oder ob sie uns das weg pfänden. „Ich schreibe einen Freistellungsantrag. Morgen kann ich Bescheid geben.“

„Danke. Wir lassen Ihnen Alles zur Verwertung stehen wie es ist.“

„Wir werden das Haus versteigern und kümmern uns um die Konkursmasse.“

Das Gespräch ging schnell und unbürokratisch.

Fortsetzung Das Ende unseres Hotels


Der Abend geht noch lange. Unsere Jugend, unsere Freunde und Bekannten, verabschieden sich und gehen zu Jochen in die Bar. Das Spektakel vertreibt sie förmlich. Mischa hat dem Filmteam ein kleines Buffet gerichtet. Belegte Brote und ein paar Happen. Sonja, die Betrunkene, stürzt sich wie besessen auf die sauren Gurken und Zwiebeln. Ihren Namen hörte ich nebenbei aus dem Mund eines ihrer Kollegen, der versuchte, sie zu beruhigen. Nach dem Verzehr ging es ihr plötzlich etwas besser. Sie entschuldigte sich bei mir und griff mit fester Hand in meinen Schritt. Noch so ein Griff und ich kann zukünftig auf Sex verzichten. Und das nach dem schönen Nachmittag.

Andrea geht zu Jochen und Renate verabschiedet sich mit einem Küsschen. Mischa geht mit Andrea. Ich soll ihnen bei Gelegenheit folgen. Joana hält Wache. Sie lässt sich bei dem Filmteam selten sehen. Es fehlen nur noch die offenen Fenster. Die Musik ist schon ziemlich laut. Vater hätte jetzt klassische Musik aufgelegt und teilweise aufgestuhlt. Das Team macht keine Anstalten, schlafen zu gehen. Und das nach dieser Woche.

Gegen Fünf verabschiedet sich Alex. Er kommt extra in die Bar zu mir. Wir haben zwischenzeitlich etwas Billard gespielt. Jochen lässt mir gerade den sechsten Kaffee durch. Alex gibt mir einen Breshnew – Kuss und steckt mir zweihundert Mark extra zu. „Für Deine Mühe“,sagt er. Er hat keinen Schluck getrunken. Ich lade ihn zu einem guten Cognac ein. Den habe ich mal im Delikat gekauft. Ein kleines Glas trinken wir zusammen. Ein Genuss.

„Ich muss jetzt schnell ins Bett. Nach dem Schnaps bin ich besoffen.“

„Wir gehen zusammen, mein Freund.“

Joana hat schon das Licht ausgeschaltet und wartet.

„Die Letzten musste ich fast raus schmeißen. Die Frau hat noch gestrippt. Mein Gott! Die Unterwäsche sah aus. Pfui!“

Alex entschuldigt sich mehrfach. Auch bei Joana.

„Wann kommt ihr frühstücken?“

„Gegen Acht. Wir reisen morgen auch ab.“

„Das wissen wir von Klaus.“

„Wir lassen trotzdem unser Gepäck bei Euch, bis wir mit dem Drehen fertig sind.“

„Ist gut, Alex. Wir legen Alles in ein Zimmer“, antworte ich ihm.

Fortsetzung folgt