Fortsetzung Die Ermittlung beginnt


„Wir müssen noch zu den Nachbarn gehen“, sagt Toni.

„Sogar dringend“, wirft Marco ein.

Helmut und seine Familie verabschieden die Zwei. Weit fahren müssen sie nicht. Vor dem Haus des Nachbarn stehen mehrere Autos. Fast alle haben Schrammen an der vorderen Stoßstange.

„Von den Autos müssen wir Proben nehmen“, sagt Toni.

Marco antwortet: „Von den deutschen Marken.“

„Aber so eine Sonderlackierung scheint nicht dabei zu sein.“

„Wir ziehen trotzdem Proben von den deutschen. Vielleicht ist schon eine Sonderlackierung aufgebracht. Wir wissen es nicht.“

Die Familie beobachtet die Zwei schon durch das Fenster. Johann, der Opa, öffnet die Tür. „Wir haben Sie erwartet.“

Das Glockengeläut der Haustür erinnert an einen Auftrieb auf die Sommeralm. Am Tisch sitzt wie bei Maria, die gesamte Familie. Fast alle, in Arbeitskleidung mit einer blauen Schürze. Der Tisch ist noch gedeckt. Die Familie probiert gerade den neuen Käse. „Wollen Sie auch probieren?“, fragt Johann. Der ländliche Geruch im Haus lässt Marco etwas zögern. Toni hingegen sagt: „Ja. Gern!“

Marco zieht nach. Nach der Probe kommen die Zwei gleich zur Sache.

„Alfred ist angefahren worden. Wir müssen von ihren Autos, Lackproben nehmen. Auch ein paar Proben der Plastikteile.“

„Sind wir verdächtig?“, fragt Julius, der Vater von Christine.

„Nach unseren Erkenntnissen, schon“, sagt Toni.

„Dazu benötigen wir Genproben“, gibt Marco bekannt.

„Warum das?“, fragt Johann.

„Es ist Etwas gestohlen worden von Alfred. Wir haben Fingerabdrücke.“

Die Familie willigt ein. Stefan, der Sohn, ist vorerst dagegen.

„Dann müssen wir sie mit auf das Revier nehmen und dort die Proben ziehen.“

Das überzeugt auch Stefan. Bis morgen hätte er praktisch in der Zelle gesessen und gewartet. Er gibt kleinlaut nach.

Die Proben werden von den Zweien fein säuberlich verpackt und gut gekennzeichnet.

Fortsetzung Die Ermittlung beginnt


Talaufwärts fahren sie noch einmal an der Obstgenossenschaft vorbei. Marco hat Appetit bekommen. Die Erdbeeren sind leider schon vergriffen. Dafür gibt es noch frische Pflaumen, Zwetschgen und sogar einige Gravensteiner. Nach einer kurzen Lagerung, schmecken die am besten. Dazu liegen ein paar Elison Orange im Regal. Die probiert Marco sofort. Er kennt sich aus. Toni gibt ihm ein Kompliment.

Um diese Zeit ist die Fahrt am Plimabach ein Genuss. Sie treffen ein paar Angler. Alle grüßen freundlich. In den Kaffees und Imbissbetrieben herrscht Hochkonjunktur. Kein Parkplatz ist frei. Man parkt Südtirolerisch in zweiter Reihe.

„Jetzt eine Alkoholkontrolle…“, sagt Marco.

„Das geht uns Nichts an“, antwortet Toni schnell.

Marco lacht. Toni muss mit lachen.

Am Tatort angekommen, machen sich die Zwei auf Spurensuche. Toni interessiert das Geländer und der Randstreifen. Der ist noch nicht geputzt und sogar mit bunten Bändern abgesperrt. „Wir könnten morgen den gesamten Dreck vom Randstreifen einsammeln lassen. Vielleicht finden wir noch ein paar Kleinstteile.“

„Das hätte ich gleich mit machen lassen sollen“, antwortet Marco.

„Eigentlich reichen unsere Spuren. Aber, ein – zwei mehr, können nicht schaden“, sagt Toni.

„Bei den Tätern, sicher.“

„Gehen wir noch bei den Familien vorbei?“

„Das machen wir morgen“, antwortet Marco.

„Aber abends sind sie eher anzutreffen als tagsüber.“

„Du hast recht. Wir fahren hin zu ihnen.“

Auf den Hof von Alfred angekommen, bemerken sie hinter den Gardinen, Blicke. Alfreds Mutter kommt heraus und begrüßt die Kommissare. „Haben Sie schon ein paar Erkenntnisse?“

„Einige schon. Wir haben Proben und deren Auswertung.

Wir müssen nur noch die Personen dahinter suchen.“

„Wollen Sie mit essen? Wir haben Speck, Salami und geräucherte Forelle.“

Toni tropft der Zahn. Marco fragt: „Alles selbst gemacht?“

„Natürlich!“

Zwei ältere Herrschaften kommen ins Zimmer. Der Mann stellt sich als Opa Alfreds vor, die Frau als Oma. Helmut und Berta heißen die Senioren. Bei dem Gespräch kommt heraus, Alfred war der Hofbetreiber. Sein Papa, Gerhard, ist bei einem Forstunfall ums Leben gekommen. Die Mutter und die Großeltern, wissen jetzt nicht mehr, wie es weiter geht. Es gibt viele Tränen bei dem Gespräch.

„Helfen ihnen die Nachbarn?“

„Die Nachbarn haben eine Tochter, Christine. Sie wollten, dass Christine, Alfred heiratet. Für sie galt das als sicher.“

„Damit wären ja ihre zwei Gründe zusammen gelegt worden“, sagt Toni.

„Das war so angedacht.“

Opa Helmut serviert beim Abendbrot hausgemachte, getrocknete Blutwurst. Er stellt ein Gläschen Marillensenf dazu. Marco kommt ins Schwärmen als er das sieht.

„Mein Gott! Wie zu Hause!“

„Das essen heute unsere jungen Leute nicht mehr“, sagt Helmut. „Früher haben wir die Wurst sogar verkauft.“

Fortsetzung folgt