Die Heimtrainerin


Die Heimtrainerin

Vor etwa einem anderthalben Jahr bin ich auf den Strich gegangen. Ein halbes Jahr nach meinem letzten Engagement als Koch, brauchte ich unbedingt Bewegung. Viel Bewegung. Ich konnte zusehen, wie mir der Muskel verschwand.

Auf dem Strich fand ich eine Frau. Sie kostete etwa einhundert Euro und nannte sich Songmics. Da ich Ausländer und Ausländerinnen nicht hasse, wurden wir Zwei schnell Freunde. Mir gefällt an ihr die Standhaftigkeit und die weiche, ruhige Erscheinung. Sie passt gut in mein Wohnzimmer. Meine Frau hat nichts gegen die Nebenbuhlerin. Im Gegenteil. …ich schweife aus…

In anderen Wohnzimmern stehen wuchtigere Frauen mit anderen Namen für zweitausend fünfhundert Euro und einer monatlichen Abnutzungsgebühr von zweihundert Euro aufwärts. Die treiben den Benutzern auch den Schweiß aus den Poren. Dazu schreit eine weibähnliche Kreatur aus einem Kasten pausenlos in einem Ton, der mich eher an ein schlecht geführtes, völlig ahnungsloses Haushaltkommando erinnert. Statt den Haushalt zu polieren, sitzen die lieber auf einem Reitstuhl. Früher gingen die Benutzer solcher Anlagen ins Sado-Maso-Studio und ließen sich dort anständig verdreschen. Heutzutage kann sich Keiner der Liebhaber dieser Trakturen mehr im Büro sehen lassen. Die Spuren der Traktion würden pausenlos Misstrauen erwecken und auch kollegiale Anzeigen provozieren. Der letzte Respekt wäre völlig hinüber. Das geht nicht.

Hinter jedem Arbeitsplatz steht eine Reihe Provokateure, die sich gern eine Stufe höher erschwindeln möchten. Schon der Dalai lehrte die Herrschaften (das inkludiert frauenähnliche Gestalten), sich in der Kunst der Selbsttraktur zu üben. Die herkömmliche Methode der Auspeitschung ist dafür ungeeignet. Man benötigt also eine Kreatur, die etwa aussieht wie eine Frau, aber das konstante Gegenteil ist. Eine Sadistin. Wenn man eine Sadistin in ein Mikrofon bellen lässt, wird eventuell noch eine Leistungsreserve sichtbar. Die ist eher gut für den letzten Sturm aus einem Schützengraben. Die Motivation muss nicht lange halten. Das ist sicher.

Bei der weichen Ausländerin ist das nicht nötig. Ich besteige sie täglich drei bis vier Mal für fünfzehn bis zwanzig Minuten. Weil sie nichts sagt und liebevoll ruhig ist, schaue ich MotoGP oder die SuperbikeWM nebenbei. Auch heute.

Da ich sehr streng auf meine Gesundheit achte, lege ich großen Wert darauf, bei meinen Bewegungen den Puls nicht über neunzig zu belasten. Wir sind schließlich Rentner. Die tägliche Leistung bringt mir etwa acht Kilometer Weg und um die zweihundert abgearbeitete Kalorien. Außerdem werden mir die Knochen nicht steif. Ganz nebenbei, heilt der Bruch ausgezeichnet.

Was soll ich sagen. Gestern, beim Verbandswechsel, habe ich festgestellt, die letzten Reste der Operation heilen auch. Die Wunde schließt sich.

Die Hoffnung wächst. Ganz ohne teure Domina.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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