Fortsetzung Die Spur


Beim Besuch des Stalles, fallen Monika recht hektische Tätigkeiten auf. In der Tenne stehen zwei Fahrzeuge mit polnischen Targas. Unter den Knechten ist eine Frau. Und die erkennt Monika. Barbara. Barbara ist wunderschön und nicht so dürr wie ein Kleiderbügel. Angeblich ist sie zu Hause im Urlaub. Toni möchte Barbara vernehmen. Josef gibt ihm das gute Zimmer dafür. Eigentlich sind auf Bauernhöfen die guten Zimmer nur für Sonntage und Feiertage reserviert. Es sei denn, besondere Feierlichkeiten liegen an. Gäste kommen natürlich auch in den Genuss des guten Zimmers. Dafür müssen sie sich auch nicht extra die Haxen abkratzen oder gar das Schuhwerk wechseln. Gastfreundschaft auf ländliche Art eben.

Barbara zeigt sich überrascht. Sie hat nie behauptet, im Urlaub zu sein. „Wer hat das gesagt?“, will sie wissen.

„Ihre Mitbewohner in Bozen“, antwortet Monika.

Toni hält sich etwas zurück. Monika kann das Herz und den Mund einer Geschlechtsgenossin leichter erweichen. Barbara spürt sofort, woher der Wind weht. „Ich arbeite in Bozen ein bis zwei Mal die Woche. Unsere Familie möchte essen. Ich sorge dafür. Die Damen von hier machen das für Posten, Gold, Geld, Grundstücke und Luxus. Auch für einen Trauschein mit anschließender Scheidung. Was ist das? Etwa kein Strich?“

Monika muss lachen. Toni schmunzelt bei der Bemerkung. Eigentlich hat er Barbara jetzt im Sack. Die richtigen Fragen und er erfährt so ziemlich Alles.

„Barbara; sag mir mal, ob ihr hier auch Diebesgut lagert.“

„Hier nicht. Das verteilen wir sofort auf unsere Lastwagen.“

„Warum stehlt ihr?“

„Wir müssen essen und trinken. Unsere Ärzte wollen jetzt auch Geld. Wir haben auch kranke Eltern.“

Toni versteht das. Monika sicher auch.

„Gab es Streit mit Soltan?“

„Soltan war mein Freund. Wir hätten nie gestritten.“

Die Aussagen klingen wahr. Auch am Gesicht ist keine Spur einer Lüge.

„Kennst du Jolka?“

„Aber ja. Wir gehen zusammen in Bozen anschaffen.“

„Wer ist die Chefin? Jolka oder du?“

„Das Finanzielle macht alles Jolka.“

„Kommt bei euch auch Hannes kassieren?“

„Der ist leicht glücklich zu machen.“

„Steht ihr auch in der Bar neben eurem Wohnhaus?“

„Aber sicher.“

„Barbara; geb mir mal bitte deine Telefonnummer.“

„Ruf mich aber bitte nicht an. Unsere Telefone kontrolliert irgend Jemand.“

„An welchen Tagen erreichen wir dich in Bozen?“

„Ganz sicher, am Freitag. Unseren Standort kennt ihr ja. Du musst aber unbekannte Freier schicken.“

Eigentlich hat Toni alles erfahren, was er betreffs des Schmuggels erfahren wollte. Das Diebesgut wird kaum zwischen gelagert und sofort weg gefahren. Gerade auch in kleinen Mengen. Das Lager ist dann sicher zu Hause in Polen.

Monika hat von den Telefonen die Nummern aufgeschrieben. Das zu überprüfen, überlässt sie einer anderen Abteilung.

Die Befragung der anderen Knechte brachte trotzdem dieses und jenes Detail ans Licht. Auf alle Fälle, kennen sich Alle untereinander. Offensichtlich werden auch die Kollegen bisweilen versorgt. Immerhin sind die auch sehr lange von zu Hause weg.

Josef hört, wie Monika, Toni fragt, wo sie jetzt etwas essen gehen.

„Wir haben jetzt Jause“, sagt Josef und lädt die Zwei dazu ein.

Fortsetzung folgt

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