Fortsetzung Die Spur


Am kommenden Morgen fahren die Zwei nach Bozen. Sie sollen die Wohnungen wieder kontrollieren. In der Wohnung von Danuta und Witek auf der Trentiner Straße, haben ganz andere Personen geschlafen. Witek war nicht da und Danuta auch nicht. Jetzt gehen Toni und Monika schnell zur Vigilstraße. Sie sind überrascht. Witek ist hier und Danuta auch. In der dritten Wohnung schlafen Familienangehörige von Darek.

„Hier ist ganz schön Bewegung in der Belegung“, sagt Monika. Jetzt gehen sie schnell auf den Parkplatz zu den drei Kleinbussen. Wie der Zufall es will, befinden sich da einige ausgebaute Autoradios und anderes Diebesgut. Wenn sie das jetzt anzeigen und ihre Kollegen bestellen, wird ihre Ermittlung schwer gefährdet. Toni fotografiert das. Mehr nicht.

„Heute ist Nachtdienst angesagt.“

„Das sollte ich schon die Tage tun.“

Toni telefoniert und bestellt einen Boten für Oliwia und Emese. Man muss sich treffen oder Nachrichten abholen. Es geht um den Abend von gestern. Jetzt gehen sie in die Bar von Hannes. Der soll sagen, wer in der Wohnung von Barbara und Halina gerade wohnt. Kaum sind sie angekommen, steht auch schon Hannes vor ihnen. Er weiß, wer da ist. Sie gehen zusammen zur Familie von Darek. Jolka ist auch da. Sie streitet gerade mit Dareks Eltern. Es geht um eine geplante Hochzeit. Oliwia übersetzt Toni das Wesentliche. So, wie das Toni begreift, wollte sich Jolka scheiden lassen und Soltan heiraten. Die Familie war nicht einverstanden. Jolka hätte den Erbanteil des Familienvermögens halbiert. Der Familienbesitz besteht aus reichlich Land.

„Das ist ein Mordmotiv“, sagt Toni zu Monika.

„Hören wir noch ein bisschen zu, was noch so Alles heraus kommt“, antwortet Monika.

Jolka sagt, sie hätte mit ihrem körperlichen Einsatz immerhin erst mal den Familienbesitz gerettet. Die Eltern sehen das ein. Trotzdem bestehen sie darauf, das Land der Familie nicht teilen zu wollen. Insgesamt sehen sie die Tatsache des Todes von Soltan als eine Art Erlösung von dem Problem. Jolka auch. Sie entschuldigt sich für den Fehltritt. Die Familie hat ihr das großzügig verziehen. Wohl auch deswegen, weil Jolka ja immer noch, mit körperlichem Einsatz, das Familienvermögen sichert.

„Wir sind dir viel schuldig, Jolka“, sagt der Vater Dareks. Jolka bedankt sich dafür. Soweit hat das Oliwia übersetzt. Mehr ist nicht wichtig, hat sie gesagt.

„Darek kann es aber nicht gewesen sein“, sagt Toni.“Darek hat ein sicheres Alibi, das von sehr vielen Kollegen bestätigt wird.“

„Vielleicht war es Jemand von der Familie?“, sagt Monika. „Wir müssen heraus bekommen, wann die hier waren.“

„An sich, geht das leicht zu ermitteln. Wir fragen die Frauen und Hannes.“

Hannes nickt. „Die waren im gesamten vergangenen Quartal nicht hier.“

„Und wo anders?“, fragt Toni.

„Das weiß ich nicht.“

„Welches Auto fahren die Eltern?“

„Einen Kleinbus, wie sie im Hof stehen. Sie bringen den Überholten und nehmen einen Gebrauchten mit.“

„Wer macht das sonst?“

„Entweder eine der Frauen oder die Männer.“

Das scheint gut zu funktionieren. Toni kann das nach vollziehen. Dabei findet er keine erkennbare Spur. Es sei denn, irgend Jemand sagt, ein Familienmitglied sei da gewesen. Bisher gab es keinen Hinweis in der Art.

Oliwia soll jetzt zu der Familie gehen und ihr sagen, Toni möchte mit ihnen sprechen. Gesagt, getan.

Toni und Monika werden freundlich empfangen. Das Wohnzimmer liegt voller Würste, Trockenfleisch,Brot und sonstigen Gaben. Einige Fotos, Karten und Briefe von Freunden und Nachbarn sind dabei. Jolka hat feuchte Augen. Sie entschuldigt sich. Sie muss wieder zur Arbeit gehen.

Oliwia spielt die Dolmetscherin. Zwei Familienangehörige sprechen auch Deutsch. Etwas unsicher und nicht ganz perfekt.

Die Familie kannte Soltan persönlich. Er war ein Mal mit Darek da und zwei Mal ohne, Jolka besuchen. Man hat damals wegen der Hochzeit gestritten. Aber man hätte sich geeinigt. Jolka sollte als Mitgift, eine Ablöse bekommen. Sie war damit einverstanden. Soltan selbst hätte gesagt, er hat zu Hause auch viel Land als Erbe zu erwarten. Das Ganze geht also ohne nachhaltigen Streit zu lösen. Toni sieht sein Motiv zusammenbrechen.

‚Was jetzt‘, denkt er sich.

„Wie hoch wäre denn die Ablöse?“, fragt Monika trocken nach. Das scheint eher eine vergleichende Neugierde zu sein. Wie scheint, möchte sie das mit Südtiroler Verhältnissen vergleichen. Bei der Frage kommen stattliche Beträge heraus, bei denen selbst Südtiroler blass werden würden. Die Angebote reichen von stattlichen Einmalzahlungen bis zu lebenslangen Abfindungen in Form von Renten. Dabei schien ein Familienmitglied das andere, überbieten zu wollen. Toni schluckt, obwohl er selbst Nutznießer einer vergleichbaren Regelung ist. Jetzt begreift er langsam den Wert seiner Hütte. Dafür haben Familienmitglieder schwer gearbeitet.

Fortsetzung folgt

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