Die neuen Spuren


Die neuen Spuren

„Das ist kein Leben. Die Männer sind Transitfahrer in ganz Europa. Die Frauen sind Barfrauen und Kellnerinnen. Die sehen sich nie!“, sagt Monika.

„Dagegen haben wir Glück“, antwortet ihr Toni. Monika gibt ihm ein Küsschen dafür.

„Jetzt kann ich sogar nach vollziehen, warum die sich eine Wohnung mieten“, sagt Monika. „Im Hotel, in dem sie arbeiten, bekämen sie garantiert kein Zimmer oder viel Ärger mit dem Chef.“

„In Personalunterkünften wird das nicht viel anders sein“, pflichtet Toni bei. „Alles unter Beobachtung und Zeitdruck. Da ist ja selbst unser Stallvieh freier.“

Die Übergabe von dem Diebesgut findet also direkt statt. „Unsere Arbeit ist das nicht. Wir lassen das so“, sagt Toni. „Die Organisation ist aber gut; fast ein Kompliment wert. Was zwingt diese Menschen, so zu handeln?“

„Wie ich es sehe, gehen von den Einnahmen auf dem Strich und vom Lohn, noch gewaltige Beträge weg. Dort sind unsere Übeltäter“, sagt Monika. „Ich bin mir fast sicher, in dem Umfeld den Täter zu finden.“

Die Nachtschicht ist schnell vorüber. Die Zwei gehen jetzt frühstücken. An die Tankstelle. Sie fahren mit dem Motorrad aus der Stadt auf die MEBO. Kurz nach dem Tunnel, steht das begehrte Objekt. Monika hat Hunger. Sie friert etwas. Drinnen ist reichlich Andrang. Die Arbeiter stehen Schlange. Und nicht nur die. In der Schlange steht eine Bekannte. Linda. Linda vom Reschen aus Kappl. „Ich war arbeiten“, sagt sie. Sie sieht übernächtigt aus.

„Hat sich‘ s gelohnt?“, fragt Toni.

„Diese Nacht schon.“ Sie lächelt etwas aufgesetzt.

„Du musst jetzt hundert Kilometer fahren“, sagt Monika. „Schlaf uns ja nicht ein.“

„Ich habe heute frei. Gott sei dank.“

Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken, verabschiedet sich Linda. Toni und Monika bleiben noch etwas.

„Ich denke, sie hat auch etwas Post mit nach Hause gegeben“, sagt Monika. Mit Post meinst sie Geld und eventuell, Diebesgut. Toni sieht das auch so. Auf den Strich kann sie auch wo anders gehen. In Meran oder Schlanders zum Beispiel.

„Wir verlieren uns laufend in die falschen Spuren“, sagt Toni. „Wir gehen ständig den Frauen hinterher.“

„Ich muss dich heute mal trösten“, sagt Monika.

„Wir fahren jetzt oder heute Abend, trotzdem in die Vigilstraße. Ich schätze, wir sind der richtigen Spur ziemlich nahe.“

„Zuerst gehen wir schlafen“, stöhnt Monika.

Der Doppeldienst zehrt etwas.

Das Motorrad stellen sie wieder ab und fahren mit der Seilbahn auf den Aschbach. In der Seilbahn treffen sie ihren Lieferanten. Der hat frische Brötchen und auch etwas geräucherten Fisch im Beutel. Den gibt er Toni in die Hand. Auf der kalten Hütte essen die Zwei. In der Zwischenzeit wird es etwas wärmer. Sie gehen sofort schlafen.

Geweckt werden sie vom Telefon. Milos und Gabor, als auch Oliwia und Emese, haben einige Neuigkeiten. Sie haben zwischenzeitlich das Vertrauen ihrer Kolleginnen und Kollegen gewonnen. Sie wollen sich mit Monika und Toni treffen. Wie schon früher, vereinbaren sie das Treffen im Schnalstal. Waltraud ist zu Hause und nimmt das Telefonat Tonis an. Sie legt den Schlüssel zur Hütte.

„Das war eine kurze Nacht“, sagt Toni gähnend. „Wir müssen ins Schnalstal. Bleibst Du hier?“

Monika überlegt kurz. „Nein. Ich komme mit.“

Es ist Mittag. Waltraud hat schnell ein paar Knödel gekocht.

Fortsetzung folgt

Das erste Mal, seit meinem Sturz, konnte ich meine Frau auf eine Runde mitnehmen. Sie hat lange darauf gewartet.

Das sieht dann schon etwas anders als das vom Vortag:

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