Auszug „Der Saisonkoch-Zweiter Monat“


Die Wenigsten sind wirklich Ski gelaufen. Sie haben gesoffen und gefressen – nicht gegessen. Der Blick auf und unter die Tische belegt das. Man fragt sich besorgt, warum wir Tischdecken und Bestecke auflegen. Ich glaube, die Gäste können Pommes und Hamburger nur noch mit den Händen essen. Mitunter geht mir ein Witz durch den Kopf. Der, mit dem zerkratzten Gesicht bei den Ostfriesen. Bei denen bin ich mir aber sicher, dass die mit Besteck umgehen können müssen. Fisch lässt sich mit den Fingern schlecht essen.

Ruth gibt mir dieses Mal recht viel Geld. Dazu drückt sie mir eine Tüte in die Hand. Schnitzel. Sie hat mir vier Schnitzel eingepackt. „Dein Personalessen“, hat sie gesagt. Wir trinken noch einen Kaffee zusammen.

Die Heimfahrt wird zu einem Chaos. Es staut schon in Galtür. Nach Ischgl brauche ich eine Stunde. Von Ischgl nach Kappl dauert es wieder eine Stunde. Bei Wolfgang steht eine Schlange vor der Tür. Ich muss an unsere Platzierungsschlangen vor den Restaurants in der DDR denken. Für die sind wir mal von diesem Volk ausgelacht worden. Eigentlich stehen die überall Schlange. Der Gedanke kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich diese Warteschlangen sehe.

In Landeck steht Alles. Nur nicht in meine Richtung. Irgendwie scheine ich es noch zu schaffen vor achtzehn Uhr, denke ich mir. Wie gesagt. Ich dachte es mir. In Pfunds steht wieder Alles. Dieses Mal den Reschen rauf. Ich sehe gerade unseren Spaziergang, Flöten gehen. Den Reschen hoch bis Nauders brauche ich ab Pfunds, zwei Stunden. Das Abendmenü bei Alfred wird heute besonders lange dauern, wenn die Anreisen mit im Stau stehen.

Alfred steht schon am Eingang. Er wartet nur auf eine Anreise. Denen wird Marco eine kalte Platte machen und gut ist. „Staut es?“

„Ich wollte nachmittags da sein.“

„Wann bist Du denn los gefahren?“

„Kurz nach Drei.“

„Fast sechs Stunden. Rekord ist das aber noch keiner.“

„Wie? Hast Du schon länger gestanden?“

„Ja. Acht Stunden von Kappl hier her.“

„Ich habe Schnitzel mit. Die hat mir Ruth eingepackt.“

„Ruth? Das wundert mich. Die hat das wahrscheinlich vermutet.“

Alfred lässt sich nicht näher aus dazu. Ein paar Hotelgäste verwickeln ihn in ein Gespräch. Bei Marco gehe ich nicht vorbei. Die Zwei schwimmen sicher jetzt.

Joana wartet schon. Sie hat die Brötchen von Maria in der Mache.

„Ich habe Schnitzel mit.“

„Das auch noch.“

Die Schnitzel essen wir mit Butterbrötchen. Die aufgebackenen Teiglinge schmecken gut. Maria lässt die gut gehen. Gedämpft, würden die auch als Böhmische Knödel durchgehen.

„Morgen hab ich frei. Ich kümmere mich morgen um Arbeit.“

Wir gehen schlafen.

Marmolada April 2013

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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