Der letzte Arbeitstag


Der letzte Arbeitstag

Nach dem Frühstücksservice ruft Rudolf, unser Chef, alle Mitarbeiter einzeln zu sich ins Büro. Ich soll hinter mir die Tür schließen.

„Wie hat es dir gefallen bei uns hier?“

„Es geht. Ich komme zurecht. Wenn der Herd ein Induktionsherd wäre, könnten wir schneller, Kundenwünsche erfüllen. Zwei mobile Bain – Maries zusätzlich, würden uns die Rennerei ersparen. „

„Wie kommst du mit den Kollegen zurecht?“

„Ich denke, gut.“

„Ich habe etwas Anderes gehört.“

„Ich nicht.“

Rudolf greift einen Umschlag, der vor ihm liegt und übergibt ihn mir. Ich stecke ihn ein und warte, was noch passiert.

„Willst du nicht zählen?“

„Eigentlich nicht. Wenn sie zufrieden waren, ist mehr drinnen. Wenn nicht, werde ich es sehen.“

Stille. Es fällt kein Wort. Natürlich will ich jetzt wissen, ob es eine Sommersaison gibt und ob ich der Auserwählte bin.

„Wann beginnt die Sommersaison hier auf der Seiser Alm?“

„Voraussichtlich die erste Juniwoche mit dem Spatzenfest.“

„Wer kocht da?“

„In der Sommersaison kocht nur ein Koch bei uns. Da ist weniger Betrieb als im Winter.“

Eigentlich ist das keine Antwort auf meine Frage. Ich lasse das bei dieser Feststellung.

„Machen wir noch eine Großreinigung zum Saisonende?“

„Das putzen unsere Zimmermädchen mit.“

Der Chefkoch ist zu teuer für zwei zusätzliche Tage, Grundreinigung.

„Bin ich dann fertig nach dem Putzen?“

„Ja. Schönen Urlaub.“

„Gleichfalls.“

Kaum bin ich zurück in der Küche, empfangen mich meine Mitarbeiter. Wir sind nur drei Personen, ein Abspüler und ein Zweiter Koch.

„Kommst du wieder?“

„Ich weiß es nicht.“

Wir drücken uns. Joseph, mein Zweiter Koch, ein Slowake, küsst mich.

„Mach mir ja keinen Knutschfleck! Joana wird eifersüchtig.“

„Ruf mich an, wenn Du eine Stelle hast. Ich komme dann nach.“

„Mach ich.“ Wir tauschen unsere Telefonnummern. Ich gebe Joseph noch meine Emailadresse.

Zu Packen ist nicht viel. Ich bin fast täglich nach Hause gefahren.

Jetzt gilt es, Joana abzuholen. Joana hat in Reischach gearbeitet. Ein Mal pro Woche habe ich sie dort besucht. Natürlich zusätzlich zu dem einen freien Tag, den wir fast immer zusammen genommen haben.

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