Fortsetzung Die Saisonpause


Die Unterlagen auf dem Arbeitsamt waren nicht ordnungsgemäß. Mein Chef hat die Formulare falsch ausgefüllt. Das bedeutet, ich bekomme in diesem Monat kein Geld. Ganz sicher auch nicht in den kommenden zwei Monaten. Wir gehen noch Mal zusammen zur Gewerkschaft. Dort will man sich kümmern. Nach zwei Stunden Wartezeit bekomme gleich eine Standpauke von Erich, einem Gewerkschafter. Er kontrolliert unsere Abrechnung.

„Du musst das nächste Mal darauf achten, diese zwei Formulare, ausgefüllt, mit zu bekommen.“

Er zeigt sie mir die Formulare.

„Im kommenden Jahr können die Formulare schon wieder etwas anders aussehen. Du musst die Nummer verlangen.“

„Und was fehlt sonst noch?“

„In dem Formular muss stehen, das Arbeitsverhältnis wurde wegen Saisonende beendet.“

„Das Formular füllt aber nicht der Arbeitgeber aus.“

„Den ihr Verband ist nicht viel besser. Die tun so, als müssten sie das bezahlen.“

„Du hast Recht. Wir haben das bezahlt.“

„Es ist Dein Geld und das Deiner Kollegen.“

„Kann ich das noch ändern?“

„Du musst Deinen Chef erwischen und das neu schreiben lassen.“

„Der liegt sicher schon im Urlaub.“

„Dann bekommst Du so lange keine Geld.“

Die Auskunft hebt unsere Urlaubsstimmung ungemein.

„Wir werden also beschissen nach Strich und Faden.“

„Mit Neuen probieren die das immer“, sagt Erich.

„Haben wir es nur mit Verbrechern zu tun?“

„Es gibt Ausnahmen.“

„Leider habe ich bis jetzt noch keine Ausnahme getroffen. Kannst Du mir sagen, welche Firmen ehrlich sind?“

„Das könnte ich schon. Nur, nützen wird es Dir wenig.“

„Warum?“

„Weil unsere Einheimischen die Firmen kennen.“

„Das heißt, wenn ich eine Stelle bekomme, ist das ein Betrieb, der von Einheimischen gemieden wird.“

„Besser kann ich es nicht sagen, Karl. Ihr müsst morgen noch einmal kommen. Dann sind die Unterlagen fertig.“

„Eine Woche Urlaub ist schon mal weg. Wegen der Meldung zur Arbeitslosigkeit. Mach Dir einen schönen Tag, Erich.“

„Du musst noch abrechnen bei mir.“

Ich gebe Erich unseren Jahresbeitrag und die Bearbeitungsgebühr. Die Urlaubskasse wird schmaler.

Kaum sind wir zu Hause, klingelt es an unserer Haustür. Der Postbote steht unten und will mir ein Einschreiben übergeben. Ich soll unterschreiben.

„Du bist wohl zu schnell gefahren?“, fragt mich Toni, unser Postbote.

„Ich könnte mich nicht erinnern.“

Den Umschlag öffnen wir in der Wohnung. Darin ist ein Bündel vorgedrucktes Papier. Gelegentlich erkenne ich eine Handschrift. Ehrlich gesagt, ich kann das Kauderwelsch nicht lesen, geschweige verstehen.

Joana sieht sich das Papier an; blättert und blättert, liest und liest das zweite Mal.

„Du bist gestoppt worden“, ist ihre Feststellung nach der Literatur.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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