Leseprobe Die Saisonpause


Kurz danach dürfen wir schon die gesegnete

Reisefreiheit genießen. An den Brücken über der Autobahn steht wieder der IGL. Zuerst fällt diesen Leuten ein, jegliches Lager in ein Einkaufszentrum zu verwandeln. Und danach, verschieben sie die Lager, umweltschonend, auf die Straße. Dann erklären sie den Autofahrer zum Feind der Umwelt. Wohl wissend, dass sie die Feinde der Umwelt sind. Wir passieren zwei Streifen. In der Nacht. Die Gendarmen unserer Österreichischen Nachbarn sind recht fleißig. Die Geschwindigkeit des Verkehrs bewegt sich an der äußersten Grenze des Erlaubten. Einhundert und Zehn Stundenkilometer. Wir schauen dem Tod direkt in die Augen. Ein Kilometer schneller und es blitzt an allen Ecken. Bei der Geschwindigkeit wird der Fahrer eher vom Schlaf überrascht als vom Verkehr.

Kaum sind wir an Kufstein vorbei, verwandelt sich die Autobahn in eine Rennstrecke. Jeder Fahrer möchte dem anderen beweisen, was er sich für ein PS-Monster zugelegt hat. Türgriff an Türgriff geht es im Doppel an die Grenze des Machbaren. Normal Fahrende werden zur Gefahr erklärt und Vorsichtige, zu Idioten. Kurz nach der Wende haben wir uns von diesem Theater anstecken lassen. Aber nur kurz. Dann hat das Gehirn gewonnen. Oder soll ich sagen, die leere Brieftasche? Selbst in der Nacht ist um München die Hölle los. Dort herrscht ein Lastverkehr, der jeglichen Umweltgedanken in einen Witz verwandelt. Auf der dreispurigen Autobahn sind zwei Spuren komplett mit Lastwagen gefüllt. Wir befinden uns nicht selten zwischen diesen Geschossen. Deren Fahrstil überzeugt mich von ihrer Übermüdung. Joana verkrampft sich teilweise. Neben ihr drehen sich Riesenräder, die unentwegt Streugut an unser Auto schudern. Ab Nürnberg wird es etwas ruhiger. Wir wollten um diese Zeit nicht über Regensburg fahren. Diese Autobahn wirkt auf uns etwas dunkel. Mit einer Panne möchten wir auf dieser Strecke nicht festsitzen.

Im Frankenwald glauben wir fast, uns noch im festen Winter zu befinden. Alles ist weiß; die Straßen sind glatt und gefährlich. Streudienst scheint es hier keinen zu geben. Bei einer Bremsprobe schnattert das ABS. Unser Auto fängt an zu tanzen und Joana quiekt schon neben mir. Wir nehmen uns vor, kurz zu halten und einen Kaffee zu trinken. Die Parkplätze sind dunkel. Mit Aufblendlicht stellen wir fest, die Plätze sind auch überfüllt. Für uns gibt es keinen Platz. Wo legen wir eine Pause ein? Ich fahre bis zur Ausfahrt des Parkplatzes und dort rasten wir kurz am Seitenrand. Joana sucht einen Sender im Radio. Der Kaffee tut gut. Ich möchte fünf oder zehn Minuten ruhen. Mir zieht es unweigerlich die Augen zu.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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