Fortsetzung Die Saisonpause


Marko selbst sitzt in so einem Büro. Auch Udo. Denen ihre Chefs kommen auch alle aus dem Westen. Zum Glück sehen sie die selten. Die kann man auch nicht mit Kassiererinnen an der Kaufhauskasse vergleichen.

Wir verabschieden uns herzlich von Udo und Marko. Wir wissen nicht, wann wir uns wieder treffen können. Familientreffen sind Termin abhängig geworden. Andere bestimmen, wann wir uns wieder sehen können. Wir leben in einer Zeit, in der wir für ein wichtiges Familientreffen, kündigen müssen. Die Kündigung stellt uns auch gleich mittellos. Ohne schwere Verluste ist da Nichts zu machen. Selbst Traueranlässe werden kaum anerkannt.

Vor der Disco stehen Schlangen von Menschen. Kaum Einer ist von hier. Marko sagt im Gehen, „ein Puff mit Musik.“ Wir brauchen nicht lange, um das zu bestätigen. Kein normaler Jugendlicher würde diese Einrichtung besuchen. Unsere Jugend tut uns leid. Die wachsen in Verhältnissen auf. Mir bleibt die Spucke weg. Kein Wunder, wenn unsere Kinder sich lieber an einen Computer zurück ziehen. Der gemeinsame Spaß und die Entdeckung echter Jugend, bleibt diesen Kindern ein Geheimnis. Der Eintritt geht ja zur Not noch zu bezahlen. Drinnen wird es bedeutend bedrückender. Ein Getränk unter zehn Euro ist nicht zu bekommen. Ein Runde kostet praktisch die Nettoerlöse des Monatsgehaltes.

Kein Wunder. Die Jugend steht mit einem Glas den ganzen Abend herum. Eigentlich müßten sie das Glas mitnehmen. In dem Preis ist das sicher enthalten. Wir verschwinden schon nach dreißig Minuten. Das ist ganz sicher keine Unterhaltung und schon gar keine Geselligkeit. Ich erinnere mich noch an DDR Zeiten. Mit zehn Mark in der Tasche hatten wir genug Geld für einen geselligen Discoabend. Zehn Mark waren zu dem, leicht zu verdienen.

Der Abend ist genau so schnell vorbei wie alle anderen bisher. Wir nehmen uns für den kommenden Tag eine Rundreise durch das Erzgebirge vor. Wir möchten sehen, wie sich die Heimat seit unserer Auswanderung verändert hat. Joanas Geschwister haben keine Zeit. Sie müssen arbeiten. Eigentlich wollten wir Mutters Schwester, meine Tante fragen, ob sie mit uns eine Runde drehen möchte. Wir würden uns sehr freuen. Mutter ruft bei ihr an. Lisa ist da. Ihre zwei Töchter sind zu Besuch. Sie würden gern mitfahren. Ohne ihre Männer. Die sind auf Arbeit. Ehrlich gesagt, kennen wir die auch nicht. So lange haben wir die Cousinen nicht gesehen. Karin die Jüngste, haben wir noch als kleines pummeliges Mädchen in Erinnerung. Barbara, ihre große Schwester, kennen wir noch als ziemlich attraktives Mädchen. Die Zwei sind inzwischen erwachsene Frauen. Kinder haben sie keine. Die Karriere hat gewonnen. Sicher auch das mangelnde Vertrauen in die Zukunft. Lisas Mann, mein Onkel, ist auch schon gestorben. Er ist auch kein Siebziger geworden. Langsam scheint das zu einer Tradition zu werden in unserer Familie. Man könnte fast glauben, Gott hätte sich gegen die Kommunisten in unserer Familie entschieden. Es gibt aber einen Haken. Die strammen Antikommunisten unserer Familie mußten auch vor dem fünf und sechzigsten Geburtstag ins Gras beißen. Von der höheren Stelle scheint es also keine Sortierung zu geben. Dafür übernehmen das die noch zuckenden Geister, bis auch sie von der Erleuchtung heimgesucht werden. Wir würden uns eher wünschen, diese Leute würden vom Virus der Arbeit befallen. Das Diebstahlvirus scheint kurzfristig zu gewinnen. Zum Glück werden die Wenigsten dieser Kreaturen über Sechzig. In diesen Kreisen setzt man auf intensive Befruchtung sich zu langsam bewegender, oft minderjähriger Mitmenschen und aktive Sterbehilfe.

Joana hat ein Bild während der Fahrt geschossen:

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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