Fortsetzung Die Saisonpause


Mit Hinten meine ich natürlich die Beine meiner Mitfahrerinnen. Selbst Lisa, im Alter meiner Mutter, hat noch ein beeindruckendes Fahrgestell. Der DDR Schulsport beweist schon auch seine guten Seiten. Obwohl eher unsere jungen Frauen dazu neigten, diesen Sport mit allerlei Entschuldigungen zu schwänzen. Es könnte sein, die Scham bei dem Vergleich mit ihren Geschlechtskolleginnen, hat dazu beigetragen. Mir hat das bis heute keine Freundin bestätigt. Und das, trotzdem wir recht offen miteinander geredet haben.

Zunächst fahren wir in Richtung Zschopau. Der weltbekannte Stolz unserer Motorindustrie wurde dort gebaut. Die MZ. Unweit von Zschopau ist auch die Augustsburg. Dort fahren wir heute nicht hin. Wir haben kein Interesse an den Ausstellungsstücken unserer Besatzer. Das Werkgelände steht leer. Auf dem Parkplatz vor dem Werk stehen zwei Autos. Eins davon, ein Trabant Kombi. Gut gepflegt. Wir gehen nicht extra rein. An einem Hintereingang scheint es noch eine Werkstatt zu geben. Davor stehen ein paar MZ. Alle sehen aus, wie frisch aus dem Laden. Darunter befindet sich auch ein neues Modell. Wir haben darüber gelesen. Ich würde sofort eine Proberunde drehen. Meine Frauen schauen mich mürrisch an. Fast schon drohend. Ich traue mir nicht, anzuhalten und ein Gespräch zu suchen. Das würde auch nicht in unseren Tagesplan passen. In Zschopau biegen wir ab in Richtung Annaberg. Wir passieren Gastwirtschaften und Restaurants, die zu DDR Zeiten über einen guten Ruf verfügten. Ein paar Autos stehen davor. Kein Vergleich mit früher. Wenn ich dann noch die Anschläge sehe, komme ich mir vor wie in Bayern oder Franken. Haxen und Schäufele statt Rippchen und Roulade. Die stärkste Kultur Deutschlands wird mit der Besatzerkultur ruiniert. Ich stelle mir gerade vor, wenn das in Südtirol oder Österreich so wäre. Obwohl man auch in Südtirol bisweilen Pommesbuden und Hackfleischläden aufsucht. Weltoffen sagt man Hierzulande dazu. Gelegentlich ist das schon in Ordnung. Wenn es aber zur nachhaltigen Veränderung des gesamten Rohstoffkreislaufes führt, dann ist Vorsicht geboten. Vor allem für Länder, die der Selbstversorgung nachgehen. Die DDR war der regionalen Selbstversorgung verpflichtet. Wieso sollen wir ein Fleisch verzehren, das mit importiertem Soja aufwächst. Was ist, wenn sich der Lieferant plötzlich von dieser Art Landwirtschaft verabschiedet? Vielleicht deswegen, weil die Bürger dieses Landes ihren Wald erhalten wollen. Von Kreislaufwirtschaft kann in dem Fall nicht gesprochen werden.

Der Ort Zschopau ist fast menschenleer. Die Neubauten sind unbewohnt. Alle Betriebe sehen aus, als würden sie umgehend zusammen fallen. Die guten DDR Fachleute arbeiten im Westen. Im Westen ist man zu geizig, gute Fachleute auszubilden. Die stiehlt man sich auf der gesamten Welt. Mit so einer Art Wirtschaft, ist der Untergang vorprogrammiert. Wer dazu im Ausland produziert, vergißt den Weg von Erfindungen. Erfindungen finden ausnahmslos im Produktionsprozeß statt. Wer nicht produziert, erfindet nichts. Damit gehen unsere Besatzer dem Handwerk nach, das sie zu beherrschen scheinen. Dem Diebstahl.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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