Fortsetzung Die Saisonpause


Der Witz ist ein anderer. Nicht eines dieser Ämter vermittelt einen Arbeitsplatz. Eigentlich sind das auch keine Ämter. DDR Bürger stellen sich unter einem Amt eine Einrichtung vor, die dem Bürger bei einem Anliegen hilft. Diese Einrichtungen sind eigentlich mit Nervenkliniken vergleichbar. Der Arbeiter wird einer kranken, kriminellen Klientel vorgeführt. In diesen Hallen bekommt ein Arbeiter das Lügen und Betrügen gelernt. Er bekommt in diesem Gebäude gelernt, was eine kriminelle Vereinigung mit seinen Zwangsbeiträgen, anzufangen im Stande ist. Aus der Not, wird ihn und seine Familie, keiner dieser Ganoven retten. Diese hochnäsigen Schausteller hinter den Schreibtischen verleumden die angebliche Bürokratie einer DDR. Warum bezeichne ich diese Leute als Schausteller? Weil sie über nicht ein einziges Werkzeug verfügen, dem Suchenden eine angemessene Arbeit zu zuweisen. Damit endet jede Vorstellung bei denen in einem kriminellen Akt. Entweder klauen die dem Suchenden sein Geld das zweite Mal oder sie versklaven ihn. Die dreifache Beute lockt immerhin. Das Arbeitslosengeld ist sozusagen, ein Schutzgeld.

Ein Arbeiter ist damit schon mal besser beraten, wenn er schwarz arbeiten geht. Am besten, nicht in diesem Reich.

In Monte Carlo bekommt ein Arbeiter sofort bewiesen, welche Glaskästen und Paläste von so einer Beute gebaut werden können. Dort bekommt der Arbeiter auch gezeigt, was ihm im Endergebnis erwartet. Ohne Geld, kein Zutritt. Die Arbeitsvermittlung findet dann am Straßenrand oder im Hafengelände statt. Oh, das hatten wir schon vor langer Zeit. Eine wirklich feine Entwicklung, die uns von kriminellen Großmäulern da vorgeführt wird.

In Annaberg wollte ich eigentlich mal in den Ratskeller schauen. Dort arbeiten zwei meiner Kollegen. Wenn sie dort noch arbeiten. Wir fahren in die Nähe dieses Gebäudes. Man möchte einen Euro für eine halbe Stunde. Wir zahlen aber schon tausend Euro, um unsere Eltern zu sehen. Ich sage zu Mutter, sie soll sich mal hinter das Lenkrad setzen. Ich renne schnell mal rein und frage. Wir stehen im Parkverbot. Die Kameras über dem Platz sind jetzt die Stopuhren. Wehe, zwei Minuten werden überschritten. Dann lernen wir echte Gastfreundschaft kennen. Schon im Mittelalter mußten Menschen eine Marktkarte lösen. Damals nannte man das noch Marktzoll. Welch eine Entwicklung. Mir wird richtig schwindlig bei der Entwicklungsgeschwindigkeit.

Mir scheint, außer beim organisiertem Diebstahl, gibt es nicht eine gesellschaftliche Entwicklung. Und da wird gerade dem Dieb, der aus Not handelt, von Kriminellen mit Knast gedroht. Die trauen sich sogar, den Diebstahl als Ordnungsgeld zu bezeichnen.

Das Auto rattert etwas auf dem Pflaster des Marktes. Das Pflaster mussten die Gemeinden neu kaufen. Das alte Pflaster wurde bereits gestohlen. Das liegt jetzt sicher vor einer Kirche im Westen. Die Nutten der Besatzer fanden das Pflaster ungeeignet für ihre Hochhackigen. Wenn da eine hin fällt und das Volk ohne Bezahlung den Zwickel sieht? Das Geht nicht. Die Ungeschickte müßte sich dann auch noch bedanken, wenn man ihr auf die Stelzen hilft. Und das beim Volk.

Einfach niederträchtig der Gedanke.

Von meinen Bekannten und Freunden arbeitet keiner mehr hier. Schade. Der neue Berufskollege – Chefkoch, nicht Küchenleiter, kommt aus dem Westen. Einer meiner Kollegen, Andreas, war Meisterkoch. Wahrscheinlich war das dem Nichtmeister zu viel. Die Bedrohung muß umgehend beseitigt werden. Ab Jetzt zählt nicht das Handwerk in seiner meisterlichen Ausübung, sondern das Maulwerk.

Ich war schnell wieder draußen. Die zwei Minuten habe ich sogar unterboten. In einigem Abstand kommt schon langsam eine Uniformierte in unsere Richtung. Wir können uns noch schnell in Sicherheit bringen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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