Fortsetzung Die Saisonpause


Der Abschied ist herzlich familiär. Mutter hat sich mit Lisa wieder verabredet. Man geht zusammen Baden und Kuren. Wir bekommen wieder reichlich neue Versprechen. Joana glaubt sie nicht. Sie scheint einen Unterton zu vernehmen. In unserer Familie hat die Oberflächlichkeit gewonnen. Ich bin enttäuscht. Im Nu wird man zum Einzelgänger. Zum Glück hält meine liebe Joana und ihre Familie zu mir. Ich wäre sonst wo anders hin ausgewandert. Sozusagen, auf nimmer Wiedersehen.

Bei Mutter zu Hause blinkt das Telefon. Es hat Jemand angerufen. Wir schauen nach der Nummer. Eine italienische. Joana ahnt bereits, was kommt.

„Ich gehe packen“, sagt sie trocken.

Natürlich rufe ich zurück. Ein Hotel möchte mich zur Probearbeit einladen. In Marling. Ich freue mich riesig.

‚Nach so vielen Jahren in Südtirol darf ich endlich in der Nähe meiner Frau arbeiten‘, denke ich mir. Joana sieht das etwas skeptischer. Mutter auch.

„Du bist immer gleich zu euphorisch“, warnt sie mich.

In der DDR war ein Wort, ein Wort. Zu leicht vergesse ich, mit der Änderung des Systems, kommen auch deren Gewohnheiten. Die Lehre ist schmerzhaft und ziemlich teuer.

Noch an diesem Abend brechen wir auf. Mutter hat uns Kuchen vom örtlichen Bäcker, belegte Brote und reichlich Kaffee eingepackt. Die Wurst von unserer lieben Herta ist auch dabei. Das ganze Auto duftet danach. Es sind nicht nur Konserven in der Tasche. Auch feine, frische Blut- und Leberwurst. Deren Oberfläche ist schon leicht getrocknet. Die Wurst schmeckt jetzt um so besser. Der Schinken ist extra stark geräuchert. Herta hat ein Kärtchen mit rein gelegt. Ein Familienfoto. Unsere Oma ist mit drauf. Auch Manfred. Mit einer Zigarette im Mund. Ich muss schnell an dem Päckchen mit dem Tabak riechen. Ein Genuß.

Tagsüber ist die Fahrt nach Südtirol eine Folter. Da gesund durch zu kommen, können wir schon als Glück bezeichnen. Wir wollen die Autobahnroute wählen. Alle anderen Strecken sind wahrscheinlich überlastet. Es herrscht schon reger Osterverkehr. Arbeiter diverser Branchen, legen ihre freien und Feiertage zusammen, damit ein relativ langer Urlaub entsteht. Aus drei Tagen wird so leicht eine Woche und mehr. Natürlich haben wir immer den Verkehrsfunk an. Schon auf den Straßen der DDR herrscht reger Verkehr. Auf der Autobahn in Richtung Hof ist reichlich Lastverkehr unterwegs. Zwei von einhundert Nummern sind deutsch. Die DDR Bürger fahren auch in Richtung West. In allen Autos sitzen auch reichlich Kinder. Wir entschließen uns, die Regensburger Autobahn zu nutzen. Die zwei Spuren wirken auf uns heute etwas ungefährlicher. Unsere Spekulation geht soweit auf. Wir kommen fast ohne Behinderung nach Österreich. Im Radio hören wir, am Brenner staut es gewaltig. Es gibt mehrere Stunden Verzögerung. Kurzerhand entschließen wir uns, über den Reschen zu fahren. Dort haben wir immerhin mehrere Möglichkeiten, Umwege zu nutzen. Ich kenne mich dort sehr gut aus. Joana sieht das gelassen.

Kaum sind wir in Südtirol, stehen wir. Der Blick auf die Uhr verrät uns, wir sind bereits zwölf Stunden gefahren.

Sobald der Verkehr steht, haben wir die Möglichkeit, unsere Straßenränder genau zu sehen. Die haben sich inzwischen in Müllhalden verwandelt. Scheinbar werden die Autos immer größer, während der Platz darin für ein paar leere Verpackungen schwindet. Komisch. Gefüllt, hatten die Verpackungen, Platz. Wir haben es offensichtlich mit absoluten Dreckschleudern zu tun. Für eine angemessene Maut könnten wir vielleicht Leute einstellen, die den Dreck der Dreckschleudern weg räumen. Günstiger wäre es, die Dreckschleudern weg zu räumen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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