Fortsetzung Die Saisonpause


Antonia, unsere Nachbarin fragt, ob unser Urlaub schon zu Ende ist. Sie lacht dazu. Ich erzähle von Marling. Es kommt genau die Antwort, die Joana schon befürchtete. Das macht mich stutzig. Trotzdem ist mein Optimismus kaum gebrochen. Am Telefon verspreche ich, vorbei zu schauen. Vor einem Vertrag möchte ich natürlich die Küche sehen und Genaueres erfahren. Schon heute soll ich vorbei kommen. Natürlich fahre ich mit dem Motorrad.

Die Küche sieht annehmbar aus, obwohl sie sehr alt ist.

Als Erstes leuchtet mir wieder ein alter Bekannter entgegen. Ein Ölofen. Ich muß lachen. Warum erfrage ich das nicht vorher? Wohl in dem Wissen, nie wirklich die Wahrheit zu erfahren. Beim Gespräch stellt sich schnell heraus, mit dem Ölofen wird nicht mehr gearbeitet. Mir fiel das auch gleich auf. Die Kochmöglichkeiten reichen auch so. Der Ofen scheint eine Art Reserve zu sein. Man misstraut der Landesregierung. Keine hundert Gäste sind zu verpflegen. Scheinbar. Oft wird erst nach der Anstellung bekannt gegeben, die Gäste der Nebengelasse sind auch mit zu bekochen. Nicht die Garagen und Hühnerställe werden vermietet, sondern eher die Gebäude von gescheiterten, auf gekauften Mitbewerbern. Das Wachstum ist mitunter zu rasant. Nicht nur das Personal wird überfordert, sondern ziemlich oft auch der Betreiber selbst. Der geschäftliche Zwang verändert das Gemüt der Betreiber. Oft wird ein innerfamiliärer Streit vor dem Personal ausgetragen. Verdeckt, natürlich. Einer sagt Ja, der Andere, Nein. In meinem Fall sagt eben der Eine, es schmeckt und der Andere, zum Kotzen.

Bei der Anstellung wird die Probearbeit betont. Zehn Tage soll sie dauern. ‚Dann ist Ostern gelaufen‘, denk ich mir. Ab Ostern, wenn es spät fällt, geht der Betrieb normal so weiter wie zu Ostern. Oft noch besser. Zu Ostern teilen sich oft noch die Gäste in Skifreunde und Sonnenhungrige. Kein Betrieb ist wirklich voll. Mit ein paar Apfelblüten und bunten Eiern kann man nicht wirklich Gäste anziehen. Etwas Frisches gehört schon auch dazu. Die Ansprüche an Menüs und Versorgung scheinen fast unmöglich. Gelegentlich bekommen Köche den Eindruck vermittelt, zu Ostern ist ganz was Ausgefallenes, Neues, zu bereiten. Der Erwartungsdruck scheint grenzenlos.

Als Erstes möchte ich wie üblich, erfahren, auf welchem Niveau sich der Betrieb bewegt. Die Schilderungen dazu sind oft zu unklar. Manchmal auch vorsätzlich. Es kann auch sein, die Betreiber suchen ein neues Konzept und vertrauen deshalb den Leistungen des Kochs. Trotzdem bestehe ich darauf, die Menüs meines Vorgängers zu sehen. Ich möchte schon wissen, auf welcher Basis meine Leistungen aufbauen sollen. Die Chefin zeigt mir ein paar Zettel. Kein Menübuch und keine anderen Aufzeichnungen. Ich frage sei, ob sie vielleicht gedruckte Menüs der vorherigen Saison hat. Immerhin stehe ich in meiner Freizeit hier und nicht etwa, weil ich lange Weile habe.

Die Küchentür öffnet sich und ein junger Man betritt die Küche. Er stellt sich als der Junior des Geschäftes vor. Seine Stimme kommt mir ziemlich hell vor. Sein Auftreten ist fast weiblich. Genau das fehlt seiner Mutter. Sie unterbricht ihn schnell. Fast schon schamvoll. Als hätte sie vor, mir Etwas zu verbergen. Der Sohn errötet leicht. „Ich bin dann im Büro“, sagt er kurz und geht. Kaum ist er draußen, öffnet sich die Tür wieder. Ein etwas dickerer Mann betritt die Küche. Er hat ein blaue Schürze an.

Die Erdpyramiden in Klobenstein

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

2 Kommentare zu „Fortsetzung Die Saisonpause“

    1. Wenn es fertig ist, gerne lieber @riccio8.
      Derweil erwarte ich sowohl Joana, Leblos im Schnalser Stausee, Vermisst im Martelltal vom Drucken.
      Die Bücher sind kommende Woche signiert verfügbar. Ich lege sie auch an zwei Stellen aus.
      An der SM-Tankstelle Meran-Mebo als auch im Teisen-Laden Partschins. Bestellungen werden von mir ausgeliefert.

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