Fortsetzung Die Saisonpause


Er stellt sich als Vater vor. Es dauert nicht lange, öffnet sich die Tür wieder und die Großeltern betreten die Küche. Das Vorstellungsgespräch wird jetzt zum Beschau. Nur die Kinder und Enkel fehlen noch. Auf alle Fälle wird mir umgehend klar, hier ist auch für eine ziemlich große Familie zu kochen.

Das Hotel liegt eigentlich günstig und bietet einen Blick auf Meran. Leider wird es mit der Abendsonne ziemlich dunkel dort. Uns als Köche interessiert das wenig. Wir sehen eh kaum Sonnenstrahlen.

Aktuell ist das Hotel zu einem Drittel gefüllt. Ich habe also Zeit, mich anständig warm zu kochen. Die mir vorgestellten Menüs zeigen ein mittel gehobenes Dreisterneniveau.

„Wir hätten das gern etwas besser“, sagt mir die Chefin.

„Das verteuert aber den Einkauf“, antworte ich ihr. Mit der Antwort konnte ich umgehend eine Verfinsterung des Blickes feststellen. Wahrscheinlich soll ich zaubern.

„Ich bin nur Koch. Zauberer bin ich keiner.“

Allgemein verteuern sich die Einkaufspreise mit Saisonbeginn. Wir leben immerhin im Kapitalismus.

„Der Markt reguliert uns den Preis“, sage ich lächelnd zu einer Befürworterin dieses Gesetzes. Schließlich hebt sie die Preise doch auch an zu Saisonbeginn. Wir trösten uns mit der Feststellung, von unserem Preisniveau leben immerhin die Südtiroler.

Wir begehen gemeinsam das Lager. Dabei erzählt mir die Chefin, alle Bestellungen soll ich ihr zur Kontrolle übergeben. Das finde ich natürlich in Ordnung. Ich hasse unkontrollierte Betriebe. Sie verspricht mir, es gibt keine Einschränkungen. Das wiederum kann ich nur als Gag bezeichnen. Sie würde schön reagieren, wenn ich den Dreisterne Betrieb mit einem Fünfsterne Einkauf beglücke.

„Ich produziere so und so fast Alles selbst, wenn ich die Zeit dazu habe.“

Die Einschränkung überhören sehr viele Arbeitgeber. Sehr wohl, bewusst. Wenn die Familie, zum Beispiel, meine Arbeit zu sehr bindet, bleibt weniger Zeit für die Gäste. Ich bemerke aber, sie hört meinen Beschreibungen nur halbherzig zu. Um so begeisterter ist die Frau, die gerade die Küche betritt. Sie ist ein Zimmermädchen, wie ich etwas später erfahre. Sie ist nicht einheimisch. Dem Akzent nach, würde ich auf Polen tippen.

Wir sind uns soweit einig. Ich soll morgen anfangen. Zum Frühstück. Auf meine Frage, wann das beginnt, antwortet mir die Chefin, sechs Uhr dreißig.

„Ich komme also fünf Uhr dreißig“, antworte ich.

„Eine halbe Stunde Vorbereitung reicht“, ist die Antwort.

„Auch am ersten Tag?“, frage ich.

„Ist gut. Kommen sie fünf Uhr dreißig.“

„Wie lange dauert das Abendmenü?“

„Neun Uhr dreißig sind alle unsere Gäste fertig mit dem Essen.“

Naja. Dann darf ich wenigstens sieben Stunden schlafen zwischen der Arbeit.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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