Fortsetzung Die Saisonpause


Eigentlich weine ich nur in tiefer Reue. Wenn ich falschen Freunden, Verrätern oder Betrügern aufgelaufen bin. Nach ein oder zwei Totalverlusten ist das auch angebracht. Eine Art der Heilung, scheint mir.

Ich habe aber lieber Mal feuchte Augen als einen selbst angelegten Strick um den Hals. Etwas Verantwortung dürfen wir schon übernehmen in Anerkennung persönlicher Fehler. Der Selbstabschied ist der falsche Weg. Wir sähen eher gern die Verbrecher hinter Gittern oder am Seil. Gerade in Zeiten des Tränenreichtums, gesellen sich immer öfter auch Freudentränen hinzu. Vor allem dann, wenn sich die Verbrecher untereinander weh tun.

Wir bleiben nicht lang. Joana ist immerhin mein zuverlässigster Wecker. Zum Glück trinkt Joana keinen Alkohol. Ich stelle mir gerade vor, wie Schlosser aufwecken, deren Frau in einer Bar arbeitet. Joana sieht mir das an. „Was denkst du gerade?“

„Das kann ich dir jetzt nicht erzählen. Ich denke gerade an ein Ehepaar eines Schlossers mit einer Barfrau.“

„Trink bitte gleich aus. Wir müssen morgen zeitig raus.“

Joana muss mich heute nicht betteln. Sie winkt Doris zu. Doris kommt und wir zahlen.

„Hast du wieder eine Arbeit?“, fragt Doris.

„In Marling in der „Weinjause“.

„Oh je!“

„Der Beitrag fehlt mir noch.“

Doris lacht. „Viel Glück!“

Zu Hause lege ich mir meine Arbeitsutensilien zurecht. Messer und viele kleine Küchenhelfer, die ich selten in den Küchen sehe. Anders ist die Arbeit oft nicht zu schaffen. Joana packt mir meine Kochuniform, die Schuhe und Schürze. Wir waschen unsere Wäsche zu Hause. Aus den Wäschereien der Hotels bekommen wir oft Wäsche, bei der ich mich ekele, die überhaupt anzuziehen. Nach drei Waschgängen ist meine Kochwäsche nicht mehr weiß. Mit so einem Fetzen kann ich unmöglich vor Gäste treten, wenn sie nach mir rufen.

Ich habe manchmal den Eindruck, die Wäsche der Köche wird mit den Putztüchern der Küche zusammen gewaschen. Oder, man spart Waschpulver und Temperatur beim Personal. Ich kenne die Weisungen nicht. Bei Joana auf Arbeit funktioniert das. Bei mir, sehr selten. In den meisten Betrieben wird aus meiner teuren Kochwäsche binnen einem Monat ein Putzlappen. Meine Kochwäsche bezahlt mir Keiner. Dazu kommt noch ein Umstand, den ich meist noch bitterer bereue. Gebe ich die Wäsche ab, muss ich nach einer Entlassung dort betteln, meine Wäsche wieder zu bekommen. Dabei wird mir nicht selten ein kriminelles Anliegen unterstellt. Fragt sich, wer hier kriminell ist. Um jeden Streit in der Hinsicht zu vermeiden, setzen wir auf die Wäsche zu Hause. Das ist nicht billig. Bezahlt bekommen wir das nicht in den Kreisen. Nachfragen brauche ich da auch nicht, wenn ich mir ein lautes Auslachen ersparen möchte.

Die Nacht ist kurz genug. Unser gemeinsames Kaffeetrinken am Morgen unterbrechen wir abwechselnd mit den Gängen ins Bad. Ein schönes Gefühl, zusammen mit der Frau aufzustehen und den Morgen zu teilen. Auch optisch. Wir hatten bis jetzt selten die Gelegenheit, zusammen den Morgen zu verbringen. Höchstens, wenn wir das Glück hatten, einen gemeinsamen freien Tag zu bekommen.

Blick vom Gostnerhof

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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