Fortsetzung Die Saisonpause


Mit einem Auto würde er dafür, Tage benötigen. Lieferanten mit großen Touren können darüber ein Lied singen. Gerade in Zeiten der Hochsaison. Wie nervenaufreibend das sein kann, zeigt uns allein deren Personalwechsel.

Die Küche ist dunkel und ziemlich kalt. Mit meinem Telefon als Taschenlampe suche ich den Lichtschalter. Der Sicherungskasten klebt etwas. ‚Hier bin ich richtig‘, geht mir durch den Kopf. Am ersten Tag probiere ich die Schalter. Die Beschriftung ist kaum zu erkennen und nicht zu entziffern. Die Kürzel darüber sagen mir wenig.

Eine Garderobe gibt es nicht. Umziehen soll ich mich im Trockenlager. Dort finde ich den Lichtschalter etwas leichter. Kaum schalte ich das Licht ein, verschwinden blitzartig ein paar Kakerlaken. Hier soll ich über den Nachmittag meine Kochwäsche lagern? Ich bekomme gerade eine Gänsehaut. Und das, trotzdem wir als Köche in der Hinsicht ziemlich abgehärtet sind. Bisweilen habe ich in Betrieben gearbeitet, in denen mich die Kakerlaken fast an den Arbeitsplatz getragen hätten. Nicht etwa in Südamerika. Nein. In Westeuropa. Im Reich der Klugen und Sauberen. Ich entschließe mich, meine Kochwäsche an zu behalten und nur mit Regenkombi zu bedecken auf meinen Arbeitswegen. Eigentlich wäre das hygienisch gesehen, nicht erlaubt. Trotzdem ist es sauberer und hygienischer als Kakerlaken. Das Gesetz sieht jetzt vor, dass ich das an den Stellen melde. Tue ich das, brauch ich in Südtirol nie wieder nach einer Arbeit fragen. Und damit sind wir bei Gesetzen und deren Umsetzung im Kapitalismus. In der DDR wäre jeder Arbeiter froh gewesen, sich auf diese Art einen freien Tag zu beschaffen. Das heißt auf Deutsch: im Westen ist der Keim, Bestandteil der Gesellschaft. Besonders in den Parlamenten. Gesundheitsschutz ist eine reine Farce und damit recht oberflächlich. Vor der EU, hatte Italien ein wirklich gutes Hygienegesetz, das auch wirkte. Mit der Union brach das vorbildliche System zusammen. Man verfolgt nur noch oberflächliche Regeln nach Vorgaben, die aus einer Irrenanstalt zu kommen scheinen.

Der Tag beginnt recht gemütlich. Das Frühstück muß ich nicht allein bereiten. Eine einheimische, fleißige Frau hilft mir dabei. Schön ist sie auch noch. Sie kommt aus der Nachbarschaft und ist recht routiniert. Sie stellt sich mit Kathrin vor. Als ich mich vorstelle, gerät sie unweigerlich ins Lachen. Sie findet mein Sächsisch, lustig. Bei ihrer Routine habe ich den Verdacht, sie mußte schon öfter das Frühstück allein bereiten. Nebenbei unterhalten wir uns etwas. Die Familie betreibt nebenbei einen Buschenschank am Waalweg oberhalb Marlings.

Gegen sechs Uhr dreißig kommt die Familie. Kathrin hat mich schon darauf vorbereitet. Die Familie wünscht auch zu Frühstücken. Dabei wird das gesamte Sortiment an Eierspeisen bestellt. Ich schätze, zur Kontrolle. Meine Chefs möchten wissen, ob ich Eierspeisen kochen kann.

Mit dem Frühstück habe ich bis weit nach zehn Uhr zu tun. Zwischendurch kann ich ein paar Zutaten für das Menü vorbereiten. Sogar die Minestrone kann ich schon ansetzen. Wie üblich, wählen wir für den ersten Tag ein einfaches Menü. Zumal, alle Gäste erst anreisen. Die Verluste sollen so gering wie möglich sein.

Wie in allen Hotels, stellen sich auch gleich die Stammgäste vor. Ich muß lachen, weil ich Einige aus der Wintersaison in Österreich kenne. Kennen ist gut gesagt.

Die meisten Gäste habe ich gesehen. Von Einigen kann ich sagen, welche Gerichte sie mögen und welche nicht.

Trotzdem finde ich erstaunlich, wie klein eigentlich der Gästekreis ist, den wir zu bedienen haben. Mir scheint, es kämen überall die gleichen Gäste, die sich den Urlaub leisten können. Finanziell und auch zeitlich gesehen. In den Hochsaisons sehe ich diese Gäste nie oder sehr selten. Da kommen andere, uns oft sehr unbekannte Gäste.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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