Fortsetzung Die Saisonpause


Vermutlich hält er sich am Kuchen schadlos. Von Nichts kommt Nichts. Ich soll ihm ein Schnitzel vom Rind braten. Kalbfleisch habe ich keins gesehen bei uns. Rind schon. Aber nur die Hüfte. Ich kann davon ausgehen, er weiß, was im Kühlhaus liegt. Sein Schnitzel klopfe ich fast bis zur Besinnungslosigkeit. Ich kann teilweise den Hackstock erkennen. Das Fleisch ist nicht so gereift, wie es ein sollte für dieses Gericht.

Bisher gibt es keine Klagen. Auch die Mienen der Familie verraten keine Bewertung. Es fehlen noch Familienmitglieder. Die Kinder und ein Sohn der Chefin. Wahrscheinlich holt er die Kinder ab. Vorbereiten muss ich nichts mehr. Mein Menü für den Abend steht. Abspülen muss ich auch nicht. Das macht Goran. Er ist freundlich und pfeift ein Liedchen dabei. Goran sagt mir auch, die Küche wischt er.

Halb Zwei kommt der Sohn der Chefin mit den Kindern. Er stellt sich mit Werner vor. Das scheint eine Ausnahme zu sein. Die anderen Familienmitglieder verschweigen mir ihren Namen bis jetzt. Mit dem Eintreten von Werner scheint sich die Raumtemperatur erheblich zu erhöhen. Ich vernehme ein Parfüm, das normalerweise eher Frauen bevorzugen. Werner gibt wohlklingend vor, Feinschmecker zu sein. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das als Drohung auffassen soll. Auf die Frage, woran er laboriert, antwortet mir Werner, er wäre Allesesser. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Es scheint doch noch gesunde Menschen zu geben.

Die Kinder, beide im Schulalter, sehen eher der Mutter ähnlicher als dem Vater. Die Große, Manuela, hat sogar die Eigenschaften der Mutter. Ich schätze, die Namensgebung ist etwas mißlungen. Manuela ist eher der Name eines sanften Charakters. Davon ist Manuela weit entfernt. Der Kleine heißt Ralf. Er ist erst mal still und wirkt kurz darauf, ziemlich aufgeschlossen. Dafür erntet er sofort finstere Blicke seiner großen Schwester.

Beide Kinder gehen zuerst zu Mama und geben ihr ein Küßchen. Das Gesicht der Mama scheint sich etwas zu erhellen. Zukünftig werde ich bei Forderungen, genau diesen Augenblick wählen. Papa bekommt kein Küßchen. Er wird nur gedrückt. Ich könnte jetzt denken, die Kinder hassen den Rindfleischgeschmack. Papa jedenfalls, scheint das Fleisch zu bekommen. Seine Augen glänzen.

Die Kinder sollen gesund essen, wird mir befohlen.

„Was verstehen sie unter gesund“, frage ich. Ich wollte jetzt nicht sagen, auswärts hätten sie vielleicht etwas mehr Glück.

„Schlutzer. Ich habe Schlutzer für die Kinder im Kühlhaus. Die essen sie gern.“

„Mit viel Südtiroler Käse?“

„Parmesan reicht.“

Zum Glück habe ich drinnen ein Englisch Wasser zu stehen.

„Zehn Minuten bitte.“

„Mach gleich alle Schlutzer. Ich esse auch welche als Vorspeise“, sagt Werner. Er möchte auf alle Fälle mein Tagesgericht probieren.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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