Fortsetzung Die Saisonpause


Im Kühlhaus entdecke ich die Schlutzkrapfen. Sie sind vakuumiert. Also Frischware. Die kochen natürlich etwas schneller als die getrockneten. Nachdem ich sie in das Wasser gelegt habe, renne ich schnell noch mal raus.

„Mit Brauner Butter?“

„Nein! Mit Tomatensauce!“

Tomatensauce ist keine im Haus. Ich muß schnell eine Dose öffnen. Es ist bereits nach vierzehn Uhr. Ab jetzt beginnt meine Freizeit. In meiner Freizeit koche ich allgemein für meine Familie. Für sonst Niemand. Damit spare ich mir auch das extra vakante Würzen. Nur das Nötigste kommt rein. Ich warte in der Küche. Bedienen gehe ich zu meinem Feierabend, Keinen außer meiner Frau. Ich warte, warte… . Werner kommt.

„Oh. Hast du Alles schon fertig?“

„Ja bitte.“

Werner nimmt das Essen mit. Die Schlutzer dürften jetzt weich genug sein.

„Dein Essen steht dann hier“, sage ich zu Werner. Ich habe das Essen in einer Pfanne angerichtet. Auf den Teller kann er sich das selbst legen.

„Bis heute Abend.“

Ich ziehe schnell meine Regenkombi an. Die ist zweiteilig. Die Lederkombi muß ich auf zwei Mal mit nehmen. Sie passt sonst nicht in meinen Heckkoffer.

Nach Hause nehme ich eine Abkürzung. Eigentlich müßte ich bis Marling fahren. Von dort nach Meran und über Meran nach Hause. Wer sich das hat einfallen lassen, war ganz sicher ein Umweltschützer. Die zweite Möglichkeit wäre, an der Forstbrauerei nach Algund abzubiegen und über die Ausfahrt Algund in Richtung Reschen zu fahren. In Algund bin ich Linksabbieger, bergauf. Der Einfall ist ganz sicher so intelligent wie der über Meran. Gut. Nehmen wir es, wie es ist. Ich versuche, an der Ausfahrt Forst, nach Links abzubiegen. Eine Ampel steht dort schon. Warum ausgerechnet diese Richtung nicht mit einer Ampel bedient wird, bleibt das Geheimnis der Verkehrswissenschaftler. Hauptsache, die Straße hat auf der Mitte ein schönes Blumentöpfchen. Lassen wir das. Auch bei schweren Geburten wird mitunter etwas Intelligenz gespart.

Zu Hause angekommen, lege ich mich natürlich gleich etwas hin. Die Ruhe ist kostbar. Ich habe genau fünfzig Minuten zum Ruhen. Danach werde ich vor Kraft nur so strotzen. In der Zwischenzeit kommt Joana nach Hause. Sie fragt mich, ob mir die neue Arbeit gefällt. Ich bin noch ganz verschlafen. Joana schaut mir ins Gesicht. Sie merkt schon, ich bin dort nicht so glücklich wie sonst. Sie schaut mich etwas mißtrauisch an.

„Am ersten Tag bin ich schon etwas überfordert. Zu viele Eindrücke müssen verarbeitet werden.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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