Fortsetzung Die Saisonpause


Vor drei und zwanzig Uhr komme ich nicht raus. Gelingt mir das eher, kann ich schon fast von einem Feiertag reden. Kaum stehe ich in der Ausgangstür, angezogen natürlich, kommt Marianne mit einem Buch um die Ecke.

„Hier sind noch ein paar Bestellungen zu machen.“

„Ja. Ich schreibe weder die Menüs noch weiß ich, was dafür gebraucht wird.“

Der große Widerspruch wird sichtbar. Leute, ohne Ahnung von gewerblicher Verpflegung, wollen die dafür notwendigen Bestellvorgänge kontrollieren. Eigentlich brauchen sie nur kontrollieren, ob das, was bestellt ist auch geliefert wird. In dem Zusammenhang kann der Firmenbesitzer wohl schnell feststellen, ob der Koch oder jemand Anderes, Teile der Lieferung für sich klaut. Im Grunde würde es Keinem schaden, wenn die Unternehmer bisweilen Produkte, für die seine Angestellten, Wucherpreise zahlen im freien Handel, über ihr Sortiment mit den Angestellten selbst handeln. Entweder liebt man seine Angestellten, von denen man lebt oder nicht. Wir reden von einer Partnerschaft. Selbstverständlich müssen diese Vorgänge genau so erfaßt werden wie alle anderen. Vielleicht sogar mit einem extra Kassenbuch. Aber das kostet Mühe. Nicht die eigene. Nur die des Steuerberaters.

Mich begrüßen keine Blicke hinter Gardinen. Unsere Nachbarn schlafen bereits. Ein paar Stunden Ruhe bleiben mir. Trotzdem möchte ich noch ein paar Bewerbungstermine vereinbaren. Dem Frieden traue ich nicht. Die Gesten und Handlungen meiner Chefin treiben mich, neue Stellen zu suchen.

Joana schläft schon. Sie weckt sofort auf, als ich die Tür öffne. Die Unterbrechungen sind nicht gut für sie. Vor allem nicht zu der Zeit.

Schon spät in der Nacht, knüpfe ich neue Kontakte. Die führen mich nach Schenna, Dorf Tirol, Meran und Naturns. Mal sehen, wer antwortet. Jetzt begleitet mich nur sie Sorge, ob die Zimmerstunde für eine Vorstellung ausreicht. Das wird knapp.

Als der Wecker klingelt, habe ich gerade drei Stunden im Schlaf verbracht. Joana sagt, sie bewundert mich ob meiner Schlafgewohnheiten. Sie könnte nicht so auf Kommando einschlafen wie ich. Nach meinem Eintreffen in der Nacht, findet sie höchstens noch den Halbschlaf. Und der ist sicher nicht geeignet, sämtliche Schäden des Vortages zu reparieren. Auf die Art staut sich bei meiner geliebten Frau, Einiges auf. Es wird Zeit, für die Geliebte eine andere Arbeit zu suchen. Nicht nur für mich. Eine kleine Selbstständigkeit wäre vielleicht gut. Leider wird uns gerade die von den europäischen Diktatoren zur Hölle gemacht. In stillen Stunden träume ich manchmal von Kuba, Rußland oder China. Wo sind die Genossen, denen wir einmal geholfen haben? Sie werden unsere Solidarität doch nicht etwa vergessen haben?

Bis zum Karfreitag geht der Trott seinen Gang. Kaum komme ich an diesem Tag auf Arbeit an, begrüßt mich ein junger Kollege aus dem Ort. Mich wundert schon, sein Roller steht auf dem Hof vor dem Hotel. Der scheint nicht zu stören. Seltsam. Der Blick auf den Auspuff verrät mir eine gewisse Bastelfreude. Und das Ergebnis scheint nicht geräuschlos zu sein.

„Marco ist mein Name.“

Nach der Frage nach seinem Beruf, wird mir schnell klar, er ist entweder zur Hilfe hier oder zur Übernahme. Nach dem Personalfrühstück kommt die Chefin in die Küche.

„Das ist Marco. Zeig ihn bitte mal, wie wir unsere Menüs kochen.“

Das Frühstück mußte ich kaum her richten. Marco hat das schon mit Kathrin gut zurecht bekommen. Die Zwei verstehen sich sofort.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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