Fortsetzung Die Saisonpause


Zur Not blieben mir noch die hohen Lagen. Deren Saison beginnt erst später. Leider erst im Juni. Wie soll ich bis dahin Geld verdienen? Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, in meinen Winterbetrieben nach zu fragen, wo denn mein restlicher Lohn geblieben ist. Plötzlich fällt mir ein, ich habe meine Sachen und vor allem, mein Werkzeug liegen lassen. Ich gehe zurück. In der Küche angekommen, sehe ich Marco schon mit meinem Werkzeug hantieren.

„Marco. Das muss ich jetzt mitnehmen. Tur mir Leid.“

„Ist schon gut. Viel Glück bei deiner Suche.“

„Danke. Machs gut.“

Jetzt bin ich beladen wie ein Kamel. Im Heckkoffer ist kaum noch Platz. Ich ziehe die Regenkombi an, um etwas Platz zu schaffen.

Zu Hause angekommen, will ich Joana meinen Lohn übergeben. Der Umschlag ist weg. Verloren. Ich springe umgehend auf mein Motorrad und fahre den Weg zurück. Immerhin hat mir die Chefin einen beträchtlichen Betrag ausgezahlt. Im Scheinwerferlicht mache ich mir schon Hoffnung, den Umschlag ziemlich schnell wieder zu finden. Fünf Stunden dauert die Suche. Nichts. Die gesamte Abrechnung ist dabei. Joana macht mir Vorwürfe. Ich würde mit Unterlagen zu schlampig umgehen, sagt sie. Joana fährt mit dem Auto. Auf einem Motorrad ist das schon anders. Wegen zwei zu langen Messern, konnte ich die Tanktasche nicht komplett schließen. In den Heckkoffer paßten die auch nicht rein.

Joana steht drei Uhr dreißig auf. Ich komme gerade rechtzeitig zum gemeinsamen Frühstück. Einem freudlosen Frühstück. Am Monatsanfang wird unsere Rate abgebucht. Wir befürchten, uns diesen Monat täglich mit Pasta bianco ernähren zu müssen. Das ist wenigstens das preiswerteste Butterbrot.

Gleich, nachdem Joana zur Arbeit gefahren ist, schicke ich um die hundert Bewerbungsschreiben weg. Die abgesprochenen Termine scheinen mir zu unsicher. Bis Pfingsten ist noch Zeit. Trotzdem sehe ich eine Chance. Im Moment ist die Jahreszeit für die Kaffeefahrten aus Deutschland. Deren Menüs bringen in die neuen Küchenkollektive viel Unruhe. Die Hochburgen sind Schenna und Dorf Tirol. Dort sehe ich etwas Hoffnung.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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