Fortsetzung Die Saisonpause


Das Telefon klingelt. Am anderen Ende ist das Arbeitsamt. Ich soll meine Unterlagen vorbei bringen. Darauf antworte ich:“Die habe ich leider verloren auf der Heimfahrt.“

Die freundliche Frau an der Gegenseite sagt mir, wir müßten jetzt ein Ersatzdokument besorgen.

„Drucken Sie doch einfach die Onlinemeldung aus“, sage ich Dank meiner Unwissenheit in bürokratischen Dingen. Irgendwie merke ich, der Vorschlag ist zu einfach.

„Kommen Sie doch einfach vorbei.“

„Muß ich mit langen Wartezeiten rechnen?“

Ich glaube, die Zeit, welche ich auf diesem Amt verbringe, mit Bewerbungen wesentlich günstiger ausfüllen zu können. Ich wüßte nicht ein Beispiel, an dem ich aktiv vom Amt vermittelt worden wäre. Bisher mußte ich mich selbst kümmern. Natürlich entzieht sich meiner Kenntnis, was im Hintergrund läuft.

„Nein. Der Hauptansturm ist vorbei“, bekomme ich gesagt. Trotzdem kostet mich die Hinfahrt, Einiges. Wir verabreden uns auf morgen. Heute will ich gleich mit den Betrieben, Kontakt aufnehmen, mit denen ich schon in Verbindung war. Die Telefonnummern habe ich bereits. Der Anrufmarathon beginnt. Zum Glück kostet jetzt das Telefonieren weniger. In früheren Jahren haben wir pro Monat fast eintausend Euro allein für die Bewerbungen benötigt. Nur, um Vorstellungsgespräche zu vereinbaren. Privatgespräche sind bei uns sicher keine dabei. Steuerlich absetzen? Das ist ein Fremdwort hier.

Unsere Hausklingel läutet. Mit einem Blick über den Balkon bemerke ich den Postmann.

„Du hast eine Post, die zu unterschreiben ist.“

Ich drücke den Türöffner. Der Postmann kommt bis an die Wohnungstür und gibt mir einen dicken Umschlag. Zuerst dachte ich, auf einem meiner Arbeitswege bin ich fotografiert worden. Irrtum. Meine Unterlagen, die ich verloren habe, sind drinnen. Das Geld fehlt. Anders habe ich das nicht erwartet. Eine Telefonnummer ist dabei. Für den Anruf lasse ich mir erst mal Zeit. Zuerst rufe ich das Arbeitsamt an und melde den Eingang der Unterlagen.

Danach melde ich mich beim Finder. Auf die Frage, ob eventuell Geld dabei war, bekam ich eine negative Antwort. Ein Finderlohn ist trotzdem fällig, scheint mir. Das Danke reicht nicht. Bei der Vorstellung, dem wahrscheinlichen Finder meines Geldes noch einen Lohn zahlen zu sollen, wird mir etwas mulmig. Das wäre ja eine Prämie für den halben Fund. Streiten kann ich auch nicht. Vermutungen bringen mich nicht weiter.

„Danke. Einen Finderlohn kann ich leider nicht zahlen. Ich habe einfach kein Geld.“

Ich spüre etwas Unbehagen am anderen Ende des Telefons.

„Können wir uns treffen?“

„Ist nicht nötig. Die Unterlagen sind wichtig.“

Das war es. Ein recht kurzes, emotionsloses Gespräch.

Die ersten Antworten auf eine Bewerbungen kommen aus Schenna. Ich werde heute mein Glück versuchen.

Schenna liegt etwa fünfzehn Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Vier Arbeitswege hin und zurück, ergeben damit einen täglichen Arbeitsweg von einhundert und zwanzig Kilometern. Und das durch regen Verkehr, der mich nicht nur die Töll entlang führt, sondern auch noch durch stark befahrene Vororte von Meran. Ich rechne wieder mit einer täglichen Fahrzeit von zwei Stunden. Mich erwartet wieder ein fünfzehn Stunden dauernder Arbeitstag. Das scheint mir erst mal günstiger als Gras zu fressen.

Zuerst suche ich das Hotel, in dem ich dienen soll. Es ist ziemlich weit vom Zentrum entfernt. Mir drohen erheblich mehr Kilometer als erwartet. Bei dem Rückruf werde ich auf dreizehn Uhr eingeladen. Wahrscheinlich soll mich der aktuelle Koch nicht sehen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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