Fortsetzung Die Saisonpause


Jetzt stehe ich vor dem Hotel. Himmelfahrt ist der passende Name, wenn ich den Empfang so sehe.
„Wir haben miteinander telefoniert.“

„Rosmarie. Ich bin die Chefin hier. Ich zeige Dir gleich die Küche.“

Beim Betreten fällt mir gleich auf, Küche als Bezeichnung, ist etwas übertrieben.

‚Wieder ein schwarzes Loch‘, denk ich mir. Die Lüftung läuft nicht. Es stinkt nach Pommes. Ein Kollege kommt gerade aus dem Lagerraum. In der Hand hält er einen Stapel Schürzen und Huder.

Huder ist die Bezeichnung für Putztuch in diesem Teil Südtirols. In jedem Tal hat sich eine andere Bezeichnung durch gesetzt. So weit entfernt von Sachsen kann es trotzdem nicht sein. Bei uns nennt man das Putztuch – Hader. Ich habe das schon fast vergessen.

Der Kollege grüßt. Ich schätze, er ist ein Jugoslawe. Er stellt sich nicht vor. Die Chefin auch nicht.

„Das ist unser Hausmann.“

Als Hausmann ist er sicher auch der Abspüler, wenn die Kollegen frei haben. Er hat die Südtiroler Lebensart gut angenommen. Er redet nicht mit Fremden.

„Wir arbeiten von neun Uhr bis neun Uhr abends.“

Eigentlich klingt das gut.

„Gibt es eine Zimmerstunde?“

„Von ein Uhr bis Fünf.“

„Müssen Menüs angeboten werden?“

„Nein. Bei uns gibt es nur a la carte.“

„Sicher mit einem Tagesgericht oder Tagesmenü.“

„Ja.“

„Haben wir Arbeitermenü?“

„Wenige. Nur unser Personal.“

„Wie groß ist die Familie und wann ißt die?“

„Wir essen nicht im Betrieb.“

Ich könnte fast den Hut hoch schmeißen. Der erste Betrieb, in dem nicht die Familie bekocht werden muß.

„Wie lange gilt die Probezeit?“

„Für Chefköche, einen Monat.“

Damit habe ich gerechnet. Heute suchen sie angeblich nur Chefköche, weil sie so die Probezeit verlängern können. Mir fällt das in vielen Betrieben auf. Freundlicher sind sie damit nicht geworden. Besser gesagt, nur oberflächlich freundlicher. In jedem Gespräch wird eine Drohung verbaut. Auch in diesem.

„Was verdiene ich denn hier?“

Ich frage das einfach, weil ich oft und zu oft, falsch verstanden werde.

„Zwei Tausend.“

„Komplett gemeldet?“

Das klingt jetzt etwas vergeßlich, weil ich diese Fragen immer stelle.

„Wie du willst.“

Es scheint tatsächlich Druck zu herrschen. Wobei ich den Äußerungen wenig traue. Auf den Lohnzetteln steht dann grundsätzlich ein anderer Betrag. Lassen wir das bei Seite. Die steuerliche Sparsamkeit ist berechtigt. Zumindest bei der aktuellen Regierung. Diese Regierung wird nicht geliebt und dem entsprechend behandelt. Wer Kleinunternehmern in den Rücken fällt, muß eben mit den Konsequenzen rechnen.

Wir werden uns einig.

„Ich komme heute Abend vorbei, mir das Geschäft anschauen.“

Jetzt muß ich das noch dem Schennaer Hotelier verkaufen. Mal sehen, ob mir das gelingt. Die Angebote will ich mir auf alle Fälle erhalten. Das wird schwer. Die meisten Hoteliers wissen, ein Bewerber hat mehrere Angebote laufen.

Die Fahrt nach Schenna ist fast schon eine Quälerei.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: