Fortsetzung Die Saisonpause


Um diese Zeit ist schon reger Touristenverkehr bei uns. An jeder Ampelkreuzung gibt es Staus. Radfahrer behindern den Berufsverkehr zusätzlich. Es ist Nerven aufreibend. Der gesamte Verkehr, auch der von Fußgängern, wird durch eine solide Sturheit geprägt. Jeder hat Recht, Vorfahrt und Vortritt. Jeder meint, er ist im Urlaub und hat das Land gekauft. Regeln zählen nicht. Neben einem flüssigen Werksverkehr soll es eben auch eine Touristeninfrastruktur geben. Die Straßen werden schmaler und aller zwanzig Meter mit Fußgängerüberwegen garniert.

Die Fahrt dauert selbst auf dem Motorrad ziemlich lange. Ich habe fast das Gefühl, schon wieder zu der Zeit an zu kommen, in der meine Kollegen ihren Dienst beginnen.

Am oberen Ortseingang in Schenna ist eine kleine Verengung. Eine Art – Tor. Die wird mit einer Ampel geregelt. Auf jeder Seite stehen Autofahrer und warten auf ihr grünes Lichtzeichen. Ein Kilometer lang auf jeder Seite. In dem Eckhaus möchte sicher Keiner wohnen. Bei der frischen Luft. Und diese Ruhe. Echte Erholung beginnt eben in Schenna. In der Autoschlange trifft man ganz sicher seinen Nachbarn aus dem Reich. Bei der Länge ist sicher auch ein ausgedehntes Gespräch untereinander möglich. Vorausgesetzt, man mag sich leiden.

Kaum bin ich am Hotel, stelle das Motorrad ab, kommt mir eine Kollegin entgegen. Eine hübsche Rezeptionistin. Ich höre einen Slowakischen Akzent. Für eine weltoffene Rezeption reicht die Begrüßung alle Mal. Man muß ja nicht Alles verstehen. Selbstverständlich braucht man auch einen Grund für eine Reklamation mit vorzeitiger Abreise. Was ist dazu besser geeignet als mangelnde Sprachkompetenz im Hotelempfang?

Der Chef ist im Büro. Allein. Ich werde sehr freundlich empfangen.

„Möchtest Du etwas zu Trinken?“

„Einen Kaffee vielleicht. Wenn Ihr noch einen Frühstückskaffee habt, nehme ich gern so einen.“

Wie immer, möchte ich den Frühstückskaffee testen, der den Hausgästen serviert wird.

„Gerne“, antwortet der Chef.

„Ich heiße Johann.“

„Karl“, antworte ich.

„Deine Bewerbungsunterlagen haben mich beeindruckt. Du hast schon häufig gewechselt bei uns.“

„Das sagt mir sonst Keiner. Die Meisten werden sich das denken. Ich habe den Betrieb, in dem ich mich heimisch fühle, leider noch nicht gefunden.“

„Probleme gibt es in jedem Betrieb.“

„Das ist sicher. Ich kann damit umgehen.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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