Fortsetzung Die Saisonpause


Fortsetzung Die Saisonpause

Ein Kollege ist in der Küche und bereitet die Eierspeisen für die Frühstücksgäste. Wenn ich mir die Anzahl der Gäste so anschaue, können die unmöglich aus diesem Hotel allein sein. Vielleicht hat die Familie noch mehr Betriebe. Vielleicht hängt sogar die Kündigung meiner Probestelle auch damit zusammen. Spekulieren habe ich mir hier in Südtirol abgewöhnt. Dabei kämen vielleicht Dinge zu Tage, die meinem Status hier nicht gut täten.

Mir fällt auf, der Kollege hat allein mit dem Frühstück nahezu alle Brennplätze in Benutzung. Davon hat er zum Frühstück, sieben. Wenn ein Tisch verschiedene Speisen bestellt, schwimmt er. Ich warte also getrost auf das Mittagsgeschäft. ‚Das wird ein schönes Casino‘, denke ich mir.

Zum Personalfrühstück nach den Gästen, stellt sich mir die Familie vor. Sie sind freundlich. Ich weiß nicht, ob aufgesetzt oder echt. Ich erfahre, der Koch, welcher gegangen ist, arbeitet jetzt im Vinschgau. Das ist schon ein Witz. Die Vinschger Köche arbeiten in Bozen oder Meran und deren Köche sind im Vinschgau. Ich muß darüber lachen. In der DDR wären solche Zustände undenkbar. Schon allein des Umweltschutzes wegen. Wobei festzustellen bleibt, unsere Schlosser und Metaller, fuhren sehr oft nach Karl – Marx – Stadt. Dort war immerhin eine Zentrale unserer Metallverarbeitung. Bei einem Acht – Stunden – Arbeitstag hat das aber Keinen so richtig belastet.

Zumal die Arbeitswege ziemlich nahtlos und kostenfrei organisiert waren.

Hier ist das anders. Wir bezahlen jeden Kilometer von unserem Lohn. Sehe ich mir hier den Verkehr genau an, stelle ich fest, weit über die Hälfte ist reiner Werksverkehr. Für Gastronomen, die sechs Uhr morgens beginnen und nach zehn Uhr abends, Feierabend haben, gibt es keinen Nahverkehr. Die Zimmerstunde würden die allein mit Umsteigen und Warten verplempern.

Das Mittagsgeschäft rückt näher. Auf den sieben Brennplätzen stehen jetzt zwei Töpfe mit Englisch Wasser. Die Luft wird langsam dünn und unerträglich.

Milos, der Zweite Koch, bereitet die Salate vor. Ich sehe eine ziemlich große Vorbereitung. Der Schätzung nach, werden in etwa zweihundert Gäste erwartet. Und das mit fünf Brennstellen. Setzen wir voraus, ein Tisch mit sechs Personen bestellt sechs verschiedene Speisen, wartet der erste Tisch allein schon eine halbe Stunde. Wir können uns sicher gut vorstellen, wie lange der letzte Tisch wartet. Das ist keine Gastronomie. Den Betrieb hätte ich sofort auf Selbstbedienung umgestellt. Qualität ist in solchen Betrieben ausgeschlossen.

Am Mittag kommt es genau zu der Situation, wie ich sie mir bereits vorstellte. Die Bedienungen nehmen sich untereinander die Speisen weg. Von Organisation keine Spur. Die Gäste warten locker eine Stunde und länger. Es gibt Streit. Wie scheint, wird der professionell behandelt. Man hat sich in diesen Zustand eingelebt.

Eine Mitarbeit ist am ersten Tag unmöglich. Ich würde sofort im Weg stehen. Der Fußboden ist glatt und gefährlich.

Eigentlich liebe ich kleine Küchen. Die müssen aber richtig eingerichtet sein. Und diese Küche ist alles Andere als eine Küche, mit der man unsere Gäste bekocht. Wieso soll Gastfreundschaft in Quälerei ausarten? Mir scheint, die Betreiber haben jeden Überblick verloren.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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