Fortsetzung Die Saisonpause


Nach dem Putzen ist dann gleich die Heimfahrt angesagt. Um diese Zeit kann ich durch die Stadt abkürzen. Mir können höchstens ein paar Betrunkene ins Motorrad laufen oder fahren. Bei einigen Landsleuten habe ich den Eindruck.

Ich komme in der Töll an und sehe einen Mann, der mir zuwinkt. Das letzte Mal hat mir vor zwanzig Jahren jemand zu gewunken. Das überrascht mich schon etwas. Mich begrüßt ein Mann mit etwas glasigen Augen. Joana hat mir gesagt, ich soll niemals bei Arbeitgebern anfangen, deren Blick etwas glasig ist. Die sind zu wankelmütig. Keine einzige Äußerung dieser Leute kann für voll genommen werden. Das Gleiche gilt natürlich für Verträge. Diese Menschen benehmen sich teilweise wie Kinder. Unberechenbar.

Trotzdem treibt mich aktuell die Not. Außerdem läuft mir die Zeit weg. Im Moment glaube ich noch an eine Sommersaison in unserer Nähe. Die ist wenigstens acht Monate lang.

Mein Telefon klingelt. Ein Anruf aus dem Passeiertal.

Zu Hause muss ich erst mal suchen, wo sich dieser Betrieb befindet. Am Telefon bekomme ich das selten gesagt. Die Wirtsleute wollen vielleicht eine vorzeitige Absage vermeiden. Wer arbeitet gern fernab der Familie. Und dieser Betrieb befindet sich tatsächlich am Ende der Welt, stelle ich zu Hause fest. Ich schicke erst Mal eine Antwort.

Gustl, der Chef vom Hotel Moritz, macht mir schon mal den Mund wässrig. Er würde gut bezahlen. Auf morgen hat er mich zur Zimmerstunde eingeladen, den Betrieb anzuschauen. Während unseres Gespräches hat er sich zwei Bier genehmigt. Mich wundert jetzt nicht mehr, warum mir laufend irgendwelche Autofahrer zu nahe kommen auf dem Motorrad. Ich sage zu. Wir verabschieden uns.

Zu Hause offenbare ich das neue Glück. Joana gerät leicht unter Stress. Heute Abend packt sie mir zwei Kochgarnituren. Zum Glück habe ich die Schuhe doppelt. Kochsachen habe ich für eine Woche.

Am Morgen packe ich die Sachen und begebe mich wie immer, durch die Stadt nach Schenna. Die Sinicher Straße ist morgens ein einziger Stau. Immer, wenn ich dort entlang muß, frage ich mich, wann endlich eine direkte Abfahrt in Richtung Schenna und Hafling gebaut wird.

Am Hotel Rodel angekommen, werde ich schon im Foyer von der Rezeptionistin begrüßt.

„Der Chef will mit dir sprechen.“

Ich betrete das Büro.

„Guten Morgen. Der Chefkoch hat mir gesagt, das wird nichts mit uns. Er hat andere Vorstellungen von seinem Zweiten. Du sollst dir eine eigene Küche suchen.“

„Eigentlich wollte ich auf die Art mal etwas Urlaub nehmen. Ständig die Mehrarbeit, das Menü schreiben, den Frust mit den Kollegen und Chefs, wollte ich mir als Zweiter Koch sparen.“

„Wir nehmen einen anderen Koch.“

„Also, bin ich fertig hier?“

„Ja.“

„Ich hätte eigentlich einen Umschlag erwartet. Auch nach einem Tag.“

„Wir überweisen das. Schreib mir mal deine Kontonummer auf.“

‚Kredit nimmt der auch noch‘, denke ich mir. Ich verabschiede mich nicht. Die Leute schauen mir hinter her, als hätte ich ihnen etwas gestohlen. Eigentlich freue ich mich. Mein Beruf ist Koch. Dort hätte ich eher als Auspacker von Fertiggerichten gedient. Mit etwas Glück, vielleicht auch als Schnitzer für Garnituren.

Ich kann also direkt ins Hotel Moritz zu Gustl fahren.

Der ist bei meinem Ankommen etwas überrascht. Die Küche ist klein und eng. Auf der Terrasse und in den zwei Gasträumen ist jetzt schon reichlich Betrieb. Man trinkt Kaffee, ißt Kuchen und frühstückt vom Buffet. An der Theke wird schon kräftig zugelangt. Die Viertel sind alle gut gefüllt.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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