Fortsetzung Die Saisonpause


Angekommen beim Hausarzt, sagt mir dieser nach der Untersuchung:

„Für ein entzündetes Auge gibt es im Italienischen Gesetz keine Krankmeldung.“

Nebenbei haben wir bei der Untersuchung festgestellt, mich hat eine Art Herpes an den Augen befallen. Und nicht nur da. Ich habe sie am ganzen Körper bekommen. Gut ausgebildete Köche kennen deren Ursachen. Ärzte anscheinend nicht. Auch dafür gibt es keine Krankmeldung. Das wäre auch schade, eine Krankmeldung wegen hygienischer Zustände auszustellen.

„Wenn es hier keine Krankmeldung gibt, werde ich es höchstens, Unten bei der Notaufnahme versuchen.“

„Mach das nicht. Das gibt viel Ärger!“

„Gut. Dann muß ich eben ohne Krankenschein und Krankengeld, unbezahlt, frei nehmen.“

„Das scheint mir der beste Weg.“

Der Doktor wird plötzlich zum Rechtsberater. Per Gesetz hätte man mich jedenfalls mit einem zu geschwollenem Auge und mit einer ansteckenden Krankheit, wieder auf Arbeit geschickt. Das nenne ich Freiheit. Nun wissen wir endlich, mit welcher Fürsorge für Arbeiter, ansteckende Krankheiten bekämpft werden.

Die nun erlangte Freiheit verpflichtet natürlich meine Joana wieder zum Lebensunterhalt. Wie soll ich mich fühlen dabei?

In sechs Tagen haben wir das geschwollene Auge weg bekommen. Die Herpes in und an den Augen noch nicht. Die winzige Tube mit dem Mittel, kostet mich zehn Euro pro Tube. Das angebliche Original, das siebenfache. Das nenne ich wahre Volksgesundheit.

Selbst den Mund muß ich mit einem Extramittel gegen Herpes behandeln. Das Mittel kostet nur die Hälfte. Dafür scheint der Tubeninhalt auch etwas geringer. Die Verpackung dieser Reagenz ist aber riesig. Sicher auch der Gewinn. Der Gewinn des Dealers und Herstellers. Bei mir scheint dieses Wundermittel nur begrenzt zu wirken.

Zu meinem Glück hatte ich mir Auszüge aus Schafgarbe, Salbei, Kamille, Zitronenmelisse, Pfefferminz und Rosmarin selbst hergestellt. Wie scheint, ist meine Hausapotheke des Mittelalters, hilfreicher als die teure Pseudomedizin der angeblichen Neuzeit. Wir können also davon ausgehen, die medizinische Entwicklung im Kapitalismus hat endlich den Stand der Antike erreicht. Alle Achtung.

Die Melisse hat geholfen. In kürzester Zeit. In drei Tagen war der Alptraum beendet. Ich rufe Gustl an und sage es ihm.

„Ich kann bei Dir leider nicht dienen. Wegen des Herpes. Da bekomme ich einen Rückfall.“

Es dauert etwas am Telefon. Gustl ist einverstanden. Ich habe ihm von den Äußerungen meines Hausarztes ein paar Brocken mitgeteilt. Dazu habe ich ihm empfohlen, dringend etwas zu unternehmen.

Die Meldung meines neuen Status auf dem Amt, ist dagegen etwas komplizierter. Welchen Status der Arbeitsbeendigung geben wir an? Die Bürokraten rätseln. Gesundheitliche Ursachen können sie nicht schreiben. Das würde sie vielleicht zu einer Umschulung verpflichten. Ich weiß es nicht. Die Beamten sagen es mir auch nicht. Der Dumme soll dumm bleiben. Man lächelt etwas aufgesetzt dazu. Hauptsache ist der eigene Lohnscheck am Monatsende.

Die anderen Ausdrücke unterstellen mir fast eine kriminelle Handlung.

„Wie kann sich dieser faule Hund entscheiden, von Arbeit fern zu bleiben?“

Für die Fehlzeit gibt es jedenfalls kein Geld. Krankengeld? Fehlanzeige.

Nebenbei wird mir noch eine Untätigkeit unterstellt. Ich hätte mit dem Nahverkehr nach Schenna fahren können. Auf die Frage, wie sie das bei geteilten Dienst hinbekommen wollen, gibt es ein trockenes Lächeln. Auslachen wäre der richtige Begriff dafür. Ich glaube fast, mit einer Wand hätte ich erfolgreicher verhandelt.

Mir wird umgehend klar, warum sich die Arbeiter meiner Gastgeber in diesem Sektor der angeblichen Hauptwirtschaft Südtirols, nicht wirklich wohl fühlen möchten. Zum Glück haben meine Gastgeber ein gesundes Selbstwertgefühl. Aber. Ewig funktioniert das nicht mit importierten Sklaven. Unter Sklaven spricht sich das auch schnell herum.

In vielen Ländern Europas hat das zum Zusammenbruch der angeblichen Gastfreundschaft geführt. Schauen wir mal. So lange die NATO Faschisten ständig neue Länder bombardieren, beklauen und ausrotten, ist der Nachschub jedenfalls gesichert.

Mit dem Nachschub wächst aber auch eine Opposition gegen diese Verhältnisse. Eine zweite Gesellschaft dazu.

Jetzt darf ich das Gebäude am Sandplatz unverrichteter Dinge wieder verlassen. Hilf dir selbst, sonst hilft dir Keiner.

Also, geht es nach Hause, Anzeigen studieren. Der Spielraum wird enger.

In der Nähe gibt es schon wieder Anzeigen. Bei diesen Anzeigen fällt auf, die in Aussicht gestellten Vergütungen werden zunehmend geringer. Mir scheint fast, bestimmte Kreise von Arbeitgebern, suchen bewußt diesen Zeitraum. Selbst tarifliche Vereinbarungen werden kalt hintergangen. Nach dem Modell: Frei verhandelbare Gehälter für Chefköche. Im Rennsport nennt sich diese Gilde: Lumpensammler. Das ist die letzte Streife, die verunfallte Rennfahrer mit einem Lastwagen einsammelt. Da gab es schon mal Zeiten, in denen wurden diese Transporte noch anders, fast liebevoller umschrieben. Nur, deren Ziel war anders gewollt. Soll ich Zwangsarbeit erwähnen?

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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