Fortsetzung Die Saisonpause


Darf ich erwähnen, in der DDR wurde selbst verurteilten, kriminellen Gefangenen der Tariflohn für den ausgeübten Beruf ausgezahlt. Wenn ein ehrlicher Unternehmer oder Gründer eines Unternehmens, den Tariflohn nicht zahlen kann, ist er zumindest angehalten, den geschuldeten Wert in Form von Firmenwertanteilen zu überschreiben. Damit ist wenigstens das Risiko gerecht geteilt. So wären in Südtirol sicher einige Firmen in Streubesitz. Verteilt auf ganz Osteuropa. Es gibt sicher auch einige Einheimische, die auf gleiche Art beschissen wurden.

Eine Vorstellung in Meran ist fällig. Dort habe ich mich der Not und des extrem kurzen Arbeitsweges halber, als Salatkoch beworben. Sozusagen, als Dritter, der ganz sicher auch Teile des Desserts mit zu fertigen hat. Von der Küchenreinigung und dem Drumherum ganz zu schweigen. Der Gedanke, in diesen Kreisen keine Verantwortung tragen zu müssen, war mir sympathisch.

Die Einladung nehme ich sofort an und wir verabreden uns auf den frühen Vormittag. Bei unseren täglichen Staus kann ich kaum auf die Minute genau einen Termin vereinbaren. Meine Arbeitgeber wissen das. Das Restaurant liegt direkt an der Passer. Dort kann Unsereiner mit reichlich Arbeit und einem Jahresengagement rechnen. Ich möchte also zum Sandplatz fahren und von dort das Restaurant Passerblick aufsuchen. Schon an der Brücke zum Sandplatz empfängt mich ein Verbotsschild. Drunter sind Zeiten geschrieben, die noch nicht erreicht sind. Ich passiere das Schild, um zu sehen, ob überhaupt Jemand auf dem Sandplatz oder dem Besucherparkplatz steht. Auf den Sandplatz stehen wie immer, reichlich motorisierte Zweiräder. Ich denke mir, das gilt auch für mich. Vor dem hiesigen Gesetz sind wir schließlich Alle gleich. Ein Plätzchen findet sich gerade so zwischen Rollern und Motorrädern. Die Fahrräder stehen extra. Meist an Stellen, wo man sie anketten kann. Am Arbeitsamt bemerke ich eine Schlange, die sicher mit den Meldungen zum Abschluß der Wintersaison zu tun hat. Ich freue mich, dieses Mal nicht in dieser Schlange stehen zu müssen.

Der Empfang am Passerblick fällt bescheiden aus. Ich treffe Kollegen. Wie scheint, die besseren. Zuerst gehen wir durch die Küche. Alle Kollegen grüßen. Ich höre wieder sämtliche Europäische Sprachen.

„Warte mal draußen. Der Chef kommt gleich“, bekomme ich gesagt. Am Tisch auf der Terrasse frage ich mich, was denn in einem Restaurant für ein Umsatz erwartet wird, der diesen Personalaufwand rechtfertigt. Immerhin zähle ich ein Dutzend Kollegen. Der Gedanke erzeugt in mir etwas Mißtrauen.

Nach etwa zwanzig Minuten begrüßt mich ein Kollege. Meine Unterklagen hat der nicht gelesen. Darin bin ich mir sicher. Trotzdem hat er meine Unterlagen mit. Er will sie wahrscheinlich mit mir zusammen lesen. Die vielen Fragen, ob ich kochen kann oder die einheimische Küche beherrsche, bleiben mir erspart.

„Wie lange bist du schon bei uns?“

„Fünfzehn Jahre.“

„Warum willst du als Dritter Koch arbeiten?“

„Keine Verantwortung, kurzer Arbeitsweg und damit wenig Kosten.“

„Was willst du bei uns verdienen?“

„So viel wie möglich.“

Damit sage ich ihm, ich erwarte zumindest den Tarif. Mit der Forderung ist er einverstanden. Scheint mir.

„Ich melde mich. Danke für deine Vorstellung.“

Die Aussage interpretiere ich als Absage. Das war es. Ich soll mir noch ein Getränk bestellen. Natürlich bestelle ich einen Kaffee. Nebenbei schaue ich auf das Telefon. Meine Emails und Anrufe von zu Hause, lasse ich mir am Telefon anzeigen. Ich rufe gleich am Tisch zurück.

Wie sich heraus stellt, sind es zwei Antworten aus Meran auf meine Bewerbung.

Eine kommt von Gegenüber. Ich schätze, aus unserem neuen Badeparadies. Das befindet sich aber nicht in Südtiroler Hand. Der andere Anruf kommt aus den Lauben. So richtig sicher bin ich mir nicht. Das Restaurant scheint ziemlich versteckt. Egal, denke ich mir. Hauptsache in unserer Nähe.

Zuerst gehe ich in die Lauben vom Sandplatz aus. Der Plan war gut. Ich muß nicht zu lange in meinen Motorradklamotten laufen. In den Gassen ist es früh schon zu heiß.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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