Fortsetzung Die Saisonpause


Der Weg in die Lauben ist trotz der scheinbaren Kürze eine ziemliche Anstrengung. Es geht bergauf und das in Motorradsachen. Ich muß als Erstes erfahren, wie lange der Dienst hier geht. Komme ich erst zu einer Zeit frei, in der kein Nahverkehr mehr läuft, kann ich das vergessen. Zu meiner Arbeit fahren, geht hier wahrscheinlich nicht. Obwohl ich Oben, Fahrzeuge treffe. Ich muß mich erkundigen. Da denke ich, über Meran Bescheid zu wissen; Irrtum. Wahrscheinlich werden die Regeln schon monatlich umgeschrieben.

Das Gedränge in den Lauben ist jetzt schon ziemlich belastend. Ganze Busladungen schlendern schnatternd durch die Gassen. Ich könnte mein eigenes Wort nicht verstehen. Irgendwie ist es frustrierend zu wissen, von diesen Leuten leben zu müssen. Mir gefallen solche Abhängigkeiten nicht. Man kommt sich immer vor, als würde man diesen Leuten, bettelnd, den Dreck hinterher räumen. Bei Kindern würde ich das ja verstehen. Aber bei angeblich Erwachsenen? Aschenbrödel hätte es relativ leicht, den Spuren verschiedener Touristenströme zu folgen. Die Spuren führen immer zu Eisständen und Plunderhändlern. Wenn ich irgendein Kleidungsstück probieren wöllte, könnte ich mit Sicherheit sagen, in diesem Teil steckten schon vierzig Leute, die ihre Größe nicht kennen. Für uns ist diese Geschäftslage unerschwinglich. Was unterscheidet uns von Bustouristen?

Ich komme an dem Restaurant an. Es ist scheinbar noch geschlossen. Beim Eintreten sehe ich aber schon Gäste. Die stehen am Ausschank und trinken einen Gespritzten. Viele von ihnen tragen die traditionellen blauen Schürzen und einen typischen Filzhut. Es wird Mundart gesprochen. Ich verstehe nur die Hälfte.

Am Tresen frage ich nach dem Chef. Die Frage muß ich zwei Mal stellen. Mein Sächsisch erregt sofort Aufmerksamkeit und ein freundliches Lächeln.

Ein Gast versucht, mir in Sächsisch zu antworten: „Nu da.“

Der Chef kommt gerade aus einem Nebenraum. Er bittet mich, ihm zu folgen.

Schon stehen wir in der Küche. Mich begrüßen sechs Kollegen aus allen Erdteilen der Welt. Ich komme mir vor wie auf den Jugendfestspielen in Berlin.

„Ich suche einen Zweiten Koch“, sagt mir der Chef.

„Hat der Chefkoch frei?“

„Er ist nicht da.“

„Wann soll ich anfangen?“

„Morgen.“

„Kann ich mit dem Motorrad direkt bis hier her fahren. Gibt es eine Garage?“

„Hier nicht. Aber in der Nähe gibt es einen Hinterhof. Dort kannst du dein Moto abstellen.“

„Wann beginnt der Dienst?“

„Wir fangen um Neun an. Was hast du im letzten Betrieb verdient?“

„Zweitausend und vierhundert.“

„Wir sind ein Ganzjahresbetrieb. So viel kann ich dir nicht geben.“

„Na dann. Bis morgen.“

„Ich rufe an.“

‚Ich rufe an‘, ist eigentlich schon wieder eine Absage. Der Weg war scheinbar umsonst.

„Was willst du trinken?“

„Einen Kaffee.“

„Cappuccino?“

„Gerne.“

Beim Kaffee entschließe ich mich, den anderen Betrieb doch noch zu besuchen. Zum Glück geht es jetzt bergab. Durch geschwitzt will ich mich nicht unbedingt vorstellen.

Das Motorrad nehme ich mit. Die kleine Schleife um den ganzen Block, ist mein Umweltbeitrag für Meran.

Gegenüber von Sabines Eisladen ist die Einfahrt in die Tiefgarage. Die Schranke ist gesenkt. Das Lautsprecher knistert. Für einen Vier-Sterne-Lautsprecher etwas zu lästig, scheint mir. Die Stimme ist nicht einheimisch. Ich dachte, die hätten Einheimischen, Arbeit versprochen. Wie scheint, ist das am Lautsprecher der Chefetage anders. Die klang so, wie ich eine Stimme vom Westriesenrad auf Rummelplätzen in Erinnerung habe. Oder war es die Geisterbahn? Egal. Alles fürchterlich… und zu teuer.

Ich parke draußen. Mal sehen, ob ich wenigstens durch die Garage nach Oben gehen kann. Ich krabbel unter der Schranke durch und begebe mich suchend in Richtung Fahrstuhl. Zum Glück steht auf dem Etagenknopf – Reception. An der Reception frage ich nach dem Chef .

„Ich habe einen Vorstellungstermin.“

„Das macht hier nicht der Chef.“

„Naja. Dann melden sie mich bitte bei dem Termin an.“

Namen hat die slowakische Tante mir nicht genannt. Alles anonym. Nur der Akzent gibt mir die Richtung. Naja. Gastronomie ist eben ein internationales Befangen. Billig und geil, gewinnt.

Ich soll Platz nehmen.

„In Kürze kommt Jemand zu ihnen.“

Jemand? Naja. Ein Geist, sozusagen. Ich frag mich ernsthaft, wer in so einer Einrichtung, Urlaub machen möchte. Sicher keine Menschen oder Arbeiter.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

5 Kommentare zu „Fortsetzung Die Saisonpause“

    1. Mein lieber Riccio8, danke für die Nachfrage. Ich arbeite grade an dem Ding. Ende Mai wird es fertig sein. Dann kommt wieder ein Auszug. Aktuell kommen noch ein paar Energieabrechnungs – Streitigkeiten dazwischen. Es antwortet Keiner. Ich habe mein Konto sperren lassen müssen. Wegen Verbrechern haben wir viel zusätzliche Arbeit. Wir dachten mal vor 25 Jahren, hier hätten wir Ruhe vor Plünderern. Der Irrtum wird uns wohl in ein neues Asyl treiben. Ich schätzte, wir werden das Land verlassen. Wir müssen uns noch von unseren Familienangehörigen verabschieden. Das dauert etwas. Der Abschied wird dann leider für immer sein. Wir unterstützen keine kriminellen, faschistischen Systeme.

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  1. Lieber Herr Beyer es täte mir leid wenn Sie Südtirol verlassen würden, aber Südtirol kriminell oder faschistisch zu bezeichnen entspricht nicht der Wahrheit. Südtirol weiß aus eigener Erfahrung wie Faschisten mit Minderheiten umgehen. Durch der Autonomie ,die Italien und Österreich mit Hilfe der Uno aushandelten, gibt es keine größeren ethnische Konflikte mehr. Als unser ehemahliger Landeshauptmann vor einigen Jahren unsere Autonomie im Donbass vorstellte wurde er mit zweijährigen Einreiseverbot belegt. Falls Sie sich auf die erhöhten Strompreis beziehen muss sich Alperia leider an die internationalen Energiepreise orientieren da wir trotz eigener Wasserkraft an das italienische Netz angebunden sind und wieso die Energiekosten so gestiegen sind wissen wir nun mal alle.

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    1. Die Orientierung an internationalen Preisen ist zwar anscheinend gerechtfertigt für diese Firma, aber die Forderungen werden der falschen Seite der Bevölkerung auferlegt. Bekanntlich sind Energiekosten für Unternehmen, Bestandteil der Abschreibung. D.h., eine Firma möchte die Kosten. Ein privater Haushalt, dazu im geschützten Markt – unter 10T€ Jahreseinkommen, wird sich von diesen Forderungen einfach vertreiben lassen.
      Wer hat unserem Landeshauptmann zwei Jahre, Einreiseverbot auferlegt und warum, ist die Frage. Über den Donbass wurde ein Abkommen verabschiedet (Minsk) und sogar mit Sicherheitsgarantien versorgt. Die Ukrainischen Faschisten und ihre Lieferanten haben das gebrochen. Wie praktisch jedes Gesetz:-)) Die angebliche OSZE wurde zudem der Spionage für Faschisten/Massen- und Völkermörder überführt. Von den Biolaboren fange ich gar nicht erst an. Zudem wurde ein breiter Angriff sowohl auf den Donbass als auch auf Russland und die Krim vorbereitet. Die Tatsachen liegen auf dem Tisch und die Mehrheit der Welt, nicht die paar Diktaturen hier in Europa (28 um genau zu sein), ist sich der Situation sehr wohl bewusst. Wir dürfen auch hier wieder den russischen Soldaten als auch der Regierung danken, dass sie mit dem Einmarsch, wie in Jugoslawien seiner Zeit, eine Völkermord verhindert haben. Und jetzt dürfen wir zwei Aussagen mal vergleichen:
      Unsere Strompreise steigen, weil das „internationale“ Vorgaben sind:-)) Im Vergleich mit „Empfehlungen“ für eine Autonomie an Dritte. Fällt Dir das auf, lieber Riccio? Wir reden von Elektroenergie einer „Autonomie“ und die Wirkung auf deren Bevölkerung. Alles klar?

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