Fortsetzung Die Saisonpause


Alois muß weiter. Er verabschiedet sich und wünscht mir viel Glück bei der Suche.

„Kann ich das Moto noch etwas hier stehen lassen? Ich muß noch auf die Promenade.“

„Ausnahmsweise.“

„Danke.“

Jetzt wartet der Termin auf der Promenade. Der Betrieb ist eine beliebte, preiswerte Adresse. Ich rechne mit einem Haufen Arbeit. Die Familie kennt mich noch von früher. Der Seniorchef wollte mich früher gern abwerben. Wir haben bei ihm gern mal ein Bier getrunken mit den Kollegen. Bei ihm gab es die besten Haxen in ganz Dorf Tirol. Wir haben deswegen sogar oft unser Abendessen im Betrieb ausgelassen. Und das ist in Vier – Sterne – Betrieben sehr schwer.

Kaum betrete ich den Gastraum, grüßt der Juniorchef. Der kennt mich auch noch.

„Unser alter Koch, der Schorsch, kommt wieder“, sagt Andreas.

„Was? Der Schorsch arbeitet noch?“

„Der kann es nicht lassen.“

„Schorsch ist doch sicher schon Siebzig.“

„Vier und Siebzig.“

„Sag ihm bitte einen schönen Gruß von mir.“

Der Termin hat sich also erledigt. Kommt noch ein Termin auf dem Klosterweg. Ein Drei – Sterne – Hotel. Der Familie habe ich schon einmal gedient. Vielleicht habe ich bei denen einen guten Eindruck hinterlassen. Immerhin wollte mich der damalige Chef weiter verpflichten. Ich habe einen Kollegen vertreten, der einem Unfall zum Opfer fiel. Den wollte ich natürlich nicht verdrängen. Das finde ich unkollegial. Etwas unsicher bin ich mir trotzdem. Es könnte sein, die Familie nimmt mir die Absage übel. Vielleicht war der Unfall nur erfunden. Vielleicht gab es Streit. Mal sehen.

Auf dem Klosterweg treffe ich Alois wieder. Er winkt. Bei ihm stehen gerade ein paar Touristen. Dem Gesichtsausdruck von Alois nach zu urteilen, ist der Anlaß des Gespräches kein freundlicher. Wie es aussieht, haben die Gäste, Müll weg geworfen.

Der letzte Termin im Dorf ist schwer an zu fahren mit dem Motorrad. Die Auto fahrenden Gäste müssen ein paar Meter laufen. Die Garage des Hotels ist etwas oberhalb. Ich stelle dort auch mein Motorrad ab. Der Fußweg ist nur fünfzig Meter.

Auf der Terrasse sitzen viele Gäste. An einer leicht geöffneten Hintertür höre ich Küchengeräusche. Dort vermute ich den Eingang zur Küche. Der Abspüler kommt mir gerade entgegen. Er hat einen riesengroßen Müllsack im Schlepptau. Sein fragender Blick animiert mich, ihm beim Verladen des Sackes helfen zu wollen. Das nimmt er dankend an. Weit müssen wir den Sack nicht tragen. Unter einem Schober steht die Mülltonne.

Der Chef des Hauses kommt uns entgegen. Er möchte den Müll kontrollieren. Es gab Probleme damit. Er fragt den Abspüler, ob auch wirklich keine Speisereste darin sind. Der letzte Container hat zu stark gestunken. Die Gäste haben sich beschwert. Ich muß leicht in mich

lachen. Die Gäste beschweren sich über ihren Müll. Auf die Frage, wer ich bin, nenne ich ihm den Grund meines Besuches. Wir wechseln nur ein paar Sätze. Er wollte wissen, wo ich bisher gearbeitet habe. Bei dieser Gelegenheit nannte ich ihm sein Familienmitglied.

„Ich melde mich“, ist das Ergebnis der Vorstellung. Eigentlich wieder eine Absage. Vielleicht hätte ich die Familie nicht erwähnen sollen. Bisweilen vertragen sich meine Gastgeber auch innerfamiliär nicht besonders.

Wie man es tut – es scheint immer falsch zu sein. Mir fehlt die genaue Ortskenntnis. Vielleicht rede ich auch etwas zu viel. Vater hat mich schon vor meinem unbekümmerten Mundwerk gewarnt.

„Das wird dir mal viel Ärger bringen.“

„Wer das nicht mag, braucht nicht mit mir zu arbeiten“, habe ich damals geantwortet. Das gilt für mich auch heute. Die Heimlichtuerei hinter dem Rücken, lehne ich ab. Ich bin eben für ehrliche Verhältnisse. Offensichtlich ist das nicht mehr gefragt in diesem System.

Das Pollo zuerst teilen, dann Innen mit Rosmarinsalz würzen

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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