Fortsetzung Die Saisonpause


Der Verkehr in den Bergen wäre einfach zu lösen. Eine kleine Kopfrechnung, wenn denn ein Kopf da wäre, würde den Schlüssel liefern. Berechnen wir einfach die Fläche, die ein Auto für zwei Personen benötigt und ein Zweirad. Leider ist Mathematik in Bürokreisen absolut gehaßt. Man kämpft auf seine Art für den Erhalt des Platzes. Ein Auto benötigt nicht nur die vierfache Größe an Platz. Nein. Ein Auto liefert auch mindestens die doppelte Masse an Reifenabrieb. Und der landet eben dort, wo er nicht landen soll. Von den SUV – Panzern in den Bergen will ich gar nicht erst anfangen. Dagegen sind Panda und Punto an Überlegenheit kaum zu übertreffen. In den Bergen sind kleine Autos und kleine Busse die Weltmeister. Ganz einfach deswegen, weil in den Bergen nur begrenzt Platz ist. Und in dieser Situation ausgerechnet Motorradfahrern das Leben schwer zu machen, grenzt eher an mangelndes Mathematikverständnis. Anders kann ich den Übermut leider nicht zart beschreiben. Oder soll ich Blödheit sagen?

Ich finde es sehr schön, wenn ich italienische Rollerfahrer mit ihren Frauen treffe. Ich rede nicht von Lebensgefühl. Ich rede von Erholung. Und genau dafür sind diese Berge da. Wer braucht die Erholung mehr als unsere italienischen Landsleute? Viele arbeiten im Tourismussektor. Sie arbeiten von früh bis in die Nacht. Sie haben nur diese Möglichkeit, ihre sparsame Freizeit zu erleben. Sie sind keine Sesselfurzer, die in Hurghada wie Ölsardinen braten.

Zu Hause berichte ich Joana natürlich von dem freudigen Ereignis. Zugleich muß ich mir Gedanken machen, wie ich das meinen Kollegen am Waalweg beibringe. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, ob ich den anderen Anbietern schon absage. In den vielen Jahren hier habe ich gelernt, nicht eine Zusage gilt zu hundert Prozent. Vor allem, keine telefonische Zusage.

Bei den Kollegen am Waalweg scheint Alles in Ordnung. Wir verabreden uns für den Dienstbeginn.

Der Morgen ist etwas feucht. Am Waalweg ist das ein Problem beim hinauf fahren. Um die Zeit, zu der ich fahre, sind noch keine Wanderer unterwegs. Die Begrüßung ist bestens. Alle sitzen vor dem Haus und frühstücken gemeinsam. Ich komme gerade recht. In den Gesprächen untereinander geht es um Probleme, die ich nicht richtig einordnen kann. Nachfragen will ich am ersten Tag nicht. Bei der Besprechung fällt auch eine Analyse zum heutigen Wetter. Wir rechnen mit weniger Gästen. Es ist teilweise trüb an der Texelgruppe. Im Wetterbericht ist von Regen die Rede.

Waalwege sind leider sehr wetterabhängig. Bei feuchtem Boden sind die Wanderer auch diversen Gefahren ausgesetzt. Neben sehr rutschigem Boden, gibt es auch gelegentlich Steinschläge. Vor allem auch in Gebieten, in denen erst kürzlich Bauarbeiten stattfanden. Und hier wurde eben intensiv an der neuen Seilbahn gearbeitet. Das braucht schon ein paar Jahre, ehe sich der Boden wieder beruhigt. An der Texelgruppe dürfte das sogar etwas länger dauern. Dort regnet es ziemlich oft und mitunter, sehr intensiv.

Eigentlich wäre der ruhige Tag sehr günstig für den Anfang. Zum Anfang kommt es aber nicht. Zwei Herren gehen mit unserem Chef in sein Büro. Nach einer halben Stunde kommt der Chef zu mir. Ich bin gerade beim Pellkartoffeln schälen.

„Ich muß absagen. Wir schließen.“

Ich glaube, dieser Auftritt ist mein kürzester bis jetzt. Im festen Glauben, meinen kürzesten Auftritt von vier Stunden nie unterbieten zu können, mußte ich leider lernen, es geht noch kürzer.

Irgendwie fühle ich mich jetzt erlöst. Weil ich die anderen Bewerbungen nicht abgesagt habe. Jetzt brauche ich eine Beschäftigung für die Zeit bis Juni. Wie stehe ich da, wenn meine Frau buckelt und ich auf der Couch liege?

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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