Fortsetzung Die Saisonpause – Das letzte Kapitel


Die Zwischenarbeit

Mit der Zwischenarbeit ist natürlich mein Saisonurlaub beendet. Diesen Urlaub habe ich diesjährig in erstaunlicher Ruhe und voller Erholung verbracht.

Ich nehme mir vor, mich zu Hause zu wiegen. Immerhin benutze ich gerade meine größte Motorradkombi. Größer habe ich sie nicht. Im vergangenem Jahr mußte ich zeitweise den Trainingsanzug anziehen. Meine größte Kombi erlaubt mir zwanzig Kilo Übergewicht. Mit dem Gewicht, in dieser Kombi, laufe ich wie ein Roboter. Verkehrsbedingte Reaktionen mit dem Motorrad sind damit nur noch eingeschränkt möglich. Gerade im Frühjahr und im Herbst, ist aber der Verkehr auf der Straße, der die wenigste Rücksicht nimmt. In diesen Zwischenjahreszeiten gewinnt Sturheit und Unsicherheit.

Ich kann mir das nicht erklären. Liegt das am Wetter?

Mit der Zusage im Gepäck, gestalte ich die Heimfahrt gemütlich. Ich habe Joana nicht extra angerufen. Ich will sie überraschen. Jetzt könnten wir mit einer Flasche Wein oder ein paar Blumen den Tag abschließen. Oder einen kleinen Ausgang organisieren. Geht nicht. Das Geld wird alle und wir sparen. Vielleicht wird es eine Pizza bei Doris.

Joana freut sich sehr über die Nachricht. Sie fällt gleich wieder in den Organisationsmodus. Kochwäsche, Messer, Schürzen, Schuhe und etwas Taschengeld legt sie bereit. Die volle Ausrüstung schleppe ich am ersten Tag selten an. Ich nehme mit, was in den Koffer des Motorrades paßt und unbedingt benötigt wird. Manchmal, aber nur, wenn es der freie Tag Joanas erlaubt, benutzen wir das Auto. Damit karre ich meine ganze Ausrüstung auf einmal zur Arbeit. Leider hat sich diese Methode als nicht vorteilhaft erwiesen. Manche Arbeitsverhältnisse, in die ich sehr viel Hoffnung investierte, dauerten eben nur drei oder vier Tage. In dem Fall bekomme ich die volle Ausrüstung mit dem Motorrad nicht weg. Oft habe ich dann Joana bemüht, mit dem Auto vorbei zu kommen, um meine Ausrüstung zu holen. Das funktioniert oft, aber nicht immer. Und schon beklage ich neben dem Arbeitsplatzverlust, auch noch den Verlust wertvoller Ausrüstungen. Die scheint sich irgendwie in Luft aufzulösen. Nachfragen werden mit einem Lächeln und Kopfschütteln beantwortet. In ganz speziellen Fällen, wird mir sogar mein Eigentum abgestritten. DDR Bürger kennen das von ihren Besatzern aus dem Westen. Es wird konfisziert mit einem Lächeln im Gesicht. Wohl in der Kenntnis der Wehrlosigkeit der Opfer.

„Das gehört doch dem Betrieb.“

„Wie kommt dann mein Name darauf?“

Natürlich werden den Betrieben bisweilen Arbeitsmittel gestohlen. Manche gehen auch kaputt. Für den Betrieb sind das Kosten. Für mich nicht. Die Ausgaben des Betriebes werden von der gesamten Gesellschaft bezahlt. Meine nicht. Mein Eigentum ist meines. Von meinem Lohn geschaffen. Das Betriebseigentum ist von der gesamten Gesellschaft geschaffen. In Form von Kosten, Zuschüssen, Freibeträgen und Abschreibung. Selbst die Käufe, Kredite und Zinsen haben wir als Gesellschaft bezahlt. Nicht der vermeindliche Eigentümer. Der hat nur einen kleinen Beitrag bezahlt. Seine Leistung und die der Familie. Trotzdem steht dort sein Name drauf. Würde ich jetzt sagen, das ist mein Betrieb oder zumindest teilweise meiner, bekäme ich umgehend einen Platz in der Nervenanstalt. In diesem System. Einem System, das Diebstahl legitimiert. Der Lohn ist eben nicht der Anteil an dem Betrieb, den wir gemeinsam so geschaffen haben. Der Lohn ist eine zeitweise Abfindung. Und schon landen wir bei Karl Marx und dem Mehrwert. Und das ausgerechnet in einer Hotelküche.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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